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Brick Dreams: Filmautos aus Lego

Stephan Sander macht aus kleinen Plastik-Steinen schicke Picture Cars

Stephan Sander macht aus kleinen Plastik-Steinen schicke Picture Cars

Der Pick-up aus “Ein Colt für alle Fälle“, der Chevy von der Olsenbande oder der De Lorean aus „Zurück in die Zukunft“ – all diese Film-Autos haben inzwischen Kultstatus. Und Stephan Sander, Systementwickler aus Langenhagen bei Hannover, hat diese Autos und noch viele mehr bei sich zu Hause. Er baut ihre teils geschwungenen Formen nach – aus eckigen original Lego-Steinen.

Ein Toyota bringt Emotionen
„In der Lego-Szene duzen wir uns“ ist das Erste, was uns Stephan sagt. Und eines der ersten Autos, welches er aus Lego-Steinen nachgebaut hat: ein Toyota MR2. Als er seinen MR2 verschrotten musste, konnte der ITler den Trennungsschmerz kaum überwinden. Also wurde flugs ein Lego-Modell gebaut. Inzwischen fährt Stephan einen weißen VW Scirocco – die dazugehörige Studie Iroc hat er natürlich auch in Lego verewigt. Insgesamt sind bisher über 35 Automodelle entstanden, davon zirka die Hälfte „Picture Cars“, wie Fachleute Film-Autos nennen. Und Stephan legt Wert darauf, dass er nur Autos baut, die er mag, oder Fahrzeuge aus Filmen, die er mag.

Teuerer Spaß
Wenn Stephan von seiner Arbeit als IT-Spezialist beim Rechenzentrum der Sparkasse nach Hause kommt, fängt er an, seine Modelle auszutüfteln. Er abstrahiert die Formen, sucht Steine aus und probiert verschiedene Aufbau-Möglichkeiten durch. Wie lange der Langenhagener an einem Modell sitzt, hängt ganz von seiner Tagesform und seiner Inspiration ab. Sein Jaguar E-Type hat sich „quasi ruck zuck von selbst gebaut“. Bei seinem Lieblingsstück, dem De Lorean DMC-12, hat der 39jährige allein in die Fahrzeugfront 14 Tage Arbeit investiert. Um die 500 Teile verbaut der Familienvater in jedem seiner Schmuckstücke. Sein Baumaterial bezieht er aus der ganzen Welt. Viele Steine besorgt er sich in den USA, dort gibt es die Händler-Börse „Brick Link“ (www.bricklink.com, Brick: Baustein, Klotz). Die gut sortierten Händler haben sogar Lego-Steine aus den Fünfzigern parat und geben die vorrätigen Stückzahlen an. Je seltener der Stein, desto teurer ist er, die Standardfarben rot, weiß und schwarz sind am billigsten. 150 bis 300 Dollar (zirka 110 bis 220 Euro) investiert Stephan an reinen Materialkosten in jeweils eines seiner Miniatur-Picture-Cars.

100 Prozent Lego
In Stephans Autos kommt nur Lego, nichts anderes, das ist ihm sehr wichtig. Fremdteile oder bemalen, sägen, fräsen und kleben sind verboten. Eine einzige Ausnahme gönnt er sich: Er lässt die von Lego gelieferten Nummernschilder mit den Original-Zulassungsnummern aus den jeweiligen Filmen bedrucken. Allerdings nur mit einer Maschine und nach einem Verfahren, wie es auch von Lego verwendet wird. Für die Stoßstangen benutzt Stephan, wenn nötig, verchromte Lego-Steine. Diese wurden schon vor langer Zeit aus der Produktion genommen, weil ihre Herstellung zu teuer war. Inzwischen bieten findige Tüftler auch von ihnen zu Hause verchromte Lego-Steine an – für Stephan ein absolutes No-Go. Damit wäre der Stein nämlich kein Originalprodukt mehr.

Auf sechs Meter langer Straße unterwegs
Seine Autos präsentiert Stephan auf einer sechs Meter langen Modellstraße, die durch sein Brick Valley führt. Zu Hause ist mit Frau, Tochter und Sohn kaum Platz dafür, sodass die Lego-Filmwelt nur auf Ausstellungen zu ihrer kompletten Entfaltung kommt. Auch die Straße und die Gebäude sind 100 Prozent Lego. Zuerst hat Stephan seine Wagen auf Ausstellungen nur nebeneinander gestellt und musste erleben, dass die kleinen Kunstwerke kaum Beachtung fanden. Dann kam er auf die Idee, die Wagen in einer passenden Umgebung zu zeigen und der Knoten platzte: Die Leute drängen sich seitdem um seine Modell-Welten. Gebaut wird alles im so genannten Miniland-Maßstab 1:20, in dem der dänische Hersteller auch seine Lego-Parks anlegt. Stephan könnte also die kleinen Film-Wagen in einen Lego-Park stellen und das Fahrzeug würde vom Maßstab her perfekt in die Umgebung passen. Er bastelt sogar entsprechende Filmfiguren aus Lego-Material. So tapert beispielsweise die komplette Olsenbande neben ihrem Chevrolet daher. „Das war ganz einfach, weil die Figuren so auffällig sind. Der pummelige Kjeld, Benny mit seinen Hochwasser-Hosen und Egon mit Melone, schwarzem Anzug und Stechschritt.“

Keine bevorzugte Behandlung
Lego verdient im Moment richtig gut. Und die Dänen wissen, dass mindestens 15 Prozent ihres Umsatzes von Erwachsenen gemacht werden, welche die Teile nicht für ihre Kinder kaufen, sondern für ihre eigenen Projekte. Allerdings gibt es für fingerfertige Fans wie Stephan nur Unterstützung in Form von Kommunikation – Lego hilft den Fans, zueinander zu finden. Erwähnt sei 1000steine.de, die Plattform der deutschen Lego-Community. Materielle Hilfen, Rabatte oder speziell angefertigte Teile gibt es nicht. Für Stephan ist das eine gewollte Herausforderung. So hat er inzwischen wegen permanenter Nachfrage auch ein Modell von K.I.T.T., dem schwarzen Pontiac Firebird Trans Am aus Knight Rider, gebaut. Und er ist stolz darauf, dass er sogar eine funktionstüchtige rote Lichtleiste für die Front des Wagens hinbekommen hat – natürlich aus 100 Prozent Lego-Originalteilen.
(gh)

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