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Vor 20 Jahren zeigte VW einen eigenen Supersportwagen Irre Ideen: Der VW W12 Nardo

Haar, 13. November 2017
In der Autoindustrie gibt es nicht wenige verpasste Chancen, was potenzielle Modelle angeht. Designer und Ingenieure dürfen sich an Konzeptfahrzeugen austoben. Mal sind die Studien reine Träumerei, mal sind sie ein Ausblick auf ein konkretes Fahrzeug. Und dann gibt es noch jene Ideen, bei denen nicht viel zur Serienfertigung gefehlt hätte. Zum Beispiel der VW W12 alias Nardo.

Ferdinands Sportwagen-Hammer
Der W12/Nardo ist ein typisches Kind der Ära von Ferdinand Piëch als Volkswagen-Chef (1993 bis 2002). Piëch lotet nicht nur das technisch Machbare aus, er will auch VW höher positionieren. Sichtbar wird das durch schmale Karosseriefugen und ansehnliche Cockpits bei den Neuauflagen von Golf und Passat. Auf der Tokyo Motor Show 1997 dann der Hammer in Gestalt des VW W12 Coupé: Eine 4,40 Meter lange, 1,92 Meter breite und 1,10 Meter flache Flunder mit Allradantrieb und dem namensgebenden W12-Aggregat in Mittelmotor-Anordnung. Reiner Zufall, dass unter der Ägide von Piëch als Chef von Audi bereits 1991 eine ähnlich große Studie namens "Avus quattro" mit Sechsliter-W12 entstand?

Weltrekord mit Wahnsinnstempo
Apropos W12: Jenes Triebwerk mixt konstruktive Merkmale eines V-Motors mit denen eines Reihenmotors. Aus 5,6 Liter Hubraum werden 420 PS geholt, das Design der W12-Studie von VW steuert Italdesign bei. Im Frühjahr 1998 folgt auf dem Genfer Autosalon noch eine Roadster-Studie des W12, die bis auf den Hinterradantrieb technisch mit dem Coupé identisch ist. Doch im gleichen Jahr wird Lamborghini von Audi übernommen, die beiden W12-Studien verschwinden vorerst in der Versenkung. Bis 2001: Wiederum in Tokio zeigt VW eine Weiterentwicklung, den W12 Nardo, benannt nach dem 12,6 Kilometer langen kreisförmigen Rundkurs in Italien. Genau dort geht der inzwischen auf 600 PS erstarkte W12 Nardo auf Rekordjagd. Das 1,2 Tonne schwere Fahrzeug soll nur 3,5 Sekunden auf Tempo 100 benötigen und bis zu 357 km/h schnell sein. In Nardo selbst stellt VW einen bis heute gültigen 24-Stunden-Weltrekord auf. Durchschnittsgeschwindigkeit: 323 km/h. Gesamtdistanz: 7.741 Kilometer.

Vom Nardo zum Bugatti
Doch mit diesem Erfolg endet die kurze Karriere des VW-Supersportwagens. Sein W12-Motor lebt aber ab 2001 im Audi A8 und dem VW Phaeton weiter, letzterer ist ein ähnlich ambitioniertes Piéch-Produkt. Auf sechs Liter Hubraum und 450 PS bringt es das Aggregat im Phaeton, im Bentley Continental GT sind es sogar 560 PS. Fraglich ist, wer einen nicht wirklich günstigen VW-Supersportler gekauft hätte. Hinzu kommt, dass Lamborghini ab 2001 den Murcielago mit hauseigenem V12 lanciert. Letztlich wurde wohl auch Piëch klar, dass das VW-Emblem nicht zu einem Rivalen für Ferrari und Co. passt. Stattdessen sattelt er noch einen drauf: Aus dem W12 wurde nach W18-Konzepten in diversen Bugatti-Studien der späten 1990er-Jahre ein W16, der unter dem legendären Namen ab 2005 den Veyron 16.4 befeuert.

Geistiger Erbe von Audi
Und es gab weitere Gründe gegen den VW Nardo: Motorsport mit Fahrzeugen dieser Klasse war die Domäne von Audi und Lamborghini. Audi brachte im Jahr 2006 den R8 heraus – ähnlich lang wie der Nardo und ebenfalls mit Mittelmotor. Doch einen Zwölfzylinder gab es nur in der Studie R8 V12 TDI Concept. Aber das ist eine andere Geschichte ...
(rh)

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