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Unterwegs in drei Mini-Generationen Kurvenräubern im Winterwunderland

Haar, 8. Februar 2013
Wenn das mal kein gutes Omen ist: Pünktlich zur Abfahrt reißt ein kleines Loch in die Wolkendecke, um die Berggipfel wird es heller. Wir sind im österreichischen Kitzbühel beim Mini-Generationentreff. Vor mir stehen ein Classic Mini aus dem Jahr 1997, ein 2003er Mini Cooper und ein Mini Cooper S, Baujahr 2012. Die drei Kameraden sollen mich über kleine Berg- und Landstraßen zurück nach München bringen. Also: "Denn man to", wie man in meiner Heimat Ostfriesland zu sagen pflegt; auf geht's!

Nur kurzes Akklimatisieren
Auf der ersten Etappe nach Sudelfeld entscheide ich mich für das am unspektakulärsten wirkende Fahrzeug. Ich steige in den 2003er Cooper mit 115 PS und muss mich erst einmal akklimatisieren – das Interieur des Briten ist schon ungewöhnlich. So finde ich beispielsweise die Spiegelverstellung und die Fensterheber in der Mittelkonsole statt wie sonst gewohnt in den Türen. Doch nach den ersten Metern die Passstraße hinunter wandelt sich Vorfreude in Freude und bereits nach kurzer Zeit fühlt sich mein Auto wie ein langjähriger Begleiter an. Wir fahren durch kleine, verschneite Dörfer und Ortschaften. Die Devise lautet, bei der Route komplett auf Autobahnen und wann immer möglich auf größere Landstraßen zu verzichten. Als es kurz vor dem ersten Fahrzeugwechsel noch einmal steil bergauf geht, verstehe ich, was Leistung am Berg bedeutet. Jenseits von 3.000 Touren, mit viel Schaltarbeit und weinendem Motor quält sich mein treuer Gefährte die Serpentinen hoch. Wie sich das wohl im Classic Mini anfühlen mag?

Rolls-Royce-Feeling im Mini
Nach einer kurzen Pause auf einem idyllisch zugeschneiten Parkplatz in über 1.000 Meter Höhe geht es an die zweite Etappe. Ich klettere in den aktuellen Cooper S und staune: Es handelt sich um einen "Cooper S inspired by Goodwood", der in einer auf 1.000 Exemplare limitierten Sonderversion als Hommage an Rolls-Royce gebaut wurde. Helles Leder in rauen Mengen und Holzzierleisten von gefühlt einem ganzen Baum erklären, warum Kunden mindestens 46.900 Euro für den mittlerweile ausverkauften Nobel-Flitzer ausgegeben haben. Nachdem mich der 184 PS starke Vierzylinder beim Zünden mit einem Aufheulen begrüßt, stelle ich den Automatikhebel auf D, wobei mir die Taste für den Sportmodus ins Auge sticht. Ich kann nicht widerstehen und drücke aufs Knöpfchen. Mit direkter Lenkung und einem charmanten Auspuffblubbern beim Gaswegnehmen mache ich mich auf in Richtung Lenggries, dem nächsten Etappenziel.

Sportlich durchs Winterwunderland
Es geht durch verschneite Landschaften und kleine Dörfchen. Entlang der deutsch-österreichischen Grenze bleibe ich auf der Suche nach empfangbaren Radiosendern bei klassischer Musik hängen. Und während aus den Lautsprechern zarte Melodien schallen, räubere ich durch steile Kehren und bergige Schikanen. Knackig fühlt er sich an, der kleine Nobel-Sportler, und durch die direkte Lenkung habe ich nie das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren. Lediglich wenn man am Kurvenende das Gaspedal durchtritt und die Automatik nach einer kleinen Gedenksekunde zurückschaltet, merkt man, dass der Mini ein Fronttriebler ist und über die Vorderachse schiebt. Der Weg führt an Tegernsee und Schliersee vorbei und ehe ich mich versehe, sitze ich in Lenggries in einem Gasthof und es gilt, Kraft für die letzte Etappe im Ur-Mini zu tanken.

Liebe auf den ersten Blick
Dann steht er da, dunkelrot und einfach herzerwärmend: Ein Classic Mini von 1997. Die Ur-Version des Kult-Kleinstwagens wurde nahezu unverändert von 1959 bis 2000 gebaut. Kaum länger als drei Meter, Zwölf-Zoll-Felgen und rund 800 Kilogramm leicht. Ich kann nicht anders, ich muss ihn anlächeln. Ein bisschen Respekt habe ich schon, immerhin gibt es weder Servolenkung noch ABS oder andere technische Helferlein – und das bei nassen Straßen und Schnee. Was solls: "No risk, no fun!" denke ich mir und steige ein. Nachdem ich die ersten Meter sehr vorsichtig zurücklege und nicht aufhören kann zu Grinsen, finde ich mich auch im Vier-Gänge-Salat des Getriebes zurecht und es geht auf in Richtung München. Die 63 PS bringen den Mini zügiger voran, als ich zunächst angenommen habe. Auch wenn dafür normalerweise fünf Euro fürs Phrasenschwein fällig werden: er bietet richtiges Go-Kart-Feeling. Die Überhänge könnten kaum kleiner sein, das Lenkrad steht in flachem Winkel fast wie in einem Reisebus vor mir und durch die kaum vorhandene Federung bekomme ich extrem viel Rückmeldung. Die nur theoretisch vorhandene Schallisolierung macht Gespräche quasi unmöglich, sobald der 1,3-Liter-Einspritzer über 3.000 Touren dreht.

Wie ein bunter Hund
Nach mehr als fünf Stunden Fahrt – mittlerweile spüre ich Arme und Rücken deutlich – biege ich in den Münchner Nobelvorort Grünwald ein. Selbst hier, wo Porsche, Bentley und Ferrari zum Straßenbild gehören, fällt man mit dem Classic Mini auf wie ein bunter Hund. Die Kinder am Straßenrand zeigen mit dem Finger auf mich, mir wird gewunken und mein Gefährt zaubert den Passanten ungewollt ein Lächeln ins Gesicht.

Abschied nehmen
Als kurz darauf unsere Tour ein Ende nimmt und ich den Mini wieder abgeben muss, bin ich traurig. Auch wenn die beiden anderen Kleinen ebenfalls eine Menge Freude machten, steht mein Liebling fest. Zum Abschluss streiche ich dem Classic Mini nochmal über das Dach und denke mir "Holl di munte, es war schön mit dir!"
(ts)

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