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Dreier im Dreier: Passt das? Der BMW 318i Touring im Fahrbericht

Haar, 30. Juni 2017
Die 3er-Reihe von BMW … 1975 kam bereits die erste Generation auf dem Markt. Das Kombi-Modell namens Touring gibt es seit der zweiten Generation E30 (genauer seit dem Jahr 1987). Und in den darauffolgenden 30 Jahren wurde der BMW 3er immer wieder modernisiert und mit neuen Technologien ausgestattet. Was es bislang noch nicht im Dreier gab? Einen Dreizylinder-Motor. Seit dem Facelift der neuesten Generation im Jahr 2015 werkelt unter der 318i-Haube jetzt erstmals ein 1,5-Liter-Turbobenziner mit nur drei Töpfen. Ob ein Dreier im Dreier-Kombi glücklich macht? Wir haben das neue Einstiegsmodell getestet.

Die harten Fakten
Rein optisch oder in puncto Abmessungen unterscheidet sich der 318i Touring natürlich nicht von seinen vier- oder sechszylindrigen Modellkumpanen. Kommen wir deshalb gleich zum besonderen Herzstück, dem Antrieb: Der 1,5-Liter-Dreizylinder-Turbobenziner entwickelt 136 PS und 220 Newtonmeter Drehmoment. Serienmäßig wird der Motor mit einer manuellen Sechsgang-Schaltung gekoppelt. In unserem Testwagen leitet jedoch die wunderbare Achtgang-Automatik von BMW die Kraft an die Hinterräder weiter. Übrigens: Bevor sich der Dreizylinder im 3er breitmachte, war das Einstiegsmodell der 316i mit 1,6-Liter-Vierzylinder und ebenfalls 136 PS sowie 220 Newtonmeter Drehmoment.

Die objektiven Resultate
Während der Vorgänger mit Vierzylinder noch 1.525 Kilogramm auf die Waage brachte, muss der Dreizylinder jetzt schon 1.565 Kilogramm bewegen. 0-100 km/h erledigt unser Testwagen trotzdem in 9,3 Sekunden (mit Schaltgetriebe bräuchte er 9,2 Sekunden). Der alte 316i war genauso schnell und auch die Höchstgeschwindigkeit liegt unverändert bei 210 km/h. Beim Verbrauch kann der Dreizylinder den Vierzylinder aber ausstechen: Auf dem Papier benötigen die in der Summe 1,5 Liter großen Brennräume 5,8 Liter Benzin je 100 Kilometer. Die 1,6-Liter-Maschine brauchte 0,5 Liter mehr. Im Test waren die NEFZ-Werte natürlich weit von der Realität entfernt. 1.358 Kilometer waren wir unterwegs und dabei haben wir 100,7 Liter Sprit verbrannt. Daraus errechnet sich ein 100-Kilometer-Durchschnitt von 7,4 Liter. Fair.

Die subjektiven Erfahrungen
Aber wie fühlt sich so ein Dreizylinder in einem Mittelklasse-Kombi nun an? Direkt nach dem Start fällt auf, dass der Motor sehr ruhig läuft … so ganz untypisch für nur drei Pötte. Unter Last hört man dem Aggregat dann aber schon den fehlenden Zylinder an. Wenn Sie Ihren Mitfahrern aber nicht sagen, dass unter Ihrer Dreier-Haube ein so kleines Herz schlägt, wird es wohl kaum ein Passagier bemerken. Und selbst Sie werden sich im normalen Fahrbetrieb nie wirklich untermotorisiert oder gar beschnitten fühlen. Der Antritt ist gut, erst bei hohen Geschwindigkeiten oder ambitionierten sowie genauso spontanen Überholmanövern merkt man, dass der sonst so drehfreudige Motor obenrum etwas schwach auf der Brust wird. Deshalb sollte die Automatik an Bord sein, die dieses Defizit perfekt ausgleicht und stets den richtigen Gang parat hat. Dazu noch die präzise Dreier-Lenkung, der Hinterradantrieb und das sportlich ausgelegte Fahrwerk und schon hat man einen sparsamen und gleichzeitig ziemlich fahraktiven Wagen mit einem halbwegs gescheiten Kofferraum und Platz für bis zu fünf Personen.

Das Urteil
Was der Dreier im 3er Touring mindestens kostet? 34.550 Euro. Viel Geld für einen so kleinen Motor, ja. Wenn Sie einen Zylinder mehr möchten (der für den alltäglichen Fahrbetrieb eigentlich nicht nötig ist), müssen Sie zum 320i greifen, der in der Touring-Ausführung mit 38.950 Euro zu Buche schlägt. Wir würden uns nach unserer Testfahrt die 4.500 Euro Aufpreis für den Zusatz-Zylinder aber auf jeden Fall sparen und das Geld lieber in Sonderausstattungen investieren. Denn davon gibt es bei der 3er-Reihe ganz Premium-Hersteller-typisch eine ganze Menge. Ob wir uns der Dreiender jedoch in noch größeren Fahrzeugen wie dem 5er vorstellen können? Bis jetzt noch nicht.
(ml)

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