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Reichen dem Zwei-Tonnen-SUV die 354 PS? Der neue Audi SQ5 (2017) im ersten Test

München, 6. Juni 2017
Bereits 2016 wurde der Audi Q5 mit überarbeiteten Motoren, weniger Gewicht, unglaublich viel neuer Technik und einer neuen Optik auf die SUV-Kunden dieser Welt losgelassen. Jetzt, gut ein halbes Jahr später, schiebt Audi das Topmodell SQ5 mit all den positiven wie negativen Eigenschaften des normalen Q5 nach, steckt aber einen 3,0-Liter-V6-TFSI, 354 PS und 500 Newtonmeter Drehmoment unter die Haube. Was noch verändert wurde und ob der Hersteller dem sonst so komfortablen SUV ein wenig Sportlichkeit antrainieren konnte, klärt unser Test.

Tolle Optik mit einer peinlichen Schwachstelle
Optisch ist das mit sportlichen Topmodellen von bereits bekannten Fahrzeugen ja immer so eine Sache, wirkliche Überraschungen beim Design sind nicht mehr zu erwarten. Im Falle des SQ5 verpasst Audi dem SUV im Vergleich zum zivileren Bruder ein paar schärfere Schürzen, größere Lufteinlässe und einen Diffusor. In den Radkästen sitzen serienmäßig 20-Zöller (optional sind 21-Zoll-Felgen erhältlich) und die Scheinwerfer sowie die Rückleuchten arbeiten ohne Aufpreis mit LED-Technik. Unser Aufreger? Über dem Diffusor sitzen zwei Endrohrblenden, die sich bei näherer Betrachtung als Attrappen entpuppen. Die richtigen Abgasrohre werden unter dem Wagen versteckt. Irgendwie peinlich, oder?

Sportlicher Innenraum und jede Menge Technik
Im Innenraum nehmen Sie ab Werk auf wunderbar konturierten und bequemen Sportsitzen mit Leder- und Alcantara-Bezug Platz, die nicht nur guten Seitenhalt bieten, sondern auch noch eine Massage-Funktion besitzen. Okay, wirklich sportlich ist die etwas zu aufrechte Sitzposition nicht, dafür ist die Rundumsicht so aber wirklich Klasse. Vernetzt, vollgestopft mit Assistenten und ausgestattet mit dem "Virtual Cockpit" (für 500 Euro) hinterm Lenkrad ist der SQ5 ebenfalls und alles funktioniert zuverlässig, erfordert aber mindestens ein verlängertes Wochenende zur Einarbeitung. Doch auch mit weniger digitalen Features kann das sportlich angehauchte Fünfsitzer-Interieur überzeugen: Im Fond haben auch große Erwachsene Platz und der Kofferraum fasst zwischen 550 und 1.550 Liter.

Passende Hardware, gute Quartettdaten
Passen Fahrleistungen und Fahrverhalten zu der optischen Sportlichkeit? Die Hardware auf jeden Fall: Ein 3,0-Liter-TFSI-V6 mit 354 PS und 500 Newtonmeter Drehmoment wird mit einer Achtgang-Automatik und serienmäßigem quattro-Allradantrieb gekoppelt. Dazu spendiert Audi eine elektromechanische Servolenkung, adaptive S-Luftdämpfer, und weil man bei der Konfiguration unseres Testwagens gnädig war, ist das optionale Sport-Differenzial auch noch mit an Bord. Die Quartettdaten? 0-100 km/h in 5,4 Sekunden, 250 km/h Topspeed, 1.945 Kilogramm Gewicht, 8,3 Liter kombinierter NEFZ-Verbrauch. Abfahrt.

Schubstarker Motor, flottes Getriebe
Ein Druck auf den Startknopf weckt den Motor und soundtechnisch hat Audi hier ganze Arbeit geleistet. Das Aggregat beherrscht nahezu alle Tonlagen. So geht es von leise-grummelnd und mit fast etwas zu viel Understatement bis hin zu hell-kreischend mit einer Portion knallender Jugendlichkeit à la Mercedes-AMG zwischen den Schaltvorgängen. Die Soundkullise? Passt! Und auch ein Kickdown wird Sie sehr glücklich machen. Das volle Drehmoment liegt von 1.370 bis 4.500 Umdrehungen an, der spritzige Motor verlangt erst bei 6.400 Umdrehungen die nächste Fahrstufe. Die Automatik reagiert dabei flott und lässt die unbarmherzige Kraft auf alle vier Räder nur für den Bruchteil eines Augenzwinkerns unterbrechen.

Kein Kurven-Dynamiker
Ja, solange es geradeaus geht, kann der Antriebsstrang ziemlich gut vertuschen, dass Sie gerade knapp zwei Tonnen SUV-Lebendgewicht bewegen. Aber selbst hier kann man unterschwellig an dem satten Abrollkomfort und der fast beängstigenden Stille ahnen, dass trotz dem "S" kein Dynamiker aus dem Q5 geworden ist. Okay, die Lenkung ist präzise und das Sport-Differenzial, der Allrad sowie die S-Dämpfer machen den SQ5 im Dynamic-Modus etwas spitzer als sonst. Er wirkt spurstabil und irgendwie auch willig, aber wenn Sie wirklich das Performance-SUV in Kurven spüren wollen, bedeutet dies eine Menge Arbeit für Sie und die Technik. So viele Ambitionen machen durstig: Der SQ5 will 10,5 Liter je 100 Kilometer von uns.

Teurer als Mercedes und Jaguar
Der gut ausgestattete Audi SQ5 ist ab 64.900 Euro erhältlich. Wenn Sie bei den wichtigsten Infotainment- und Assistenzsystemen im Konfigurator Ihre Kreuze machen, landen Sie aber schnell in der Nähe der 80.000-Euro-Marke. Zum Vergleich: Den 367 PS starken und deutlich agileren Mercedes-AMG GLC 43 bekommen Sie ab gut 62.000 Euro, ein Jaguar F-Pace 35t mit 340-PS-Benziner, Achtgang-Automatik und Allrad ist ab 60.160 Euro erhältlich.
(ml)

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