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DS 7 Crossback mit 180-PS-Diesel im Test Viel Technik und Raffinesse, aber kein Allradantrieb

Paris, 8. Dezember 2017
Finstere Gewitterwolken zogen sich dieses Jahr über der französischen Marke DS zusammen: Die deutschen Verkaufszahlen von DS waren im ersten Halbjahr um über 30 Prozent eingebrochen. Im ganzen Jahr 2017 wird die Marke in Deutschland wohl auf kaum 3.500 Autos kommen. War`s das dann schon wieder mit der Nobelabteilung des PSA-Konzerns? Nichts da, PSA-Chef Carlos Tavares lässt nicht locker. Premium ist ihm offenbar wichtig, aber nicht wegen der Stückzahlen. Das Premiumsegment macht weltweit nur zehn Prozent aus, aber es werden 34 Prozent des Gewinns damit gemacht, heißt es bei DS. Mit dem DS 7 Crossback startet nun das erste SUV der Marke. Wir haben das Auto getestet.

Französische Raffinesse, Hightech im deutschen Stil
Bei dem Wort Premium denken die meisten deutschen Autokäufer immer noch an Audi, BMW und Mercedes. Doch Volvo, Jaguar und Land Rover zeigen, dass auch in anderen Ländern anspruchsvolle Autos gebaut werden. DS versucht es mit einer Mischung aus französischer Raffinesse und einem üppigen Technologiepaket, das dem von deutschen Marken nahekommt. Beginnen wir bei dem, wovon wir als Deutsche mehr verstehen, bei der Technik. Auf dem Papier liest sich beeindruckend, was PSA alles in das 4,57 Meter lange Auto gepackt hat: LED-Scheinwerfer, eine Achtgang-Automatik von Aisin, zwei riesige Zwölf-Zoll-Displays, ein Nachtsichtsystem, per Kamerasensor auf die Straße abgestimmte Dämpfer, halbautonome Fahrfähigkeiten und mehr.

Hübsche Licht-Choreografie
Auch in puncto Raffinesse hat DS was zu bieten. Es beginnt mit der hübschen Choreografie, die die sechs Leuchteinheiten in den optionalen LED-Scheinwerfern aufführen, wenn man das Entriegelungs-Knöpfchen auf der Fernbedienung drückt. Dazu kommen schicke "Wischblinker" und LED-Rückleuchten, die das Adjektiv raffiniert verdienen. Im Cockpit entrollt sich nach dem Druck auf den Motor-Startknopf eine rechteckige Uhr. Und die Lautstärke des Audiosystems (natürlich französisch, von Focal) wird mit einem kleinen Röllchen eingestellt, das schön gestaltet ist. Im Dunkeln fällt auch das schicke Netzmuster der Ambientebeleuchtung an den Türzuziehern auf. Und die Türen sind großflächig mit einem von drei verschiedenen Ledersorten bezogen, deren Nähte eine Art Perlenstruktur imitieren – wow.

Niedrige NOx-Werte auf der Straße
Mich hat all das beeindruckt, aber ich fürchte, ein Teil des Publikums wird den Kopf schütteln und etwas von französischen Mätzchen vor sich hinmurmeln. Ist eben alles Geschmackssache! Eine andere Frage ist, was all das in der Praxis taugt. Ich setze mich in die Version mit dem altbekannten 180-PS-Diesel. In puncto Abgasreinigung sieht der Antrieb schon mal gut aus: Er gehört zu den ganz wenigen Autos, die schon die neueste Norm Euro 6d.temp erfüllen und damit auch im Alltagsverkehr strenge NOx-Grenzwerte (unter 168 Gramm pro Kilometer) einhalten. Erreicht wird das wie immer bei PSA mit einem SCR-Kataysator und viel, viel Adblue – der Tank für das Additiv fasst deshalb auch 17 Liter.

Gewaltiger Vortrieb durch 400 Newtonmeter
Die 400 Newtonmeter des Diesels schieben den DS 7 gewaltig voran. Das Aggregat macht deutlich mehr Spaß als der Turbobenziner mit seinen überlegenen 225 PS aber "nur" 300 Newtonmeter Drehmoment – wieder mal ein Beleg dafür, dass Drehmoment mehr zählt als Leistung. Der Vortrieb des Diesels ist so heftig, dass schon auf feuchtem (nicht mal nassem) die Räder durchdrehen. Nicht ohne Grund haben die allermeisten Konkurrenten dieser Drehmoment-Klasse einen Allradantrieb. Noch mehr stört, dass die Achtgangautomatik vom renommierten japanischen Hersteller Aisin oftmals arg unsanft schaltet. Bei dem zweiten Auto desselben Typs, das ich am nächsten Tag fahre, scheint es etwas besser zu klappen, aber auch hier hapert es noch mit dem Gangwechsel.

