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Der Dacia Duster mit 109-PS-Diesel und Automatik im Test Rumänischer Range Rover

Haar, 4. September 2017
Es war an der Zeit: Auf der Automobilmesse IAA, die Mitte September 2017 in Frankfurt stattfindet, wird Dacia den neuen Duster zeigen. Doch ehe man das SUV kaufen kann, dürften noch einige Monate ins Land gehen. Für uns Grund genug, den quasi "alten" Duster noch einmal genau unter die Lupe zu nehmen. Was ist bereits jetzt gut, was sollte der Nachfolger unbedingt besser können?

Endlich mit Automatik
Nun werden Sie sich vermutlich fragen: Warum stellen die sich nochmal den Duster auf den Hof? Die Antwort liefert der Hersteller: Erst zum Ende des Lebenszyklus bekommt das günstige SUV eine Variante mit Automatik. Damit wird der Wunsch so mancher Dacia-Fans erfüllt. Und zwar kein popeliges automatisiertes Schaltgetriebe, nein, ein richtiges Doppelkupplungsgetriebe ist nun im Programm. Allerdings nur für den dCi 110 mit Frontantrieb.

Der Alte bleibt attraktiv
Optisch wird Dacia den Duster nicht grundlegend umkrempeln. Warum auch? Schließlich ist das derzeitige Modell immer noch ansehnlich, besonders im "Kosmos-Blau" unseres Testwagens. Aber die Automarke aus Mioveni im Süden Rumäniens ändert zurecht einige Details. Etwa die bisherigen, überflüssig wirkenden Sicken neben den Rückleuchten. Schade: Es bleibt bei den wenig soliden Klapptürgriffen. Und nochmal schade: Die bislang schöne Sicht aus großen Seitenfenstern dürfte künftig zugunsten einer höheren Schulterlinie eingeschränkt werden.

Goldene Mitte
Interessanterweise wirkt der aktuelle Duster kleiner als er ist. Mit 4,31 Meter liegt er zwischen Opel Mokka X und dem Seat Ateca. Tadellos ist der breite und gut zugängliche Kofferraum des Duster, in den zwischen 475 und 1.636 Liter Gepäck hineinpassen. Werte, die manches deutlich teureres SUV verfehlt. Ausbaufähig ist das Platzangebot im Fond, obwohl der Radstand länger ist als beim Nissan Qashqai. Freuen würde es uns auch, wenn die Türen beim neuen Duster mit einem satteren Klang ins Schloss fallen würden.

Eine Frage der Position
Besonders innen zeigt sich, dass der aktuelle Duster in die Jahre gekommen ist. Harter, bisweilen streng riechender Kunststoff weist auf den Kostendruck bei der Produktion hin. Immerhin ziert Plastikchrom die Lüftungsdüsen, satinierter Kunststoff fasst die Mittelkonsole ein. Damit sind wir beim Hauptdilemma des Duster, der schlechten Ergonomie. Das an sich günstige und gute Navi mit Touchscreen ist viel zu tief angebracht und lenkt den Blick von der Straße ab. Man muss sich auf die gesprochenen Ansagen verlassen, denn auf dem altmodischen Display rechts neben den Instrumenten gibt es keine Pfeile, sondern nur eine Digitaluhr im Stil von 1982 und die Tankanzeige. Besonders tief verstecken sich die Lüftungsregler. Ihre Position wäre bei einer Klimaautomatik kein Problem, bislang gibt es im Duster aber bestenfalls eine Klimaanlage, die desöfteren manuell nachgeregelt werden muss. Um den Rundumschlag vollkommen zu machen: Die Außenspiegel werden über einen Knopf eingestellt, der sich unter dem Griff der Handbremse befindet, der Tempomat muss an der Mittelkonsole aktiviert werden und die Fensterheber-Einheit in der Fahrertür zielt bedrohlich auf das Knie. Und warum die Instrumente erst mit eingeschaltetem Licht gut sichtbar erstrahlen, bleibt so geheimnisvoll wie rumänische Bergwälder.

