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Wie viel SUV braucht der Mensch? Test: Dacia Duster dCi 110 4x4

Haar, 7. Juni 2018
Volksnähe ist wichtig. Das wissen nicht nur Politiker. Auch Dacia setzt auf dieses Prinzip. Mit Erfolg: Die äußerst günstigen Preise der rumänischen Renault-Tochter sorgten im bisherigen Verlauf des Jahres 2018 für 2,1 Prozent Marktanteil in Deutschland. Jüngstes Produkt ist der neue Duster. Das SUV ist seit Anfang des Jahres auf dem Markt, zählt aber trotzdem schon zu den Bestsellern von Dacia. Zu Recht? Das klärt unser Test des Duster mit 109 PS starkem Diesel und Allradantrieb.

Zwischen Schein und Sein
Dacia weiß, was Kunden wollen: Bei keinem anderen SUV auf dem deutschen Markt ist der Anteil an gewerblichen Käufern so niedrig wie beim Duster. Lediglich 17,2 Prozent der Neuzulassungen gehen an Firmen. Und Otto Normalverbraucher bekommt beim neuen Duster viel Auto für sein Geld: Besonders im Orange-Farbton "Taklamakan" (470 Euro Aufpreis und damit eines der teuersten Extras) macht der 4,34 Meter lange Wagen ordentlich was her. Geschickt gesetzte Design-Elemente lassen den Duster wertiger wirken, als er ist. Erst Details wie die billigen Klapptürgriffe zeigen, wo gespart wird. Ähnlich ist es auch im Innenraum: Das Cockpit ist sehr adrett und ergonomisch gestaltet, aber eben doch aus Hartplastik. Immerhin verwöhnen je nach Ausstattung Stoffe in Lederoptik und etwas Chrom die Sinne.

Einige Pluspunkte
Extreme Raumwunder sind angesichts der Abmessungen des Dacia Duster nicht zu erwarten. Aber mit gutem Platzangebot im Fond und 376 bis 1.431 Liter Kofferraumvolumen sammelt er Pluspunkte auf der Habenseite. Dort verbuchen wir auch die Bodenfreiheit von 21 Zentimeter, den variablen Allradantrieb mit 2WD-Option und die Anhängelast von 1.500 Kilogramm. Ebenfalls positiv ist das weitgehend komfortabel abgestimmte Fahrwerk. Detail am Rande: Mit Allrad bekommt der Duster eine Mehrlenker-Hinterachse.

Mäßige Motoren
Leider ist beim Dacia Duster nicht alles so ausgewogen wie das Fahrwerk. Das beginnt schon bei den Motoren: Um die Preise klein zu halten und nicht zu sehr im Renault-Nissan-Konzern zu wildern, ist bei 125 PS (Benziner) und 109 PS (Diesel) Schluss. Im Fall unseres Testwagens treffen die 109 PS des Selbstzünders auf immerhin 1,4 Tonnen Leergewicht. Und so kommt der Duster nur träge in Fahrt, begleitet von stets präsentem Diesel-Klang aufgrund mäßiger Dämmung. Wenig erbaulich: die nicht langstreckentauglichen Sitze.

Brennpunkt Getriebe
Verschärft wird der bummelige Auftritt des Duster durch zwei Dinge: Drehzahlen unter 1.500 Touren mag der 1,5-Liter-Diesel nicht. Zudem ist das manuelle Sechsgang-Getriebe schlecht abgestuft. Die unteren drei Ebenen sind kurz übersetzt, es muss oft zur unpräzisen Schaltung gegriffen werden. Lang übersetzt sind hingegen der vierte bis sechste Gang. Das schont zwar den Verbrauch, aber selbst Tempo 70 muss noch im fünften Gang gefahren werden, um vom Fleck zu kommen. Mit Geduld zieht der Duster bis auf Tempo 160, als ideales Reisetempo erweisen sich 130 km/h.

Transport oder Image?
Insgesamt macht der Dacia Duster seine Sache zwar nicht überragend gut, aber auch nicht überragend schlecht. Wie viel SUV braucht der Mensch? Mindestens fünf Meter, zwei Tonnen und 300 PS? Wer im Auto nur dessen Kernaufgabe als Transportmittel sieht, kann mit dem Duster glücklich werden. Auch weil er im Vergleich zur Konkurrenz viel spart: Der Duster hört preislich dort auf, wo der Nissan Qashqai oder VW T-Roc erst beginnen. Inklusive Klimaautomatik, 17-Zoll-Leichtmetallräder, Sitzheizung, Navigation, Totwinkel-Warner und Teillederpolsterung lag unser Testwagen mit 109-PS-Diesel und Allrad bei 21.020 Euro.

Wie viel Duster darf es sein?
Aber muss es so viel Duster sein? Nun, Dacia macht einem den Griff zur Topausstattung mit dem hintersinnigen Namen "Prestige" einfach. Ein Blick auf den Basismotor, ein Saugbenziner mit 115 PS, zeigt eine Differenz von lediglich 4.510 Euro zwischen dem nackten Duster "Access" und dem vollgepackten Duster "Prestige". Im weiteren Programm sind es sogar nur 1.300 Euro, weil andere Aggregate gar nicht erst mager ausgestattet im Angebot sind. Wer auf einen Allradantrieb verzichten kann, spart 1.900 Euro und kann sich im Gegenzug schon den Prestige leisten. Überraschend gering ist mit 700 Euro der Abstand zwischen dem Turbobenziner mit 125 PS und dem 110-PS-Diesel. Für den Benziner spricht die bessere Beschleunigung, für den Diesel ein niedriger Verbrauch: Im Alltag ermittelten wir exakt 6,0 Liter auf 100 Kilometer.
(rh)

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