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Vorwürfe gegen Audi, BMW, Daimler, Porsche und VW Das deutsche Auto-Kartell?

Hamburg, 24. Juli 2017
Steht die deutsche Autoindustrie vor dem ganz großen Knall? Wie das Magazin "Der Spiegel" in seiner neuesten Ausgabe berichtet, sollen sich Audi, BMW, Daimler, Porsche und VW bereits seit den 1990er-Jahren in geheimen Arbeitskreisen abgesprochen haben. Die Themen seien unter anderen Technik, Kosten und Zulieferer gewesen.

Bewusste Diesel-Trickserei?
Hintergrund der Enthüllungen sei eine Selbstanzeige, die der Volkswagen-Konzern bei den Wettbewerbsbehörden eingereicht hat. Dem "Spiegel" zufolge liegt in der Zusammenarbeit auch die Grundlage für die heutige Diesel-Problematik. Weil man sich auf kleinere Tanks für das Harnstoffgemisch AdBlue geeinigt habe, konnten die Abgase nicht ausreichend gereinigt werden. Um dennoch die Grenzwerte einzuhalten, manipulierte man an der Software.

Forderungen an die Politik
Was sind die Konsequenzen aus dem Kartellvorwurf? Die Aktienkurse der betroffenen Unternehmen sind bereits abgesackt, der Imageverlust ist noch offen. Zwecks näherer Untersuchungen haben sich das Bundeskartellamt und die EU-Kommission eingeschaltet. Prof. Dr. Stefan Bratzel, Experte für die Autoindustrie, warnt vor den finanziellen Folgen: "Ein mögliches Auto-Kartell ist alles andere als nur ein Kavaliersdelikt und kann einige Milliarden Euro an Strafzahlungen nach sich ziehen." Gerade in der aktuellen Diesel-Diskussion sei die Kartell-Enthüllung ein "Bärendienst". Laut Bratzel ist nun die Politik gefordert, sie dürfe auch im Interesse der Branche künftig keine falsch verstandene Rücksicht mehr nehmen.

BMW weist Vorwürfe zurück
Von den mutmaßlich involvierten Herstellern hat sich bislang nur BMW zu Wort gemeldet. Das Unternehmen weist die erhobenen Vorwürfe entschieden zurück. Fahrzeuge von BMW und der anderen Konzernmarken "werden nicht manipuliert und entsprechen den jeweiligen gesetzlichen Anforderungen", so BMW. Dies gelte auch für Dieselfahrzeuge. Auch den Vorwurf zu kleiner AdBlue-Behälter in Euro-6-Dieseln rückt der Konzern in ein anderes Licht. Aufgrund einer Kombination mit zusätzlichem NOx-Speicherkat habe man nur einen sehr niedrigen AdBlue-Verbrauch. Darüber hinaus bleibe es laut BMW bei der Zusage, Euro-5-Diesel-Pkw ein freiwilliges und kostenloses Software-Upgrade zukommen zu lassen.
(rh)

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