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Neue Audi-Trickserei mit Getriebesoftware, Aufsichtratschef Pötsch unter Verdacht Wieder Ärger um Audi und VW

Haar, 4. November 2016
Die Affaire um die zykluserkennende Schummelsoftware des VW-Konzerns ist nun über ein Jahr alt, aber noch ist kein Ende in Sicht. Nun kommen wieder neue Tricksereien ans Licht. Diesmal geht es nicht um die Stickoxidemissionen, sondern um Verbrauchs- und CO2-Werte, und zwar bei Audi. Betroffen sind nicht nur Diesel-, sondern auch Ottomotoren.

V6 mit bestimmter Automatik betroffen
Nach einem Bericht der "Bild am Sonntag" hat die kalifornische Umweltbehörde Carb bei einem Audi mit V6-Motor und einem bestimmten Automatikgetriebe eine Softwaretrickserei entdeckt: Wird das Lenkrad nach dem Start nicht gedreht, gingen die Ingenieure offenbar davon aus, dass sich das Auto auf einem Rollenprüfstand befindet, auf dem üblicherweise die Verbrauchsmessungen stattfinden. Dann wird eine Schaltstrategie aktiviert, die zu geringen Verbrauchs- und CO2-Emissionswerten führt. Wird das Steuer um mehr als 15 Grad gedreht, wird das normale Schaltprogramm aktiviert – mit höheren Emissionen.

"Zyklusoptimiertes Schaltprogramm"
Der Bild-Bericht wirft auch ein Licht darauf, wer für die neuen Tricksereien verantwortlich sein könnte: Der damalige Verantwortliche für die Antriebe, Axel Eiser, 2013 soll nach einem Fahrzeugtest gefragt haben: "Wann wird es das zyklusoptimierte Schaltprogramm geben?" Das legt nahe, dass Eiser die Schummelsoftware kannte. Besonders pikant ist, dass Eiser inzwischen zum Leiter der Aggregate-Entwickler im VW-Gesamtkonzern aufgestiegen ist. Auch in Europa sei der Trick verwendet worden – bei Diesel- und Benzinermodellen. Der Einsatz der Software sei aber im Mai 2016 gestoppt worden, heißt es in dem Bericht.

Ermittlungen gegen Pötsch
Auch das Management des VW-Konzerns hat wohl wieder ein wenig erholsames Wochenende hinter sich. Die Aktiengesellschaft gab am gestrigen Sonntag bekannt, dass die Staatsanwaltschaft Braunschweig Ermittlungen gegen Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch aufgenommen hat. Offenbar wird ihm vorgeworfen, dass er zu seiner Zeit als Finanzvorstand die Anleger zu spät über die Dieselaffaire informiert hat. Das wäre ein Verstoß gegen die strengen Vorschriften zu den Ad-hoc-Mitteilungspflichten von Aktiengesellschaften. Wenn sich der Verdacht bewahrheitet, könnte dies Zivilprozesse geschädigter Anleger nach sich ziehen. Ähnliche Ermittlungsverfahren laufen schon gegen Ex-Konzernchef Martin Winterkorn und VW-Markenchef Herbert Diess.

Leugnen in Europa, Entschuldigen in den USA
Schon Ende vergangener Woche hatte ein Bericht des Rechercheverbundes von Süddeutscher Zeitung, NDR und WDR für Aufregung gesorgt. Danach leugnet der VW-Konzern, in Europa beim Schadstoffausstoß manipuliert und die Vorschriften verletzt zu haben. Ähnliches hatte das Nachrichtenmagazin Focus schon im Juni 2016 berichtet. Die eingebaute Software stelle nach Ansicht von VW "keine unzulässige Abschalteinrichtung nach europäischem Recht" dar. Zudem sei nicht erwiesen, dass Stickoxide aus dem Auspuff von Dieselmodellen überhaupt gesundheitsschädlich seien. Verblüffend sind diese VW-Äußerungen gerade im Vergleich zum Verhalten von VW in den USA. Dort entschuldigte sich VW-Chef Müller im Januar 2015: "Wir wissen, dass wir unsere Kunden, die zuständigen staatlichen Stellen und die allgemeine Öffentlichkeit hier in den USA sehr enttäuscht haben. Ich bitte daher um Entschuldigung für das, was bei Volkswagen falsch gelaufen ist."
(sl)

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