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Im Test: BMW M760Li mit 610 PS Make the 7er fast again

Palm Springs (USA), 5. Februar 2017
Wir hätten da mal eine Frage: Was haben BMW und Donald Trump eigentlich gemeinsam? Nun, beide haben uns in der Vergangenheit Dinge versprochen, die wir erst nicht so recht glauben wollten. Die Münchner kündigten einen M-7er an und Donald Trump wollte US-Präsident werden. Und jetzt? Jetzt haben wir den Salat. Donald Trump – die meisten von Ihnen werden ihn eher unter seinem Twitter-Namen "@TheRealDonaldTrump" kennen – ist der mächtigste Mann der Welt und BMW baut die mächtigste Limousine der Welt. Wobei Macht hier eher von Masse als von Einfluss kommt. Aber: Donald J. ist ja auch kein Adonis. Puh, da haben wir die Kurve doch noch gekriegt.

V12 mit 610 PS? Sehr gern
Also, was können wir uns unter dem etwas sperrigen Namen "M760Li xDrive" vorstellen? Zum Beispiel den stärksten Serien-BMW aller Zeiten mit 610 PS. Oder den schnellsten BMW überhaupt im Spiel "0-100" – er braucht nur 3,7 Sekunden. Praktisch: Auf 40 Jahre 7er kommen 2017 auch 30 Jahre Nachkriegs-V12 bei BMW. Logisch also, dass der Mega-7er seine Kraft aus einem gewaltigen 6,6-Liter-Zwölfender schöpft. Laufruhe, Leistung und Image ließen sich so perfekt verbinden, heißt es aus München. Flanscht man das Ganze dann an einen heckbetonten Allradantrieb und eine 8-Gang-Automatik, kommt dabei die wohl komfortabelste Boden-Boden-Rakete heraus, die es je gegeben hat. Im Ernst: Der Launch-Control-Start raubt dir sogar kurz den Atem, mit einer solchen Vehemenz hätten wir nicht gerechnet. Und erst der Klang: Egal ob AMG oder Audi, gegen einen echten BMW-V12 sieht die Konkurrenz ziemlich alt aus.

Geht auch ums Eck
Aber der M760Li wäre kein echtes Kind der M GmbH, wenn er nicht auch verdammt gut ums Eck gehen würde. Gut, das Dickschiff ist satte 2,3 Tonnen schwer und lässt sich nicht so behände durch den Slalom werfen wie M2, M3 oder M4 – für einen 7er ist das Kurvenverhalten aber mehr als beeindruckend. Daran hat neben der extrem gelungenen Achslastverteilung – darauf ist man besonders stolz – vor allem die Allrad-Lenkung einen großen Anteil. Die verleiht dem M760Li in schnellen Autobahn-Kurven nicht nur mehr Stabilität, sondern lässt ihn in engen Ecken auch fast rechtwinklig abbiegen. Was beim ersten Mal für einen "Oha-war-das-jetzt-Übersteuern"-Moment sorgt, macht in den folgenden engen Kurven einfach nur extrem viel Spaß. Selten war eine große Limousine derart agil.

Die Optik? Tarnkappenbomber
Aber jetzt mal genug Kurvenhatz und Rennstrecken-Getöse. Welcher 7er-Kunde fährt denn ernsthaft mal damit auf die Nordschleife? Wohl eher keiner. Aber dafür hat man bei der M-GmbH vorgesorgt: Der M760Li hinterlässt nämlich auch im Stand und bei langsamer Fahrt einen bleibenden Eindruck. Grund dafür ist unter anderem das überarbeitete Exterieur, das mit seidenmatten Details und gigantischen Nieren mehr auf "The Transporter" als auf Staatsbesuch macht. Gut so! Auch die zweifarbigen 20-Zöller kommen an. Die Krönung des Ganzen ist allerdings die speziell für den M760Li aufgelegte Farbe "Frozen Arctic Grey Metallic". Das matte Grau hebt die muskulösen Linien der Limousine sehr schön hervor und verleiht dem großen Bayer einen gehörigen Schuss Tarnkappenbomber.

Wohlfühl-Zone
Innen wird ebenfalls mehr geklotzt als gekleckert. Alcantara-Dachhimmel, Edelholz und Nappa-Leder sind serienmäßig beim 166.900 Euro teuren Top-7er. Auch das hervorragende iDrive-System verdient einmal mehr Erwähnung. Es ist und bleibt das beste System am Markt. Auch klar: Der M760Li ist dank längerem Radstand den meisten seiner schwächeren Brüder allein platzmäßig überlegen. Mit 305 km/h einen 911er von der linken Spur drücken (lassen) und im Fond genüsslich einen Champagner – oder ein Weißbier – genießen? Der 760er hilft gerne. Verstellbare Sitze und Rear-Seat-Entertainment machen die zweite Reihe zur Wohlfühl-Zone für alle Fahrfaulen. Aber mal ehrlich: Wenn Sie einen 610-PS-BMW in der Garage hätten, würden Sie den Ihrem Chauffeur anvertrauen oder den guten Mann einfach sofort entlassen? Die Antwort dürfte uns allen klar sein.

Was würde Trump machen?
Und so bleibt letztendlich nichts anderes übrig, als die Launch-Control zu aktivieren und den M760Li in den Sonnenuntergang zu schießen. Das würden Sie mit Donald Trump auch gerne machen? Nun, es wird wohl eher schwierig, den Präsidenten in einen BMW zu bekommen. Aber vielleicht würde er seine Meinung ja ändern, wenn er ihn mal gefahren wäre? Wenn einer Mr. Trump umstimmen könnte, dann bestimmt der M760Li. Einen Versuch ist es vielleicht wert?
(mf)

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