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Das Interieur der neuen Mercedes A-Klasse Große Displays, mehr Kofferraum, edle „Lichtwelten“ und mehr

Stuttgart, 23. November 2017
Elchtest, Tamagotchi, Reformstau und Klonschaf: Vor 20 Jahren waren das Begriffe, die viel über die Zeit aussagten. Wort des Jahres 1997 wurde "Reformstau", der missglückte Elchtest, bei dem die erste Mercedes A-Klasse umkippte, landete aber immerhin auf Platz fünf. Umwerfen konnte der Elchtest die A-Klasse letztlich aber nicht. Im Gegenteil, der kleine Benz verkaufte sich gut und wurde zum Jungbrunnen für die bis dahin eher von Senioren geliebte Marke. Nun steht die vierte Generation der A-Klasse an. Wir konnten schon mal drin Platz nehmen und uns ein erstes Urteil bilden.

Riesige Displays
Schon die aktuelle A-Klasse sah (und sieht) innen edel aus. Sie war das erste Auto, in der das Mitteldisplay wie ein Tablet oben aufs Armaturenbrett gepflanzt wurde. Bei den Instrumenten haben aber der VW Golf und der Audi A3 in dieser Klasse die Nase vorn – mit dem Active Info Display (alias Virtual Cockpit), das die traditionelle Ziffern-Zeiger-Kombination ersetzt. Nun zieht Mercedes gleich. Und die Stuttgarter setzen noch eins drauf: Instrumenten- und Infotainmentdisplay verschmelzen unter einem gemeinsamen Deckglas zu einer Fläche -- wie bei E- und S-Klasse. Und das sogar serienmäßig. Das heißt: Anders als bei Golf und A3 gibt es überhaupt keine traditionellen Instrumente mehr, nicht mal in der Basisversion. Wir finden das gut. Traditioneller denkende Kunden müssen sich dran gewöhnen oder sich ein anderes Modell suchen.

Der Burggraben leuchtet
Die Topversion der A-Klasse bekommt zwei 10,25-Zoll-Displays, bei der Basisausstattung sind es zwei 7,0-Zoll-Displays und die dritte Version kombiniert einen kleinen und einen großen Monitor. Die Bildschirme stehen auf dem Armaturenbrett, oder genauer gesagt: Sie schweben. Um das hervorzuheben, gibt es eine "Burggraben-Beleuchtung": Das Ambientelicht scheint von unten herauf durch den Spalt (den "Graben") zwischen Displays und Armaturenbrett. Auf eine Hutze über den Instrumenten wurde erstmals verzichtet. Das Ganze heißt bei Mercedes Widescreen-Cockpit und sieht gut aus. Negativ fielen uns allerdings die Lenkstockhebel auf – die Materialqualität passt nicht zum ansonsten sehr edlen Interieur.

Zweifarbiges Ambientelicht
Ungewöhnlich raffiniert ist dagegen das Ambientelicht. Es teilt sich in direktes und diffuses Licht auf. Dabei lassen sich auch zwei Farben kombinieren, zum Beispiel harte, blaue Linien am Armaturenbrett und weiches, orangebraunes Licht für den Beinraum. Außerdem wird die Zahl der Farben von 12 auf 64 gesteigert, die sich zu zehn "Farbwelten" zusammensetzen lassen.

Beleuchtete Düsen und S-Klasse-Lenkrad
Auch die Luftdüsen werden zeitweise beleuchtet. Die nach wie vor in Turbinenoptik gehaltenen Ausströmer leuchten vorübergehend rot auf, wenn man die Heizung hochdreht, und blau, wenn man den Innenraum kühlt. Schön auch, wie die Alu-Ringe um die Düsen einrasten, wenn man sie dreht. Das serienmäßige Multifunktionslenkrad mit Daumen-Touchpads stammt aus der S-Klasse. In der Mittelkonsole gibt es ein nobles Rollo, das die so genannte "Spontanablage" (für Handy, Hausschlüssel oder Geldbeutel) abdeckt. Außerdem wartet hier eine mit Leder bezogene Handballenablage auf Benutzung, intern "Handschmeichler" genannt. Außerdem findet sich ein Touchpad, unter dem allerdings kein Drehrad steckt wie bei E- und S-Klasse.

Sitze mit Massagefunktion und Lüftung
Auch bei den Sitzen schwappt aus den höheren Klassen Fortschritt herüber. Vorne gibt es optional erstmals eine Massagefunktion sowie eine Sitzbelüftung – und das in der Kompaktklasse. Zudem werden erstmals auch in der A-Klasse Zierteile mit Holzfurnier angeboten. Daneben stehen Carbonleisten, gebürstetes Aluminium und mehr zur Wahl. Bei der Außenlackierung startet Mercedes mit zahlreichen "Nicht-Farben" wie Weiß, Silber und Schwarz, aber nur zwei auffälligeren Tönen (Rot und Gelb). Blau wird noch nachgeschoben, Grün ist nicht geplant – obwohl uns gerade diese Farbe kürzlich von zwei Designerinnen als trendig empfohlen wurde.

Außenspiegel näher am Fahrer
Oft kritisiert wurde die Rundumsicht der aktuellen A-Klasse. Laut Mercedes hat sie sich bei der neuen Generation "um zehn Prozent" verbessert. Überprüfen ließ sich das an unserem Exponat noch nicht. Jedenfalls rücken die Außenspiegel nun auf die Türen, was die Übersicht nach hinten verbessert. Die C-Säulen sind jedoch immer noch ziemlich dick und die Heckscheibe könnte höher sein. Sitzen hinten Erwachsene, ist mit dem Blick in den Innenspiegel sowieso nicht mehr viel zu gewinnen. Immerhin haben Mittelgroße im Fond genug Platz, es mangelt weder an Bein- noch an Kopfraum. Und optional kann man sogar die Neigung der Rücklehne verstellen.

Kofferraum: Größer und besser zu beladen
Verbessert hat sich auch der Kofferraumausschnitt: Die Rückleuchten sind nun geteilt, wobei eine Partie auf der Klappe landet. So verengt sich der Ausschnitt unten nicht mehr wie bisher. Eine störende Schwelle am Kofferraumausgang bleibt jedoch. Beim Umklappen der (optional zweifach geteilten) Rücksitzlehnen dürfte sich ein fast ebener Ladeboden ergeben. Auch das Kofferraumvolumen erhöht sich, und zwar von 341 bis 1.157 auf 370 bis 1.210 Liter. Damit liegt die A-Klasse nun auf Konkurrenzniveau: In den A3 Sportback passen 380 bis 1.220 Liter, in einen BMW 1er 360 bis 1.200 Liter.

Drei neue Derivate in Sicht
Die neue A-Klasse wird Anfang 2018 eingeführt, gefolgt von den Derivaten, also CLA, CLA Shooting Brake, GLA und B-Klasse. Auch drei neue Karosserievarianten sollen hinzukommen. Mit dem Concept A Sedan gab Mercedes schon einen Ausblick auf eine Stufenhecklimousine, der Concept EQA war ein Hinweis auf eine sportliche Elektroversion. Die dritte Neuling dürfte ein GLB sein, also ein SUV oder Coupé-SUV zwischen GLA und GLC.
(sl)

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