zaehlpixel

Deutsche Ingenieure entwickeln einen Elektro-Senkrechtstarter Lilium Jet: Kommt das Flug-Taxi?

Gilching, 21. April 2017
Angeblich sollen Flugautos kurz vor der Serienreife stehen. Ein langer Traum aller Autofahrer könnte in Erfüllung gehen: alle Staus zu überfliegen. Doch ganz so einfach ist es leider doch nicht. Die schwebenden Autos sind enorm teuer, benötigen eine zusätzliche Fluglizenz und überdies rund 200 Meter Platz nach vorne, um starten zu können. Genau an diesem Knackpunkt setzt die Firma Lilium ein, die Absolventen der TU München im Jahr 2015 gegründet haben. Dort entwickelt man einen Senkrechtstarter mit Elektroantrieb.

Keine Startbahn notwendig
Der jetzt erstmals in der Luft erprobte Prototyp des "Lilium Jet" erinnert entfernt an das "Fliewatüüt" aus dem Kinderprogramm, ist aber a) kein Hubschrauber und b) sehr ernst gemeint. Noch handelt es sich um einen Zweisitzer, der die wichtigste Aufgabe bewältigt hat: Den Übergang vom vertikalen Start zum horizontalen Flug. Daher spricht man auch von VTOL (Vertical Take-Off and Landing). Angepeilt ist die Serienfertigung eines fünfsitzigen Jets, der per Smartphone jederzeit als Luft-Taxi angefordert werden kann oder auch Fluggemeinschaften ermöglicht. Zu Start und Landung ist nur eine kleine Fläche in oder auf einem Gebäude nötig.

Deutlich schneller als ein Auto
Mit bis zu 300 km/h würden dann Ziele fünfmal schneller als im Auto erreicht werden. Als Beispiel nennt Lilium die Distanz von Manhattan zum Flughafen JFK: 55 Minuten mit dem Auto, nur fünf Minuten mit dem Flug-Taxi. Wie funktioniert der Lilium Jet? Offiziell gilt er als Leichtflugzeug, welches von 36 elektrisch betriebenen Turbinen angetrieben wird. Jeweils drei davon verbergen sich in beweglichen Klappen an den Flügeln. 12 Turbinen sind für die kürzeren Flügel vorne zuständig, 24 für die längeren Flügel hinter der Passagierkabine. Beim Start zeigen die Klappen nach unten, es geht senkrecht nach oben. Dort angekommen, bewegen sich die Klappen in eine waagrechte Position und es geht im klassischen Flugzeug-Stil vorwärts.



Alles abgesichert
Rund 300 Kilometer weit soll der Lilium Jet kommen, was im urbanen Umfeld kein Problem darstellt. Der Stromverbrauch pro Kilometer soll sich auf dem Niveau eines Elektroautos bewegen. Mittels des Prinzip der "Ultra-Redundanz" will Lilium auf Nummer sicher gehen: Jedes Triebwerk ist sicher umhüllt, sodass der Ausfall benachbarter Einheiten keinen Domino-Effekt hat. Die Batterien des Jets sind so ausgelegt, dass stets eine Reserve da ist, um sicher landen zu können, falls Teile ausfallen. Zu guter Letzt soll ein eigens entwickeltes System verhindern, dass der Pilot waghalsige Manöver fliegt, welche über das Leistungsfähigkeit des Jets hinausgehen. Man darf also gespannt sein, ob wir bald durch die Luft befördert werden. Denn auch dort gibt es strenge Zulassungsvorschriften.
(rh)

Zur Bildergalerie (18 Bilder)

Gut informiert mit AutoNEWS: Hier geht es mit einem Klick zum kostenlosen Newsletter

blog comments powered by Disqus