Plug-in-Hybrid kommt 2019
Der 180-PS-Diesel ist der einzige Motor, der ab dem DS-7-Marktstart im Februar 2018 verfügbar ist. Einen Monat später folgen der neue 1,5-Liter-Diesel mit 130 PS sowie der altbekannte 1,6-Liter-Turbobenziner, aber mit 225 PS. Im Mai wird noch ein 180-PS-Benziner nachgeschoben und im September die Basisversion, ein 130-PS-Benziner mit Handschaltung. Erst im Jahr 2019 kommt dann noch ein technisches Schmankerl auf den Markt, ein Plug-in-Hybrid mit 50 Kilometer elektrischer Reichweite. Dieser kombiniert einen 200 PS starken 1,6-Liter-Benziner mit zwei E-Motoren (à 80 Kilowatt oder 110 PS) zu einer Systemleistung von 300 PS. Einer der beiden E-Motoren treibt die Hinterachse an, und so ergibt sich zumindest hier ein Allradantrieb.

Etwas weiches Fahrwerk
Die Sitze sind angenehm straff gepolstert. Für die nicht besonders kurvigen Landstraßen im Südwesten von Paris reicht der Seitenhalt aus, genauso wie das ziemlich weich ausgelegte Fahrwerk. Die Diagnose "weich" gilt für alle Modi. Ich schalte mehrmals zwischen den Fahrmodi Comfort und Sport hin und her, aber das Nicken beim Beschleunigen und Bremsen, das Wanken in der Kurve bleibt bestehen. Von dem (im Comfort-Modus) per Kamera gesteuerten Dämpfersystem ist für mich auf den öffentlichen Straßen nichts zu spüren – da müsste man vielleicht gezielte, wiederholte Versuche an Schwellen machen. Eine Katastrophe ist all das nicht, aber Leuten, die häufig kurvige Bergstraßen oder gar Serpentinen fahren, würde ich ein anderes Auto empfehlen. Der Platz im Fond ist dafür großzügig bemessen, mit etwas Mühe kann ich hinten sogar die Beine übereinanderschlagen. Der Kofferraum fasst 555 bis 1.750 Liter, ein ordentlicher Wert und mehr, als zum Beispiel in den Audi Q5 hineinpasst.

Nachtsichtsystem, teilautonome Fähigkeiten und mehr
Überzeugt haben mich das Nachtsichtsystem, das automatisch auf Fußgänger, Radfahrer und Tiere hinweist, die sonst auf einer dunklen Landstraße kaum zu sehen wären. Auch der Abstandstempomat mit dem Spurhalteassistenten (im Assistenzpaket 1 für bezahlbare 500 Euro) funktioniert gut. Er lernt sogar dazu: Lenkt der Fahrer immer etwas nach links, dann orientiert sich das System allmählich ebenfalls mehr an der linken Spurbegrenzung. Auch die Müdigkeitserkennung über eine auf die Augen des Fahrers gerichtete Infrarotkamera ist eine gute Idee. Ein Head-up-Display wäre noch schön und eine automatische Übernahme der per Kamera erkannten Tempolimits in den Abstandstempomaten – bei DS muss man jede Übernahme einzeln abnicken. Doch insgesamt ist das Hightechangebot lobenswert.

Ergonomie teilweise kritikwürdig
Die Bedienbarkeit ist jedoch verbesserungswürdig. Ich rede gar nicht von der ungewöhnlichen Anordnung der Fensterheber-Schalter in der Mittelkonsole, der Spiegelverstellung tief links unten und dem sehr hoch angebrachten Motor-Startknopf. Was mich stört, ist erstens die schwierige Bedienung des Lenkradsatellitens für Abstandstempomat und Spurhalteassistent. Das Ding hat etliche Tasten und ein Bedienrädchen, deren Beschriftung beim Fahren vom Lenkrad verdeckt wird. Zweiter Problempunkt ist die Grafik des Instrumentendisplays: Wechselt man die Ansicht, baut sich die Grafik mit einigen Pirouetten auf (was an das LED-Licht und die Uhr erinnert), aber die entscheidenden Einstellmöglichkeiten verschwinden immer wieder. Daher hier ein allgemeiner Appell: So schön die neuen Instrumentendisplays mit ihren vielen Anzeigemöglichkeiten sind: Bitte, liebe Designer, beschränkt euch etwas und nehmt Rücksicht auf uns Autofahrer, die wir uns primär auf den Verkehr konzentrieren müssen.

Gute Ausstattung
Die Preise für den DS 7 Crossback mit dem gefahrenen 180-PS-Diesel beginnen bei 39.790 Euro. Dafür erhält man wahlweise eine der beiden reichhaltigen Ausstattungen Be Chic oder So Chic. Erstere umfasst 17-Zoll-Alufelgen, City-Notbremssystem, Tempomat, Zweizonen-Klimaautomatik, Verkehrsschilderkennung, das große 12-Zoll-Instrumentendisplay und ein Audiosystem mit Acht-Zoll-Touchscreen, Xenonlicht, eine elektrische Parkbremse, Parkpiepser hinten und ein schlüsselloses Zugangs- und Startsystem. Die Premium-Alternativen zum DS 7 BlueHDi 180 haben sämtlich Allradantrieb, so der Jaguar E-Pace D180 AWD mit 180 PS (ab 39.990 Euro), der Range Rover Evoque TD4 4WD mit 180 PS (ab 40.350 Euro) und der Volvo XC40 D4 AWD Geartronic mit 190 PS (ab 44.800 Euro).
(sl)

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