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Erstes SUV der Marke ist auch der erste Rolls mit Heckklappe Das ist der Rolls-Royce Cullinan

Goodwood (England), 10. Mai 2018
Ohne SUV geht es auch bei Luxusmarken nicht mehr. Lamborghini hat den Urus, Bentley den Bentayga und auch Ferrari plant den Einstieg ins Segment. Rolls-Royce stellt nun seinen Cullinan vor. Man könnte sagen, er ist der erste Rolls, mit dem man auch ins Gelände fahren kann, doch das stimmt nicht ganz.

Mehr wert als Rubine
Denn bereits Lawrence von Arabien nutzte im ersten Weltkrieg mehrere Rolls-Royce, teils als reine Lastesel, teils als gepanzerte Vier-Tonnen-Ungetüme. Lawrence war zufrieden und urteilte: "Ein Rolls in der Wüste ist mehr wert als Rubine". Doch im Grunde ist der Cullinan nicht dem legendären Wüstenkrieger zu verdanken, sondern schlicht den Kunden. Die wollen offenbar auf ihrem Landgut herumfahren und dann ohne umzusteigen weiter zu ihrem Stadthaus düsen. Und dazu brauchen sie was? Richtig, den Cullinan.

Auf der gleichen Basis wie der Phantom
Der Name Cullinan leitet sich von der Bezeichnung für den größten, jemals gefundenen Diamanten ab. Er wog etwa 600 Gramm. Der Cullinan von Rolls-Royce ist mit 2,7 Tonnen etwas schwerer, obwohl die stark aluminiumhaltige "Architecture of Luxury" die Basis abgibt – wie beim neuen Phantom. Der Hersteller betont, dass es sich um eine eigenständige Rolls-Royce-Plattform handelt. Soll heißen: Die Basis stammt nicht etwa von so profanen Autos wie dem BMW 7er oder dem X7. Jedenfalls lässt sich die Plattform gut skalieren: Der Cullinan ist mit 5,34 Meter gleich 42 Zentimeter kürzer als das 5,76-Meter-Schiff Phantom, aber mit 1,84 Meter etwa 20 Zentimeter höher.

Bekannter V12, erstmals mit Allradantrieb
Zum ersten Mal geht Rolls-Royce vom Hinterradantrieb ab und spendiert dem Cullinan ein (nicht näher spezifiziertes) Allradsystem. Wie beim Phantom wird ein 6,75-Liter-Twinturbo-V12 mit 571 PS und eine Achtgang-Automatik von ZF eingesetzt. Hier entwickelt der V12 jedoch 850 Newtonmeter Drehmoment, etwas weniger als im Phantom. Der Normverbrauch wird mit 15 Liter je 100 Kilometer angegeben, einen Sprintwert nennt Rolls-Royce nicht. Wichtiger ist das Thema Komfort. Die Luftfederung arbeitet mit größeren Luftkammern als beim Phantom und verfügt über adaptive Dämpfer. Ein Stereokamera-System scannt die vorausliegende Strecke und bereitet das Fahrwerk darauf vor – das funktioniert bis 100 km/h. Hinzu kommt eine Allradlenkung, die den Wagen wendiger machen dürfte.

Kastenartige Grundform
Die Grundform des Cullinan ist kastenartig. Der Grill hat die markentypische Tempel-Form, der Spirit of Ecstasy steht jedoch nicht auf dem Grill, sondern etwas weiter hinten auf der Haube. Die Scheinwerfer wirken ähnlich wie beim Phantom, ihr Laser-Licht soll über 600 Meter weit strahlen. Seitlich betont ein silberner Rahmen um die Fenster das Eckige, auch die großen Glasflächen fallen auf. Die Türen öffnen wie beim Phantom gegenläufig und schließen auf Knopfdruck. Zum Einsteigen senkt sich der auf 22-Zöllern rollende Cullinan um vier Zentimeter ab.

Erstmals ein Touchscreen
Im Cockpit sieht der Fahrer auf ein Instrumentendisplay, das seine Inhalte in realen (nicht bloß angezeigten) Chromringen anbietet. Das Mitteldisplay ist zum ersten Mal bei Rolls-Royce als Touchscreen ausgeführt. Alternativ gibt es zur Bedienung noch einen "Dreh-Drück-Steller" in der Mittelkonsole. Daneben befindet sich ein Offroad-Knopf. Nachdem man diesen betätigt hat, kann man den Untergrund wählen, zum Beispiel Piste, Kies, nasses Gras, Schlamm, Schnee oder Sand. Den Fahrkomfort erhöhen ein beheizbares Lenkrad sowie Sitze mit Heizung und Ventilation. Aber auch die Armlehnen in den Türen vorn und hinten, die mittlere Armlehne vorne und hinten sowie der untere Teil der C-Säule sind beheizbar.

Insassen und Gepäck streng getrennt
Für den Fond kann man zwei Einzelsitze wählen. Diese Version bietet eine Mittelkonsole mit Barschrank, der Whisky-Gläser, Sektkelche und eine Kühlbox enthält. Die dreisitzige Fondbank betont eher die Familienfreundlichkeit. Bei beiden Versionen separiert eine durchgehende Trennwand die Insassen von ihrem Gepäck – eine Premiere im SUV-Segment. Die Trennung soll akustische Vorteile bieten und den Innenraum auch dann klimatisiert halten, wenn die Heckklappe geöffnet wird. Der Kofferraum bietet ein Volumen von 600 bis 1.930 Liter.

Der erste Rolls mit Heckklappe
Apropos Heckklappe: Die ist bei der Stufenheckmarke Rolls-Royce ein bisher völlig unbekanntes Feature. Auf Knopfdruck öffnet sie sich zweiteilig – ähnlich wie beim BMW X5. Für den Kofferraum kann man diverse "Freizeitmodule" ordern, zum Beispiel für Hobbys wie Drohnen, Fliegenfischen, Fotografie, Klettern, Snowboarden, Parasailing, Kitesurfen oder Base-Jumping. Jedes Modul enthält eine elektrisch ausfahrbare Schublade für die Ausrüstung. Mit der "Cullinan Viewing Suite" kann man zwei lederbezogene Sitze an der Hecköffnung ausfahren lassen. So soll man zum Beispiel Reitveranstaltungen besser verfolgen können. Diese Art von Zeitvertreib dürfte die Zielgruppe eher interessieren als der Preis. Dennoch sei er erwähnt: 315.350 Euro.
(sl)

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