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Das Allrad-Abenteuer in den peruanischen Anden Land Rover Experience Tour 2017

Lima (Peru), 3. November 2017
Nach 20 Stunden Reisezeit, fünf Stunden Schlaf und mit sieben Stunden Zeitverschiebung wache ich in einem kleinen Hotel in Paracas 100 Kilometer südlich der peruanischen Hauptstadt Lima auf. Ich kämpfe gegen Müdigkeit und Jetlag an, aber an diesem kühlen Sonntagmorgen ist die Spannung größer als alles andere. Denn heute startet die Land Rover Experience Tour 2017 – eine moderne Karawane, bestehend aus 16 Land Rover Discovery und drei Range Rover Sport, die durch die südamerikanische Wildnis Perus fahren wird.

Gewinner, Journalisten und die Land-Rover-Experience-Crew
Sechs glückliche Gewinner der vorausgegangenen mehrstufigen Qualifikation werden auf dem 14 Tage dauernden Abenteuertrip von der Land-Rover-Experience-Crew, einigen Journalisten (darunter ich) und einem Fernsehteam begleitet. Dabei legen sie 3.500 Kilometer zurück, den größten Teil davon im Gelände und weit abseits ausgebauter Straßen. Ich bin auf der ersten Etappe dabei, immerhin vier Tage lang. Auf dem Programm stehen sandige Wüstenabschnitte, die Pazifikküste und steinige Bergpässe bis auf 4800 Meter über dem Meeresspiegel.

Gepäck-Tetris und ab in den Sandkasten
Meine erste Herausforderung: Obwohl der Kofferraum des Discovery 1.137 Liter Gepäck aufnimmt, wird es in dem Siebensitzer ziemlich eng. Vier Taschen kommen auf die Rückbank, zahlreiche Getränke in den Fondfußraum. Das geht nicht anders, denn das Gepäckabteil ist schon voll mit Zelten, Stühlen, einer großen Verpflegungskiste, Waschutensilien und einem Kühlschrank. Kein Wunder, dass das Ersatzrad und die Notfall-Spritkanister auf den Dachträger mussten. Nach dem Briefing von Chefinstruktor Dag Rogge beginnt unsere Route relativ unspektakulär über 60 Kilometer asphaltierte Straßen. Kurz hinter Ica wechseln wir auf Sand. Fahrwerk hochstellen, im Offroad-Programm den passenden Modus für den Allradantrieb wählen, Luftdruck in den Reifen absenken. Bei insgesamt 80 Reifen wohlgemerkt, was seine Zeit braucht. Danach teilen wir die Fahrzeuge in drei Konvois auf und verschwinden in die gelbliche Dünenlandschaft. 100 Kilometer wollen heute noch abgespult werden, ehe wir unser Ziel am Pazifik erreichen.

Ein Hauch von Mondlandung
Die von uns durchpflügte Landschaft ist gewaltig. Schnell werden aus den morgendlichen 15 knapp 40 Grad Celsius. Die Klimaautomatik des Disco arbeitet auf Hochtouren. Aussteigen? Besser nicht, denn nach wenigen Sekunden auf heißem Sand fühlst du die Hitze sogar durch die Schuhsohlen. An den Reifen machen sich die Temperaturen durch den wieder ansteigenden Luftdruck bemerkbar. Weniger Auflagefläche und damit weniger Grip auf dem traktionslosen Untergrund wollen wir nicht riskieren. Wer hat schon Lust, einen Land Rover freizuschaufeln? Also noch einmal etwas Luft aus den Reifen lassen. Ein weiteres Rezept gegen das Steckenbleiben? Viel Gas und bloß nicht stehen bleiben.

Der Tagesendgegner ist rund 60 Meter hoch
Wir befolgen diese Ratschläge und machen ohne Probleme gut Strecke. Bis wir kurz vor dem Etappenziel eine etwa 60 Meter hohe Düne erreichen, die uns von Feierabendbier, Abendessen und Nachtlager trennt. Dag schätzt, dass der Angst einflößende Sandhaufen ein Gefälle von etwa 45 Grad haben dürfte. Wir tasten uns langsam an die Kante heran und lassen uns in unserem Ü-Zwei-Tonnen-Schlitten in den Abhang fallen. Der Kahn beginnt ganz schön zu rutschen, ähnlich dem Skifahren im Tiefschnee. Weich, lautlos, spaßig, gefährlich. Wichtig ist, nicht stark zu lenken (das geschieht fast von selbst) oder zu bremsen, bereits vorhandene Spuren sollte man nutzen. An der Sohle angekommen, trete ich dann voll aufs Gas. Der Dreiliter-Kompressor-V6 packt mit 340 PS zu und befördert den Wagen in die Meeresbucht. Hallo, Punta de Asma. Zur Belohnung genießen wir direkt vor Ort gefangenen Fisch, den wir wie die Einheimischen ungekocht und ungebraten genießen, nur "gegart" in Zitronensaft.

