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Wie kommen Suzuki-Fahrzeuge nach Deutschland? Landungs-Unternehmen

Kelheim, 13. Oktober 2016
Wenn Sie ein neues Auto kaufen: Wo kommt es eigentlich her? Nun gut, aus Werken in Wolfsburg, München, Ingolstadt oder Köln. Gerade bei deutschen Herstellern ist eine Abholung vor Ort kein Problem. Doch wie sieht es aus, wenn die Produktion in anderen europäischen Ländern oder gar in Übersee stattfindet? Dann erfolgt meist ein Transport mit Zug oder Schiff. Wir haben uns einmal am Beispiel von Suzuki persönlich angesehen, was nach der Ankunft in Deutschland mit einem Neuwagen passiert.

Von Japan nach Deutschland
Verantwortlich hierfür ist das Unternehmen BLG. Die meisten von uns dürften noch nie etwas von der BLG gehört haben, obwohl die Logistikfirma die meisten Neuwagen aus Korea oder Japan schon einmal in den Fingern hatte. Doch der Reihe nach: Im Jahr 1877 schließen sich 65 Bremer Kaufleute zusammen und gründen die "Bremer Lagerhaus-Gesellschaft", kurz BLG, um ihre Aktivitäten im Hafen zentral zu organisieren. Fast ein Jahrhundert später baut die BLG das Autoterminal in Bremerhaven, einem der größten Containerhäfen der Welt. Der Grund: Ende der 1970er-Jahre starten die japanischen Autobauer ihre Exportoffensive. In Bremerhaven landen bis heute die ganz großen Schiffe mit mehreren tausend Fahrzeugen im Bauch an. Doch auch die Binnenschifffahrt ist von Bedeutung. Hier setzt die BLG unter anderem auf die Donau: Seit 21 Jahren existiert im bayerischen Kelheim ein Inlandsterminal. Angeliefert werden die Fahrzeuge aus den süddeutschen Autowerken per Lastwagen, per Bahn aus Tschechien und der Slowakei und per Binnenschiff aus Ungarn.

Suzuki-Tetris auf mehreren Etagen
Nun kommt Suzuki ins Spiel: Im ungarischen Esztergom fertigen die Japaner den Swift, den SX4 S-Cross und den Vitara. Seit 18 Jahren sind zwei Binnenschiffe auf der Donau nur für Suzuki unterwegs. Eines davon, die MS Heilbronn, ist gerade angekommen. Gelegenheit für mich, gemeinsam mit Görgen Brockbalz, dem technischen Leiter der BLG in Kelheim, an Bord zu gehen. Auf drei Decks stehen die Vitara- und Swift-Modelle in mehreren Reihen extrem eng nebeneinander geparkt. Wie soll man dieses Tetris für Erwachsene denn vom Schiff bekommen? Ganz einfach: Es wird in der Reihenfolge entladen, wie beladen wurde. Und natürlich machen die Fahrer seit Jahren nichts anderes. Mein Respekt vor ihnen steigt stark an, als ich einen Vitara vom Schiff fahren darf. Obwohl der Wagen recht frei steht, ist ein Blick nach allen Seiten ratsam. Rund 1.100 Fahrzeuge werden pro Tag in Kelheim umgeschlagen. Vom Werkszustand werden die Autos in den Auslieferungszustand versetzt. Was das konkret bedeutet, lerne ich auf einem Rundgang kennen.

Einmal Komplettbehandlung, bitte!
Das Gelände der BLG in Kelheim beeindruckt besonders aus der Vogelperspektive: Auf insgesamt 507.000 Quadratmetern gibt es Stellflächen für bis zu 26.000 Autos, 7.800 Parkplätze sind überdacht. Zwei Gleisanschlüsse gibt es ebenso wie zwei Technikzentren und eine Lackierhalle. Letztere kommt unter anderem bei Leasingrückläufern zum Tragen. Doch zurück zu "meinem" Suzuki Vitara: Er bekommt zuerst eine Hohlraumversiegelung und einen Unterbodenschutz verpasst. Auf mehreren Hebebühnen werden pro Tag 100 bis 120 Fahrzeuge derart besprüht. Danach werden die Schutzfolien des Transports entfernt und die Autos gewaschen. Für Ankömmlinge per Zug gibt es eine spezielle Wäsche, die Flugrost entfernt. Nach dem Trocknen und einer Kontrolle der Lackierung geht es für unseren Vitara aufs Fließband. Dort bekommen er und seine Kollegen den letzten Feinschliff: Die Batterie wird gecheckt, ebenso die SD-Karte des Navis. Ins Handschuhfach kommt die Bordmappe mit Anleitung und Wartungsheft, unter die Motorhaube ein Aufkleber fürs Öl. Falls es sich um ein Suzuki-Sondermodell handelt, werden die passenden Aufkleber auf dem Auto platziert.

Eine logistische Meisterleistung
Fertig, der Vitara wird nun bis zur Abholung durch den Lkw, der ihn zum Händler bringt, geparkt. Diese Aufgabe übernehmen übrigens fast ausschließlich Frauen. Soviel zum Thema, wer besser einparkt. Ein Zettel mit Barcode zeigt sowohl den Damen, wo sie den Wagen abstellen müssen, als auch dem Lkw-Fahrer, wo er ihn findet. Vor dem Parken wird der Luftdruck in den Reifen erhöht, um einem "Standplatten" vorzubeugen. Erstaunlich ist der Fakt, den mir Görgen Brockbalz bezüglich der Verladung auf die Lastwagen nennt: Nur rund eine Stunde würde ein Trucker für die acht Fahrzeuge brauchen. Jeder Lkw-Fahrer muss übrigens Knöpfe und Uhren an seiner Kleidung abdecken, um etwaige Beschädigungen an den Autos zu vermeiden. Ob er seinen Brummi clever beladen hat, zeigt final die Höhenmessanlage: Sie schlägt oberhalb von 4,10 Meter Alarm. 195.000 Fahrzeuge werden jährlich am Standort in Kelheim umgeschlagen. Dahinter steckt eine Menge Logistik. Falls Sie also demnächst einen Suzuki beim Händler entgegennehmen: Danken Sie den Männern vom Schiff, dass kein Kratzer dran ist.
(rh)

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