Tempomat als Lichtblick
Es scheint aber, als wisse man bei Dacia um diese Schwächen und verspricht deshalb ein "komplett überarbeitetes, qualitativ hochwertiges Interieur". Bei dieser Gelegenheit sollte man gleich die zu weichen und konturlosen Sitze rausschmeißen. Bleiben kann aber das griffige Lenkrad samt Multifunktionstasten. Sie steuern nicht etwa das Radio (dafür gibt es einen praktischen Bediensatelliten hinter dem Lenkrad), sondern den Tempomat. Links stellt man die Geschwindigkeit ein, rechts kann ich per Reset-Taste das gewählte Tempo wieder aktivieren, sollte ich zuvor abgebremst haben. Apropos Abbremsen: Assistenzsysteme sucht man bislang im Duster vergeblich, hier wird der Blick auf den Nachfolger auch interessant.

Gelungene Kombination
Beibehalten sollte man im "rumänischen Range Rover" (so mein Duster-Spitzname halb scherzhaft, halb anerkennend nach zwei Wochen) den 109 PS starken Diesel in Verbindung mit Doppelkupplungsgetriebe. Letzteres nennt Dacia ebenso wie Konzernmutter Renault "EDC". Getriebe und Motor arbeiten gut zusammen. Lediglich das beim Anfahren träge, aber zum Glück abschaltbare Start-Stopp-System trübt die gute Stimmung. Das EDC wechselt die insgesamt sechs Gänge unauffällig, dazu spielt der 1,5-Liter-Motor sein nagelndes Lied. Flüsterleise ist er wahrhaft nicht, aber auch nicht übermäßig laut. Vorteilhaft wäre auf der Autobahn eine etwas längere Übersetzung des obersten Ganges, denn bereits bei Tempo 120 liegen 2.500 Touren an. Weitere Verbesserungsvorschläge: Eine etwas ruhiger liegende Hinterachse und eine leichtgängigere Lenkung. Zudem wäre eine Kombination von EDC und Allrad wohl der Traum manches Camping-Freundes.

Sechs gewinnt
Weit kommt der Dacia schon jetzt mit Frontantrieb, im Schnitt flossen exakt sechs Liter Diesel auf 100 Kilometer durch die Düsen. Gut, offiziell sind es 4,5 Liter, aber auch unser mit wechselnden Strecken und Fahrern ermittelter Verbrauch geht noch in Ordnung. Angesichts der aktuellen Diesel-Debatten soll die Abgasreinigung des Duster nicht unerwähnt bleiben. Oxi-Kat und Rußpartikelfilter sollen für Euro 6 reichen. Abzuwarten bleibt, wie es der Nachfolger im Spagat zwischen sauberer Euro-6d-Norm und Kostendruck halten wird.

Noch immer ein Sonderangebot
Das meiste Interesse dürfte die Preisgestaltung des neuen Duster auf sich zielen. Im aktuellen Modell ist der dCi 110 4x2 EDC weit oben angesiedelt. Aber was heißt hier weit oben? Selbst in der Topausstattung "Prestige" reichen 17.950 Euro. Als Gegenwert gibt es diverses Optik-Chichi, 16-Zoll-Alöufelgen, das Sieben-Zoll-Navi, Lederpolster, eine Klimaanlage, einen Tempomat und Nebelscheinwerfer. Extras? Sitzheizung vorne, Einparkhilfe mit Rückfahrkamera (auch hier stört der tiefe Bildschirm), Ersatzrad und Metallic-Lackierung. So liegt der Duster bei exakt 18.820 Euro. Kein Wunder, dass die Konkurrenz deutlich mehr kostet. Allerdings gibt es kaum andere SUVs mit ähnlichem Diesel-Frontantrieb-Automatik-Mix. Hervorzuheben ist hier der gut zehn Zentimeter kürzere SsangYong Tivoli. Mit ähnlicher Ausstattung, 115-PS-Diesel und Sechsstufen-Automatik kostet er 24.890 Euro.
(rh)

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