An einem Tag von der Pazifikküste ins Bergdorf
Der nächste Morgen bricht an. Eine der peruanischen Köchinnen kommt zu mir, während ich mein Ein-Mann-Zelt einrolle. Sie sagt irgendwas auf spanisch, drückt mich und überreicht mir eine Visitenkarte. Ich glaube, ich darf wiederkommen. Wir verlassen das sandige Umweltschutzgebiet und erreichen über Paracas und Chincha Alta eine riesige Müllhalde. Es riecht nach verfaultem Abfall, kleine Reptilien jagen nach unzähligen Fliegen. Schnell weg hier: Die Anden rufen, und mit ihnen jede Menge extrem schmale, von Auswaschungen und dicken Steinbrocken übersäte Schotterpisten. Während uns der Discovery in den weiten Ebenen schon fast klein vorkam, machen uns die Länge von 4,97 Meter, vor allem aber die Breite von über zwei Meter hier ziemlich zu schaffen. Zum Glück gibt es auf der ersten Etappe nach Chavin kaum Gegenverkehr. Wir schrauben uns zügig auf eine Höhe von 3.200 Meter. So soll es die nächsten beiden Tage weitergehen, verspricht uns Dag. Am Abend, in dem Örtchen Chavin, kochen die Einheimischen für uns Ziege, Mais und Kartoffeln in einem Erdloch. Sogar die Bürgermeisterin ist gekommen. Nach dem Essen und ihren Worten "Schön, dass ihr hier seid, kommt bald wieder" gibt es Musik und Tanz.

Kindgerecht: Zuckerbrause und Offroad-Fahren
Am folgenden Tag geht es auf bis zu 4.800 Meter Höhe. Beim Tankstopp vor der Einfahrt ins Gebirge kauft sich mein Beifahrer eine in Peru sehr populäre Inca-Kola. Sein Fazit nach dem ersten Schluck: "Es sieht nicht nur so aus, es schmeckt auch wie Kaugummi mit einem Hauch von Alpaka-Urin." Mir schmeckt die Südamerika-Brause trotzdem. Was beim Aufstieg noch hilft? Unter anderem über 28 Zentimeter Bodenfreiheit und Achsverschränkungen von 50 Zentimeter. Dazu kommt, dass der Disco im Gelände so leicht zu bedienen ist, dass selbst ich zum Profi-Offroad-Fahrer werde, obwohl mir von der Höhenluft schummerig ist. Der Sauerstoffgehalt fällt hier so gering aus, dass schon wenige Schritte anstrengen.

Zehn Stunden für 225 Kilometer. Kann passieren ...
Ungeduscht wie alle Teilnehmer gehe ich zum letzten allmorgendlichen Briefing. Dort spricht Dag von einer Ankunftszeit in Huancayo um 13 Uhr. Aber wenn peruanische Großmütter es nicht auf Anhieb schaffen, bockige Kuhherden von der Straße zu treiben, können 225 Kilometer schon einmal knapp zehn Stunden in Anspruch nehmen. Außerdem ist es auf der einspurigen Hauptverkehrsader durchaus üblich, dass dir ein vollbesetzter Reisebus oder ein Lkw entgegenkommt. Dann hilft meist nur, den ganzen Land-Rover-Konvoi in überschaubaren Ausweichbuchten zu verstauen, deren Format nur mit Mühe für alle unsere Autos ausreicht. Aber es kommt noch dicker: Plötzlich hängt ein Truck rechts in einem Felsen und links teilweise über dem Abgrund. 45 Minuten später kommt der Lkw mit Gefahrgut-Container dank vieler Helfer, auch von unserer Truppe, wieder frei.

Verkehrsregeln? Gibt es hier nicht
Der darauffolgende Abstieg (auf vorrangig befestigter Straße) ist dann wie eine Art Befreiungsschlag. Freie Bahn. Wir können den Disco so richtig fliegen lassen. Damit wir uns nicht falsch verstehen: Die Experience rast nicht im Kolonialherren-Stil durch Peru. Im Gegenteil: Das Team hat im Vorfeld unter anderem eine Schule renoviert. Gegen 17 Uhr passieren wir die Stadtgrenze. Wir haben es geschafft. Denken wir zumindest, denn südamerikanischer Stadtverkehr kann für europäisch geprägte Autofahrer ziemlich nervenaufreibend sein. Regeln? Gibt es nicht. Wichtigstes Bauteil an jedem Fahrzeug? Die Hupe. Aber zum Glück sorgen die eingeschaltete LED-Lightbar auf dem Dach sowie die schiere Größe in den engen und hektischen Gassen der 400.000-Einwohner-Metropole für genügend Respekt und wir hupen uns erfolgreich in die Stadtmitte, zu unserem Ziel. Ein richtiges Hotel. Und endlich eine warme Dusche statt Baden im Meer oder in Flüssen.

Was nach vier Tagen hängen bleibt
Hier verlasse ich die illustre Truppe. Sie wird sich nun auf den Weg in Richtung Regenwald machen. Von Huancayo soll es über Satipo, Rio Ene, La Merced und Cusco weiter nach Machu Picchu gehen. Eine weitere Woche, 1.070 weitere Kilometer, völlig anderes Terrain und neue Aufgaben für Mensch und Maschine. Was hängengeblieben ist? Neben der atemberaubenden Landschaft Perus und enormer Gastfreundschaft die Geländequalitäten des Land Rover Discovery 5. Und wenn nicht gerade der überfüllte Fehlerspeicher per Laptop ausgelesen werden muss, lassen sich die meisten Reparaturen immer noch mit Kabelbindern oder Panzerband durchführen.
(ml)

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