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Groß, günstig, gut? Der Citroën C-Elysée im Test Mengen-Rabatt

Haar, 21. Oktober 2016
An dieser Stelle möchte ich einmal die geschätzten Leser über 35 Jahre fragen: Welches Auto fuhren früher Ihre Eltern, während Sie hinten auf dem Kindersitz lümmelten? Ein SUV wohl kaum. Schon eher eine gutbürgerliche Limousine vom Schlage eines Ford Taunus, Opel Rekord oder gar Peugeot 504. Einst war das Stufenheck der Familienwagen der Mittelschicht, heute muss man schon nach Südeuropa reisen, um der Stufe zu huldigen.

Kommt das Stufenheck-Comeback?
In Deutschland ist die Nachfrage für Limousinen unterhalb von BMW 5er und Co. kaum vorhanden. Fragen Sie ruhig mal ihren VW-Händler, wie viele Jetta er schon verkauft hat. Dacia bietet den Logan Stufenheck gar nicht erst bei uns an. Um so erstaunlicher ist die Tatsache, dass nun sowohl Fiat mit dem Tipo und Citroën mit dem C-Elysée auf den deutschen Markt kommen. Wir haben getestet, ob der Citroën eine interessante und günstige Alternative für Pragmatiker ist.

Gegenentwurf zum C4 Cactus
Fast klammheimlich haben die Franzosen den C-Elysée zu den hiesigen Händlern gerollt. Seit 2012 wird die Limousine bereits gebaut, optisch könnte der Wagen aber auch zehn Jahre älter sein. Die 4,43 Meter lange Karosserie ist in ihrer Biederkeit der komplette Gegenentwurf zum flippigen C4 Cactus, der preislich in einer ähnlichen Liga wie der C-Elysée spielt. Einzig augenschmeichlerisches Highlight ist der verchromte Kühlergrill. Aber nun gut, die potenzielle Kundschaft erwartet auch keinen Schnickschnack, sondern ein "No-Nonsense-Auto".

Keine Frage des Platzes
Tatsächlich punktet der Citroën C-Elysée mit inneren Werten: 506 Liter Kofferraumvolumen und ein geräumiger Fond könnten Taxifahrer glücklich machen. Denn sie hat Citroën mit dem C-Elysée im Visier. Aber ob das blecherne "KLONK" der Türen beim Schließen und die nur angedeuteten hinteren Kopfstützen ihre Fahrgäste erfreuen würden? Und hatte ich schon erwähnt, dass der Kofferraum nur von innen oder per Schlüssel geöffnet werden kann? Über die verwendeten Kunststoffe im Innenraum decken wir den Mantel des Schweigens, irgendwo muss der günstige Preis schließlich herkommen. Irritierend ist hingegen die offene Verkabelung im Bereich unterhalb der Lenksäule.

Fummelei am Fahrerplatz
Deutlichster Schwachpunkt des C-Elysée ist die Ergonomie im Cockpit. Über die Fensterheber-Schalter in der Mittelkonsole können wir noch diskutieren, schließlich hat so das Knie etwas mehr Platz neben der Tür. Aber warum hat das serienmäßige Radio Tasten für die Lautstärkeverstellung, aber ein Drehrad für die Sendersuche? Den Vogel schießt die Verstellung für die Außenspiegel ab. Nach fünf Minuten Suche entdeckt man sie links unterhalb des Lenkrads. Viel Spaß bei der Bedienung während der Fahrt! Abgerundet wird das muntere Suchspiel durch die beiden Bediensatelliten am Lenkrad für den Tempomat und das Radio. Diese Lösung erinnert an die skurrilen Bediensatelliten aus GS- und CX-Tagen.

Kleines Kraftwerk
Klarer Aktivposten ist der 99 PS starke Diesel unter der Haube. Er liegt zwar 1.700 Euro über dem Benziner mit 115 PS (die Basis hat magere 82 PS), ist aber jeden Cent Aufpreis wert. Bis zu 254 Newtonmeter Drehmoment schieben den Citroën C-Elysée munter, wenngleich nicht besonders laufruhig vorwärts. Der Selbstzünder bleibt stets brummig-präsent, ein Bereich zwischen 120 und 130 km/h entpuppt sich als das ideale Reisetempo. Motto: Probiers mal mit Gemütlichkeit. Dazu passt der manierliche Federungskomfort.

Ordentlich ausgestattet
Mit das wichtigste Kaufkriterium beim Citroën C-Elysée ist der Preis. Los geht es mit 12.590 Euro für den 82-PS-Benziner, unser Diesel liegt bei 15.690 Euro. Die Serienausstattung ist ordentlich: Audiosystem mit USB-Verbindung, elektrische Fensterheber vorne, höhenverstellbarer Fahrersitz, eine Klimaanlage, ein Tempomat und sechs Airbags. Extras gibt es nicht viele, zu empfehlen sind die Sitzheizung vorne für 400 Euro und das ebenso teure Komfort-Paket mit Fensterhebern hinten und Parkpiepsern am Heck.

Moderner Rivale von Fiat
Doch der ärgste Feind des C-Elysée kommt von Fiat in Gestalt der Tipo Limousine. Mit 95-PS-Diesel kostet der moderner konstruierte Wagen 15.990 Euro. Serienausstattung auch hier: Klimaanlage, Radio, sechs Airbags, Fensterheber vorne, aber auch eine längsverstellbare Lenksäule. Zudem bietet der Fiat eine größere Vielfalt an Optionen. Eines haben beide Fahrzeuge gemeinsam: Über einen schönen Hauspreis redet der Händler sicher gerne mit Ihnen, denn allzu hoch ist die Stufenheck-Nachfrage in diesem Segment nicht.
(rh)

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