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Bis 2022 mehr als zehn reine Elektroautos, aber der Verbrenner wird bleiben Mercedes-Antriebe: Mehrgleisig in die Zukunft

Stuttgart, 9. Oktober 2017
Derzeit geht es in den Vorstandsetagen der großen Automobilkonzerne zu wie einem Wettbüro: Welche Antriebe werden sich in der näheren Zukunft durchsetzen? Welche äußeren Einflüsse zwingen zu neuen Motorenideen? Ist das Elektroauto der Heilsbringer? Jetzt verrät Daimler-Entwicklungsvorstand Ola Källenius, wie sich Mercedes samt seiner Schwestermarken für die nächsten Jahre rüstet.

Der Verbrenner lebt noch lange
Dabei setzt der Daimler-Konzern auf eine mehrgleisige Antriebsstrategie. Aus gutem Grund, denn Källenius bleibt realistisch: "Ich bin ganz sicher, dass es bei den Verbrennern noch lange weiter geht. Wir sehen im Jahr 2025 einen Absatzanteil von bis zu 25 Prozent bei rein batterieelektrischen Autos. Das heißt automatisch, dass mindestens 75 Prozent weiterhin einen Verbrennungsmotor an Bord haben werden, der dann natürlich zunehmend elektrisiert ist."

Offensive bei Elektroautos
Blicken wir auf das erste Mercedes-Gleis: den Elektroantrieb. Bis 2022 möchte man laut Källenius mehr als zehn reine Stromer auf den Markt bringen. Auch deshalb wird im sächsischen Kamenz für 500 Millionen Euro eine zweite Batteriefabrik errichtet. Schon jetzt gibt es den Smart Electric Drive, ab 2020 wird Smart in Europa und den USA nur noch Elektroautos anbieten. Einen Blick auf diese Zukunft gab man auf der Frankfurter IAA im September 2017 mit der autonom fahrenden Studie Vision EQ Fortwo.

2019 kommt der EQC auf den Markt
2018 zeigt Mercedes die Serienversion des EQC, ein Elektro-SUV mit formalen Anleihen beim GLC: Im ersten Halbjahr 2019 soll der in Bremen gebaute EQC zu den Händlern kommen. Auch die kommende A-Klasse bekommt einen Stromableger, hier gab es mit dem Concept EQA einen Vorgeschmack auf der IAA 2017. Mit je einem E-Motor pro Achse betrug die Systemleistung hier über 200 Kilowatt, also über 270 PS. Ab 2018 wird zudem das stärkere Gleichstromladen auf Basis des CCS-Standards in den Mercedes-Elektroautos möglich sein. Daimler will außerdem gemeinsam mit BMW, Ford und dem Volkswagen-Konzern ab 2017 ein ultraschnelles Ladenetz mit bis zu 350 Kilowatt Ladeleistung an den wichtigen Verkehrsachsen in Europa aufbauen, geplant sind rund 400 Standorte.

Mix aus Wasserstoff und reinem Strom
Parallel dazu feiert die Brennstoffzelle bei Mercedes ihr Comeback. Das Besondere: In den Vorserienfahrzeugen des GLC F-Cell kommt eine Lithium-Ionen-Batterie als zusätzliche Energiequelle zum Einsatz. Sie kann extern geladen werden und dient offenbar als "Range Extender" bis zur nächsten Wasserstofftankstelle. Die Leistung des GLC F-Cell: 147 Kilowatt gleich 200 PS.

Saubere Laster
Auch vor dem Nutzfahrzeugbereich macht der Elektroantrieb nicht halt. Neben Lastwagen in verschiedenen Größen, darunter der Fuso eCanter, sind rein elektrisch betriebene Versionen von Vito und Sprinter in Arbeit. Letztere will das Logistikunternehmen Hermes einsetzen.

Immer mehr Teilzeit-Stromer
Kommen wir zum zweiten Gleis, dem Plug-in-Hybrid. Diese Lösung ist gemeint, wenn Ola Källenius davon spricht, dass das gesamte Mercedes-Portfolio elektrifiziert werden soll. Schon gibt es in vielen Baureihen ab der C-Klasse aufwärts einen Plug-in-Hybrid im Programm. Im Bereich der Stadtbusse bietet man für den Citaro eine Hybridoption an, die mit Diesel oder Gas kombiniert werden kann. Der Verbrauch soll damit um bis zu 8,5 Prozent sinken.

So sparsam wird der Ottomotor
Auf dem dritten Gleis befinde sich schließlich die klassischen Verbrennungsmotoren. Und zwar auch der Diesel, von dem Källenius sagt: "Wir brauchen ihn weiterhin." Daher entwickelt Mercedes neue Selbstzünder mit vier und sechs Zylindern, etwa für den E 220 d und den S 350 d. Für die Zukunft der Benziner plant man einen Starter-Generator (EQ Boost genannt) und für die Sechszylinder ein 48-Volt-Bordnetz sowie einen elektrischen Zusatzverdichter. Ottomotoren werden also quasi "teilverstromt", um zu boosten (kurzfristig zusätzliche 250 Newtonmeter per Starter-Generator), mit ausgeschaltetem Motor zu segeln und noch effektiver zu rekuperieren. So sollen vor allem die CO2-Emissionen des Motors deutlich reduziert werden. Beim Mercedes S 450 und S 500 kommen entsprechende Sechszylinder schon zum Einsatz, demnächst folgt eine neue Generation von Vierzylinder-Aggregaten mit dem internen Code M 264.
(rh)

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