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Lotus Exige Cup 380: Extrem ist noch untertrieben Mega-Exige noch leichter, schneller und downforciger

Hethel (England), 21. April 2017
Wir wissen nicht genau, was Lotus-Ingenieure nach der Arbeit in ihrer Stammkneipe so zu sich nehmen, aber das Zeug scheint zu wirken. Wie sonst würde man auf die Idee kommen, die völlig verrückte, brillant handelnde, viel zu schnelle und Rennstrecken-fertige Exige Sport 380 zu nehmen und sie in fast allen Bereichen nochmal deutlich verrückter zu machen? Nun, das überaus verspoilerte Ergebnis hört auf den Namen Exige Cup 380 und ist laut Lotus "das Schnellste auf dem Weg zur Strecke, um die Strecke herum und von der Strecke zurück".

200 Kilo Abtrieb
Klingt vielversprechend und hat vor allem mit zwei Dingen zu tun: Gewicht und Abtrieb. Sehen Sie sich die Karosserie doch nur mal an. Der Abtrieb konnte nochmals um 43 Prozent verbessert werden. Schuld daran sind ein neuer Motorsport-Diffusor, ein gewaltiger Frontsplitter sowie Ausschnitte über den Radhäusern, wie man sie vom Porsche 911 GT3 RS kennt. Bei der Höchstgeschwindigkeit von 282 km/h wird die Exige Cup 380 nun mit 200 Kilo in die Straße gepresst. Oder in die Rennstrecke. Vermutlich eher in die Rennstrecke. Doch auch wenn sie nicht wirklich danach aussieht, diese Exige hat tatsächlich eine Straßenzulassung.

Deutlich mehr Carbon
Mehr Downforce bedeutet auch mehr Spielraum für die Vorzüge des mechanischen Grips. Damit die Reifen auf der Höhe sind, spendiert Lotus breitere 285er-Pneus (statt 265er bei der Exige Sport 380) an der Hinterachse. Rundum kommen Michelin-Pilot-Sport-Cup-2-Semislicks zum Einsatz. Dem ohnehin lächerlich niedrigen Gewicht der "normalen" 380 geht Lotus mit einer ganzen Armada an Carbon an den Kragen. Die seitlichen Lufteinlässe, die Motorabdeckung, das Dach, der monumentale Heckflügel sowie gefühlte 95 Prozent des Interieurs sind nun aus Kohlefaser. Wenn Sie sich für alles entscheiden, was Lotus noch zusätzlich an Diät-Maßnahmen auf der Aufpreisliste führt (eine Titan-Abgasanlage oder den Entfall des Fahrerairbags beispielsweise), schlägt die Exige Cup 380 bei ziemlich anorexischen 1.057 Kilo Trockengewicht auf.

Traktionskontrolle wie im AMG GTR
Was den Antrieb betrifft, bleibt hingegen alles beim Alten. Das ist unbedingt zu begrüßen. Der messerscharf ansprechende 3,5-Liter-Kompressor-V6 bringt es wie bisher auf 380 PS und 410 Newtonmeter. Gekoppelt ist er an ein feines Sechsgang-Schaltgetriebe, das in einer noch viel feineren offenen Schaltkulisse sitzt. Im besten Fall ist der Spurt von 0-100 km/h bereits nach 3,6 Sekunden erledigt, eine Zehntel früher als bei der Exige Sport 380. Eher in Kurven interessant: Wie beim Mercedes-AMG GTR bietet Lotus in der Cup 380 ein kleines Rädchen neben dem Lenkrad an, mit dem man stufenweise einstellen kann, wie viel Schlupf man von der Traktionskontrolle denn gerne hätte. Einfach alles ausstellen und komplett auf die eigene Heroik am Lenkrad vertrauen, geht aber natürlich auch.

Ab 109.900 Euro
Wenn Sie sich jetzt spontan in derart viel Leichtbau, Abtrieb und Rennstreckengüte verliebt haben, dann sei Ihnen gesagt: Beeilen Sie sich lieber! Lotus wird von der Exige Cup 380 nämlich gerade mal 60 Exemplare fertigen. Wie viele davon nach Deutschland kommen, ist schwer zu sagen. Die unverbindliche Preisempfehlung liegt auf jeden Fall bei 109.900 Euro. Das sind nochmal 20.000 Euro mehr, als man für die Exige Sport 380 berappen muss. Aber wo kriegt man schon etwas annähernd Vergleichbares? Eventuell beim künftigen Porsche Cayman GT4 RS. Der dürfte nicht viel günstiger werden. Und vermutlich schneller vergriffen sein, als Sie Cup 380 sagen können.
(sw)

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