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EPA beschuldigt Fiat-Chrysler-Konzern und lässt VW-Manager festnehmen Folgt auf die VW-Affäre nun die Fiat-Chrysler-Affäre?

Detroit (USA), 13. Januar 2017
Die finanziellen Folgen der Diesel-Schummeleien für Volkswagen in den USA klären sich allmählich. Doch könnte sich nun eine ähnliche Affäre beim Fiat-Chrysler-Konzern anbahnen: Die US-amerikanische Umweltbehörde EPA beschuldigt FCA (Fiat Chrysler Automobiles), ebenfalls eine illegale Software verwendet zu haben, die zu erhöhten NOx-Emissionen bestimmter Dieselfahrzeuge führe.

Über 100.000 Fahrzeuge betroffen
Laut einer Pressemitteilung stellte die Behörde am gestrigen Donnerstag (12. Januar) eine Verletzung des Clean Air Act fest. Dieses Luftreinhaltungsgesetz verpflichtet die Autohersteller dazu, der Umweltbehörde nachzuweisen, dass die angebotenen Fahrzeuge die gesetzlichen Emissionsgrenzwerte einhalten. Insbesondere müssen die Hersteller die Existenz von so genannten zusätzlichen Abgasreinigungseinrichtungen ("auxiliary emission control devices") offenlegen. Dies sei beim Jeep Grand Cherokee und beim Dodge Ram 1500 der Modelljahre 2014 bis 2016 nicht geschehen. Die Software sei bei den 3,0-Liter-Dieselmotoren eingesetzt worden. Laut EPA sind etwa 104.000 Fahrzeuge in den USA betroffen. Die EPA untersucht auch, ob diese technischen Vorrichtungen eventuell Abschalteinrichtungen (defeat devices) darstellen, die in den USA vollständig verboten sind.

"Erneut großen Hersteller erwischt"
"Erneut hat ein großer Autohersteller die Geschäftsentscheidung getroffen, die Regeln zu umgehen und wurde erwischt", sagte Mary Nichols, die Chefin der kalifornischen Umweltbehörde CARB. "Mit fortschreitender Entwicklung des Volkswagen-Falls haben sich CARB und die EPA zu erweiterten Test verpflichtet, und dies ist ein Resultat dieser Zusammenarbeit." Für das interessierte Publikum könnte das bedeuten: Fortsetzung folgt.

Strafrechtliche Aufarbeitung in den USA beginnt
Auch erste strafrechtlichen Konsequenzen der VW-Dieselaffäre beginnen sich jetzt abzuzeichnen. Der ehemalige Verantwortliche für die Zusammenarbeit von VW mit den US-Behörden, Oliver Schmidt, wurde bereits am Samstag (7. Januar) auf dem Heimweg von einem Urlaub in Florida am Flughafen in Miami festgenommen. Ihm wird vorgeworfen, die US-Behörden bezüglich der Diesel-Abgasreinigung von VW-Fahrzeugen in die Irre geführt zu haben.

Ehrlich oder nicht ehrlich?
Als Messungen an der West Virginia University im Frühjahr 2014 ergaben, dass die NOx-Emissionen die Grenzwerte um das Vierzigfache überschritten, soll Schmidt nach einem FBI-Bericht an einen Kollegen geschrieben haben: "Zuerst muss entschieden werden, ob wir ehrlich sind. Wenn wir nicht ehrlich sind, bleibt alles, wie es ist." Das berichtete das Nachrichenportal Bloomberg.com in einem Online-Artikel vom 12. Januar. Schmidt droht in den USA nun schlimmstenfalls lebenslängliche Haft. Neben ihm werden fünf weitere VW-Manager beschuldigt, die sich allerdings in Deutschland befinden, darunter auch der ehemalige Motoren-Chefentwickler Heinz-Jakob Neußer.
(sl)

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