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BMW M6 Gran Coupé im Test Mächtig starker Business-Bolide

München, 19. April 2013
Es ist nicht so, dass die BMW 6er Gran Coupés zu den schwächeren Autos dieser Welt gehören. Im Gegenteil: Im V8-befeuerten 650i wummern 450 PS, die das elegante, viertürige Coupé in 4,6 Sekunden auf Tempo 100 rauschen lassen können. Doch natürlich gibt es nichts, was sich nicht noch toppen ließe. Und so haben die Bayern die Gran-Coupé-Reihe noch um einen Top-Athleten mit dem M-Label bereichert.

Luxuriöse Innenausstattung
Nie zuvor sei ein "M"-BMW so luxuriös gewesen wie das neue M6 Gran Coupé, sagt BMW-Entwicklungsvorstand Herbert Diess. Das glaubt man ihm beim ersten Blick in den Innenraum. Feines Leder an Sitzen und Armaturentafel umschmeichelt die Passagiere, der Dachhimmel ist mit schwarzem Alcantara bezogen und die Mittelkonsole glänzt in schwarzem Klavierlack. Das ganze Interieur verströmt mehr als nur einen Hauch von Noblesse und erklärt zumindest teilweise, warum dieses Auto knapp 129.000 Euro kostet – so sind etwa die Tierhaut und das Alcantara immer schon ab Werk dabei. Fürs Multimediasystem inklusive Navigation, Telefon und Internetanbindung muss man hingegen mächtig tief in die Tasche greifen und 3.400 Euro herausholen.

Halt gebende Ledersitze
Die M-Sportsitze vorn sind nicht nur bequem, sie geben, wie man das erwartet, perfekten Seitenhalt. Für Fahrer und Beifahrer bieten sie nicht nur elektrische Verstellmöglichkeiten, sondern auch verlängerbare Oberschenkelauflagen, einstellbare Lordosenstützen, Heizungen und jeweils eine Memory-Funktion. Manche Leute sehen Letztere nur als nettes, aber nutzloses Gimmick – wer würde schon ernsthaft seinen M6 einem anderen Fahrer überlassen?

Tiefer Bass
Brabbelnd erwacht der Twinturbo-V8 zum Leben. Er hat allen Grund, sein Tun selbstbewusst zu vermelden: Mit 560 PS und 680 Newtonmeter bildet er im 6er das obere Ende der Nahrungskette. Die Maschine klingt nicht aggressiv, sondern fordernd. Im Leerlauf grummelts aus Richtung Auspuff im tiefem Bass. Der schwillt schnell zu einem kernigen, vollen Dröhnen an, wenn die Drehzahlmessernadel nach oben wischt und die Tachoanzeige in den dreistelligen Bereich saust.

Mannigfaltige Setup-Möglichkeiten
Wie jeder M-BMW bietet auch das M6 Gran Coupé mannigfaltige Einstellmöglichkeiten. Aufgrund der Fülle der Tasten in der Mittelkonsole hat der "Klavier"lack seine Daseinsberechtigung fast im Sinne des Wortes. Auf Knopfdruck können Gasannahme, Dämpfung und Lenkung von komfortabel bis supersportlich eingestellt werden. Die Schaltvorgänge des automatisierten Doppelkupplungsgetriebes sind in drei Stufen von "kaum spürbar" bis "reinknallen" variierbar. Und es gibt noch eine M-Anzeige fürs serienmäßige Head-up-Display, die wild blinkt, wenn im manuellen Modus hochgeschaltet werden muss. Alle Einstellungen können via iDrive-Controller und Bildschirm in zwei Konfigurationen gespeichert und mit den Tasten "M1 und "M2" am Lenkrad abgerufen werden.

Brachiale Leistungsentfaltung
Das wohl Erregendste am M6 Gran Coupé ist seine brachiale Leistungsentfaltung. Zwar beschreibt das Wort "Entfaltung" nur in Ansätzen, was beim Kickdown passiert, aber der Begriff "Explosion" passt wieder nicht zur Noblesse des Luxus-Coupés. Nennen wir's "gierigen Powerschub". Um diesen zu erzeugen, empfiehlt es sich, einfach nach dem Ortsausgangsschild die linke Schaltwippe am Lenkrad bis runter zum zweiten Gang durchzuzappen und dann das Gas durchzutreten. Das Ergebnis fühlt sich wie im Autoscooter auf dem Rummelplatz an, wenn einem der vermeintliche Kumpel ins Heck gekracht ist. Bloß, dass im M6 nach dem Anstoß der Vorwärtsschub nicht zu Ende ist, sondern schier endlos weiter geht – nur kurz unterbrochen von einem weiteren Schlag, wenn man mit der rechten Wippe einen Gang höher schaltet. Für die Zahlenfetischisten gibt's hier auch noch die Werte: 4,2 Sekunden dauert es bis Tempo 100, die Spitze wird entweder bei 250 km/h oder gegen Aufpreis erst bei 305 km/h abgeschnitten.

Im Sportmodus straff, aber nicht knochenhart
Im Komfortmodus der Dämpfereinstellung ist der Wagen zwar gut gefedert, meldet aber immer noch Querrillen nach innen. In der Sporteinstellung wird die Dämpfung deutlich straffer, ist aber nicht schmerzhaft hart abgestimmt. Obwohl sich der Viersitzer mit enormem Speed und wenig Wanken ums Eck zirkeln lässt, ist das Plus von elf Zentimeter Radstand zum zweitürigen M6 Coupé doch zu fühlen. Der kürzere Sportler agiert in dieser Situation noch ein Quäntchen agiler.

Fürs Cruisen geeignet
Bei aller Supersportlichkeit: Man kann mit dem M6 Gran Coupé sehr zivil cruisen. Dafür setzt man die Parameter auf Komfort und genießt den Aufenthalt an Bord in angenehmer Atmosphäre. Die auch im Komfortmodus direkte Lenkung und die beim Antippen des Pedals präsente Motorleistung lassen nie vergessen, dass man in einem reinrassigen Sportboliden sitzt.

Breite Backen vorn
Wie jeder M-BMW ist auch das Top-Gran-Coupé am auffälligen Sportlook zu erkennen. Mächtige Lufteinlässe in der Frontschürze sprechen von der Kraft dahinter, fette Kotflügel vorn bieten 20-Zoll-Rädern und der Keramik-Bremsanlage Platz. Breitere Schweller stellen die Verbindung zum Heck her, wo nicht nur vier Auspuffenden grüßen, sondern auch ein Diffusor dazwischen die Luft verwirbelt.

Saftiger Preis
Als Einstiegspreis stehen happige 128.800 Euro auf der Liste. Für dieses Geld sind wie erwähnt die Lederausstattung, die M-Sitze, adaptive LED-Scheinwerfer und die Klimaautomatik schon dabei. Gegen Aufpreis gibt's dann noch nützliche Extras wie Karbon-Keramik-Bremsen für 8.800 Euro, einen Spurverlassenswarner für 520 Euro oder ein Soundsystem von Bang & Olufsen für 4.950 Euro. Konkurrenten sind der Mercedes CLS 63 AMG mit 557 PS ab 116.203 Euro und der Audi RS 7 ebenfalls mit 560 PS. Dessen Preis ist noch nicht bekannt.
(hd)

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