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So fährt sich der aktuell stärkste 5er mit 462 PS M5 für Arme? Der BMW M550i xDrive im Test

Berchtesgaden, 27. April 2017
Es ist ein Satz, den man gerne von seinen Eltern hört: Nur nicht übertreiben! Also bitte die Kirche im Dorf lassen und den dezenten Auftritt pflegen. Das automobile Pendant dazu ist der neue BMW M550i xDrive. Er reiht sich unterhalb des noch kommenden M5 ein. Ist die Limousine also zu sehr "light"? Oder kann man auf den Geschmack kommen? Wir haben den 550i getestet.

Ein wenig M darf sein
Die Strategie der "halben Sportlimousine" ist nicht neu. Audi praktiziert es bereits länger mit den S-Varianten, Mercedes hat seit einiger Zeit die AMG-43-Modelle im Programm. Und BMW eben "M Performance". Hierunter fallen starke Motorisierungen, die zwar angeschärft sind, aber entweder einen Respektsabstand zum richtigen M halten sollen oder als Diesel keinen echten M-Stallgeruch haben.

Bekannter Achtzylinder
Lange Rede, kurzer Sinn: Lassen Sie uns unter die Haube des BMW M550i xDrive blicken und einige technische Daten abarbeiten. Dort arbeitet ein Biturbo-V8 mit 4,4 Liter Hubraum. Er wird intern "N63B44" genannt und lässt Markenkenner aufhorchen. Richtig, das gleiche Aggregat arbeitet minimal schwächer im 750i und steckte auch als nachgewürzte Sportvariante im letzten M5. Von diesem trennen den M550i gut 100 PS, unter dem Strich stehen 462 PS zu Buche. Damit rast er an die Spitze der deutschen Meisterschaft: Im Mercedes-AMG E 43 gibt es 401 PS aus sechs Zylindern, im Audi S6 liefert ein V8 stramme 450 PS.

Diskreter Dampfhammer
462 PS. Diese Zahl muss man sich kurz auf der Zunge zergehen lassen. Vor rund 20 Jahren musste der M5 (E39) noch mit 400 PS auskommen. Angenehm ist, dass der M550i seine gewaltige Leistung nicht in Offener-Hose-Manier zur Schau stellt. Modifizierte Stoßfänger sind zwar Pflicht, ansonsten fallen nur die grauen Außenspiegelgehäuse und die geschwärzten Fensterrahmen ins Auge. Serienmäßig sind zudem 19-Zoll-Leichtmetallfelgen, aber auf diesem Feld kann sich auch ein "normaler" 5er-Kunde austoben.

Noblesse mit Schattenseiten
Innen erwarten uns Sportsitze sowie eine Lederausstattung. Alles durchaus nobel gemacht, aber die gesamte Materialanmutung könnte noch ein Quäntchen besser sein. Auslöser dafür ist die bisweilen wilde optische Mischung der Oberflächen: Dort dunkles Leder, hier Aluminium-Leisten mit Plastik-Haptik, dazu etwas Chrom und Klavierlack. Mercedes und Volvo zeigen in ihren Fahrzeugen der oberen Mittelklasse, wie es harmonischer geht. Da wir gerade Volvo erwähnen; Während sich im S90/V90 vorne ein eingemauertes "Trutzburg"-Gefühl ergibt, fühlt sich der BMW M550i wie ein Handschuh an. Alles passt nach kurzer Zeit, die Sicht nach draußen über die Motorhaube ist ausgezeichnet.

Ritt auf dem Klangteppich
Bestätigt sich der luftige Eindruck beim Fahren? "Eindrucksvoll" liefert das bessere Stichwort. In nur vier Sekunden schießt der M550i aus dem Stand auf 100 km/h, Allrad sei Dank. Neben der Konkurrenz (E 43: 4,6 Sekunden, S6: 4,4 Sekunden) hat selbst die Normalversion des alten M5 mit 4,3 Sekunden das Nachsehen. Schon bei 1.800 Touren beginnt die fette Drehmoment-Party und läuft bis 4.750 Umdrehungen. Vom V8-Discjockey wird zunächst ein sechszylinderartiger Sound aufgelegt, der zum bassigen Grollen mutiert, wenn die Nadel weiter steigt.

Lage-Besprechung
Dazu passt, dass der M550i eine exzellente Straßenlage aufweist und so richtungstreu ist wie die nordkoreanische Staatsführung. Von agilem Handling zu sprechen, ist aber ein zweischneidiges Schwert: Ja, der fast fünf Meter lange BMW lässt sich speziell im Sport-Modus zielgenau um Kurven zirkeln. Aber dort wird das Gewicht spürbar. Erwarten Sie bei 1,8 Tonnen Leergewicht bitte keinen Mazda MX-5.

Fern. Schnell. Gut.
Schon eher passt das Bild eines ICE auf Rädern, wobei man in Anbetracht der Leistungsentfaltung eher von einem Transrapid sprechen muss. 650 Newtonmeter Drehmoment lassen jedes Überholmanöver zur Lappalie werden. Die Kraft ist einfach immer da, wenn man sie braucht. Aber BMW prügelt das bei der Gesamtabstimmung den Insassen nicht bei jedem Schlagloch ins Hirn. Unser Testwagen war mit 18-Zoll-Winterreifen bestückt, die den Comfort-Modus noch angenehmer machen.

Ein teurer Spaß
Der BMW M550i xDrive setzt nicht nur bei den Fahrleistungen von seinen deutschen Rivalen ab, auch beim Preis. Mit 82.700 Euro liegt er zwischen 5.300 und 7.300 Euro über den Angeboten von Audi und Mercedes. Zur Ehrenrettung sei aber gesagt, dass im M550i ab Werk eine reichhaltige Ausstattung steckt. Und der Verbrauch? Zehn Liter sind machbar. Sie wissen ja: Nur nicht übertreiben.
(rh)

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