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Elektromobilität: China top, Deutschland floppt Welt unter Strom

Bergisch Gladbach, 28. Januar 2016
Sind Elektroautos und Plug-in-Hybride noch das "nächste große Ding"? Wie entwickelten sich die globalen Verkäufe im Jahr 2015? Analysiert hat das der bekannte Professor Stefan Bratzel vom "Center of Automotive Management", kurz CAM. Seine Erkenntnisse stellen der deutschen Politik ein schlechtes Zeugnis aus.

Mühsam aufwärts
Deutschland hinkt nämlich dem selbst gesteckten Ziel, bis zum Jahr 2020 eine Million E-Autos (inklusive Plug-in-Hybrid) auf die Straße zu bringen, weit hinterher. Trotz eines Zuwachses von 80 Prozent betrug die Zahl der 2015 verkauften Elektroautos nur 23.500 Fahrzeuge bei einer Gesamtzahl von 3,2 Millionen Neuzulassungen. Insgesamt beträgt der Marktanteil von Elektroautos in Deutschland magere 0,7 Prozent. 98,3 Prozent des Marktes teilen Benziner und Diesel fast gleich unter sich auf. Hier sind schon 11.100 Pkw mit Plug-in-Hybrid eingerechnet, deren Anteil um 145 Prozent wuchs. Marktführer ist hierzulande der Kia Soul EV mit 3.850 Einheiten, von denen aber viele nach einer taktischen Zulassung nach Norwegen weiterverkauft wurden. Auf den Plätzen folgen der BMW i3 und der Mitsubishi Outlander PHEV.

China zieht davon
Deutlich zugelegt haben E-Autos dagegen in China. Dort stieg die Zahl der entsprechenden Neuzulassungen binnen eines Jahres von 59.000 auf 189.000 Fahrzeuge. Marktführer ist mit Abstand die Marke BYD, aber auch Tesla brachte es auf 4.500 Wagen. Wie kommt es zu diesem Boom, während in den USA der Elektroabsatz sogar leicht rückläufig war? Neben finanziellen Anreizen werden aufgrund von Stau- und Smogproblemen in den ganz großen Städten Zulassungsbeschränkungen für Autos mit konventionellem Antrieb ausgesprochen. Elektrofahrzeuge hingegen kümmert das nicht. Was Bratzel allerdings nicht erwähnt: Die zentralistisch-autoritäre Staatslenkung macht in China solche Eingriffe einfacher. Außerdem ist das Land nur gemessen an der absoluten Zahl Weltmeister: 189.000 Fahrzeuge sind bei fast genau 20 Millionen Neuzulassungen (Stand Ende 2015) nämlich auch nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. In Zahlen ausgedrückt: unter einem Prozent.

Drei Hauptprobleme
Gibt es einen allumfassenden Lösungsansatz? Den liefert das CAM nicht, jedoch benennt Bratzel klar die Probleme: Reichweite, Infrastruktur und Preis. Er fordert Reichweiten von mindestens 300 bis 500 Kilometern bei gleichzeitig günstiger werdenden Batterien sowie eine ausreichend dichte Schnellladestruktur. Um den Automobilstandort Deutschland zu sichern, sei daher ein "konzertierte Aktion" von Industrie und Regierung notwendig. Global wird die Elektromobilität an Aufwind gewinnen. Je nach Szenario rechnet man im Jahr 2025 mit sieben bis 14 Millionen Neuzulassungen.
(rh)

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