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Wir testen das leicht überarbeitete BMW M240i Coupé Mehrwert-Freuer

Garching, 22. Juli 2017
Huch! Damit hat der kleine Junge nicht gerechnet. Tatort Supermarkt-Parkplatz: Als ich den Motor meines BMW M240i Coupé anlasse, zuckt der gefühlt zwei Jahre alte Knirps erschrocken zusammen. Sechszylinder-Klang ist er nicht gewohnt, seine Mutter fährt einen BMW 2er Gran Tourer. Dort gibt es keinen Sahne-Sechser. Aber Mamis kleiner Liebling wird es in Zukunft bei BMW schwer haben, einen für die Marke so typischen großen Benziner zu bekommen. Erst recht nicht in der Kompaktklasse, wo die Zukunft Front- statt Hinterradantrieb heißt. Eine maßvolle Modellüberarbeitung beim 2er Coupé und Cabriolet gibt mir die Chance, noch einmal im M240i unterwegs zu sein.

Mehr Licht!
Falls unser eingangs erwähntes Kleinkind in vielen Jahren einmal nach einem gut erhaltenen M240i Coupé suchen sollte, sind die Details der Modellgeschichte wichtig. Also: Bereits seit gut einem Jahr gibt es den M240i mit 340 PS Leistung, sein optisch gleicher Vorgänger war der M235i mit 326 PS unter der Haube. Doch jetzt sieht man wirklich was Neues: Serienmäßige LED-Scheinwerfer verleihen allen zweitürigen 2ern (die 2er-Vans sind eine völlig andere Baustelle) einen schärferen Blick. Am Heck wurde der im Stand sichtbare Orange-Anteil aus den nun rot schimmernden Leuchten getilgt. Was gibt es noch? Eine etwas größere Niere und geänderte Lufteinlässe an der Frontpartie.

Endlich ein schönes Cockpit
Eine echte Überraschung erwartet mich innen: Die Cockpitblenden fügen sich jetzt zu einem harmonischen Ganzen zusammen und betonen eine horizontale Ausrichtung. Gleichzeitig wirken die Oberflächen endlich so hochwertig, wie sie es eigentlich von Beginn an hätten sein sollen. Wer das optionale Professional-Navi ordert, bekommt erstmals einen Tochscreen. Apple CarPlay und der Zugriff auf Microsoft Office 365 sind Eckpunkte der aufgepeppten Konnektivität.

Lust statt Last
Sie können also immer online und erreichbar sein. Aber möchte man das in einem Spaßauto wie dem M240i Coupé wirklich? Hier geht es doch primär darum, mit tollen Kurven im Gebirge verbunden zu werden. Die Hände am griffigen Lenkrad statt auf dem Touchscreen, während der Fuß das Gaspedal massiert. So muss das sein.

Im Zentrum des Geschehens
Ob man eine Länge von 4,43 Meter noch als kompakt bezeichnen kann, sei dahingestellt. Aber das BMW M240i Coupé fühlt sich in Sachen Handling exakt so an, obwohl der Wagen mit über 1,5 Tonnen Leergewicht beileibe keine Feder ist. Zehn Millimeter Tieferlegung und eine variable Sportlenkung (beides ist inklusive) machen jede Krümmung des Straßenverlaufs zum großen Vergnügen. Noch etwas präsenter sind Lenkung, Fahrwerk und Klang im Sport-Modus.

Willkommen im Kraftraum
Auf der Geraden holt mein sechszylindriger Freund bei Bedarf den ganz großen Hammer aus dem Werkzeugkasten: In Sachen PS ist der M240i dem M2 zwar um 30 PS unterlegen, nicht aber beim Drehmoment. Während der M2 nur per Overboost 500 Newtonmeter erzeugt, steht diese Zahl beim Zwovierziger immer bereit. Genauer gesagt: zwischen 1.520 und 4.500 Touren. Kein Wunder also, dass der Reihensechser eine harmonische Verbindung mit der serienmäßigen Achtgang-Automatik und dem 2.000 Euro teuren Allradantrieb eingeht.

M2 mit Manieren
Objektiv ist das BMW M240i xDrive Coupé, so der vollständige Name, damit kaum langsamer als der rund 10.000 Euro teurere M2 mit DKG, nämlich nur 0,1 Sekunden. Sogar der Basis-Elfer von Porsche hat bei den bayerischen 4,4 Sekunden das Nachsehen. Aber selbst angesichts dieser Aufgabe bleibt das M240i xDrive Coupé bei Komfort und Klang ein Gentleman auf Rädern. Für den Krawall ist der M2 zuständig. Wer seinen M240i zumindest optisch expressiver haben möchte, sollte zur "M Performance Edition" greifen. Mit dabei sind dann 19-Zoll-Schmiedefelgen statt der serienmäßigen 18-Zöller und etwas zusätzlicher Prunk in Carbon und mattschwarz. Aber ich will ganz ehrlich sein: Nötig ist es nicht. Der eigentliche Reiz des M240i liegt nämlich gerade in seinem dezenten Auftritt.

Platz im Cabriolet
Bevor ich es vergesse: Natürlich profitiert auch das BMW 2er Cabriolet von den Modellpflege-Maßnahmen. Unverändert gut ist das großzügige Raumgefühl bei geschlossenem Verdeck. Die Rücksitze sind nicht wie so oft eine Strafbank, selbst lange Kerle finden hier genug Platz, allerdings sollte die gemeinsame Ausfahrt nicht unbedingt von Hamburg nach München führen. Das macht auch mit Blick auf den nur 280 Liter großen Kofferraum (390 sind es beim Coupé) Sinn.

Offen und Diesel? Eher nicht!
Meine Cabriorunde bewältige ich im 220d mit 190 PS. Ein kraftvoller und leiser Motor, der aber nicht ganz harmonisch mit der Automatik zusammenarbeitet. Und mal ganz ehrlich: Solch ein offenes Auto ist kein Vielfahrergerät für 50.000 Kilometer im Jahr. Hier steht die oft beschworene "Freude am Fahren" im Mittelpunkt, der Weg ist das Ziel. Und vergessen wir die aktuellen Unruhen um den Diesel nicht. Deshalb sollte es schon ein Benziner sein, aber nicht gerade der kleine 218er mit drei Zylindern. Positiv übrigens: Bei versenktem Verdeck mit hochgefahrenen Fenstern, aber ohne Windschott wird es erst ab 120 km/h wirklich unangenehm zugig.

Keine billige Fahrfreude
Wer sich etwas gönnen will, kann auch das Cabriolet als M240i ordern. Die Preise beginnen dann bei 53.500 Euro, während das entsprechende Coupé schon ab 49.100 Euro zu haben ist. So viel muss unser Junge vom Parkplatz in frühestens 16 Jahren wohl nicht hinblättern. Aber er wird in einem 240er-BMW merken, wie schön es einmal war, selbst Auto zu fahren.
(rh)

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