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Der neue Smart Fortwo Electric Drive im Test Stadt-Elektriker

Miami (USA), 18. November 2016
Im Segment der Elektroautos geht es derzeit zu wie früher beim Autoquartett: Wer bietet mehr Reichweite? 400 Kilometer ruft Opel für den Ampera-e auf, gar 500 soll der Jaguar I-Pace ab 2018 schaffen. Angesichts solcher Zahlen steht der neue Smart Fortwo Electric Drive (kurz ed) auf den ersten Blick im Abseits: Lediglich 160 Kilometer sind nicht wirklich der Super-Trumpf. Ob der Elektro-Smart trotzdem überzeugen kann, klärt unser Test.

Begrenzter Platz für Strom
Eines sollte nicht vergessen werden: Der alte Fortwo Electric Drive war Elektroauto-Marktführer in Deutschland. Inzwischen ist die Konkurrenz größer geworden, weshalb Smart das Strom-Portfolio um den Forfour erweitert. Trotz längerer Abmessungen ist aber auch hier der gleiche Akku wie im Fortwo verbaut: 17,6 Kilowattstunden sind ein Plus von 1,5 Kilowattstunden gegenüber dem Vorgänger. Die Lithium-Ionen-Batterie mit 96 Flachzellen von LG wiegt "nur" noch 160 Kilogramm und befindet sich im Unterboden des Fahrzeugs. Angesichts der winzigen Länge von 2,70 Meter beim Fortwo geben die Ingenieure offen zu, dass schlicht kein Platz für größere Akkus da ist. Positiv: Smart garantiert den maximalen Energiegehalt der Batterie über acht Jahre oder 100.000 Kilometer, ein möglicher Wechsel wäre gratis. Außerdem wird für den Stromspeicher keine zusätzliche Miete verlangt.

Schnell geladen
Den kleinen "Tankinhalt" kann man durchaus auch zugunsten des Smart Fortwo ed ins Feld führen. Etwa bei der Ladedauer von null auf 80 Prozent: An der Wallbox muss man 3,5 Stunden warten, an der Haushaltssteckdose sechs Stunden. Speziell dieser letzte Wert ist aus meiner Sicht interessant: Nicht jeder kann oder will sich eine Wallbox installieren lassen. Eine Schuko-Steckdose hingegen findet sich öfters in der Tiefgarage. Nehmen wir an, ich parke dort um 20 Uhr abends: Beim Start um acht Uhr morgens wäre der Smart wieder voll, zumal ein Elektroauto kaum jemals auf komplett null Prozent leergefahren wird. Auf jeden Fall wird der Smart Fortwo ed so für einen breiteren Kundenkreis interessant. Ab 2017 wird auch ein Schnelllader mit 22 Kilowatt im Angebot sein, dann wäre eine Aufladung in gut 45 Minuten möglich. Per App kann der Besitzer unabhängig von der Steckerart den Ladevorgang überwachen und weitere Funktionen wie die Vorklimatisierung aus der Ferne steuern.

Angenehm konventionell
Soweit der erste Exkurs in die Technik, nun aber hinein in den neuen Fortwo ed. Wer schon einmal in einem Modell der aktuellen Smart-Generation gesessen hat, wird vieles kennen. Etwa den hohen Boden, der große Menschen zu stark angewinkelten Beinen zwingt oder das poppig gestaltete Cockpit. Wesentlicher Unterschied ist neben elektrospezifischen Anzeigen im Bildschirm zwischen den Instrumenten der Ersatz für den Drehzahlmesser. Es bleibt zwar beim links montierten Rundinstrument, doch angezeigt wird hier, wie viel Leistung ich abrufe und rekuperiere sowie die Stromkapazität. Das Ganze liegt gut im Blickfeld und ist ansprechender als die digitalen Captain-Future-Landschaften manch anderer Elektroautos.

Spritzig durch die Stadt
Jetzt aber los! Bei 160 Kilometer maximaler Reichweite ist der natürliche Lebensraum des Fortwo ed natürlich die Stadt und das nähere Umland. Hier ist er in seinem Element: Der 60 Kilowatt (gleich 81 PS) starke E-Motor im Heck schnipst den kleinen Wagen in unter fünf Sekunden auf Tempo 60. Aus dem Stand heraus stehen mir 160 Newtonmeter maximales Drehmoment bereit. Zum Vergleich: Der 90-PS-Turbobenziner kommt auf 135 Newtonmeter und ist lediglich im Spurt auf 100 km/h einige Zehntelsekunden besser. Aber im Fortwo ed lässt sich der City-Alltag ohne Brummen im Heck genießen. Untermalt von einem leichten Surren flutscht der Winzling umher. Geblieben ist der geringe Wendekreis von nur 6,95 Meter, wodurch es sich gefühlt fast auf der Stelle drehen lässt. Pluspunkt für den E-Smart: Dank des Mehrgewichts liegt er bei hohem Tempo ruhiger als sein Benzin-Bruder.

Keine Spar-Kastration
Zugunsten der Reichweite wurde die Spitze auf 130 km/h begrenzt. Es gibt auch einen Eco-Modus, um noch effizienter zu fahren, hier sinkt die Höchstgeschwindigkeit auf 110 km/h und das Fahrpedal spricht sensibler an. Nichts für die Autobahn, wohl aber für die Stadt. Im Gegensatz zu den Sparmodi anderer E-Autos fühlt es sich im Fortwo ed nicht so an, als habe plötzlich jemand einen Anker aus dem Auto geworfen. Gravierende Unterschiede sind nicht spürbar. Gut gelöst hat Smart auch die Rekuperation, die in fünf Stufen möglich ist. Geht man vom Fahrpedal, baut der Wagen nicht brutal Geschwindigkeit ab, sondern angenehm linear. In Europa wird es übrigens auch als Option eine radargestützte Rekuperation als Extra geben, die vorausschauend agiert.

Manierliche Federung
Was gibt es noch zu vermerken? In Anbetracht des sehr kurzen Fortwo-Radstands ist das Abrollverhalten gut, wenngleich man keine sänftenartige Federung erwarten sollte. Wünschenswert wäre eine Möglichkeit, direkt am Lenkrad die Klimaanlage zu betätigen. Weil sie viel Strom kostet, könnte man sie so kurz aktivieren, um die Scheiben zu entfeuchten, ohne den Blick von der Straße abwenden zu müssen.

Teurer Smart – günstiges Elektroauto
Werfen wir noch einen Blick auf den wichtigsten Punkt: den Preis. Anfang 2017 starten die Elektro-Smarties in Deutschland. Los geht es bei 21.940 Euro für den Fortwo ed, der Forfour ist 660 Euro teurer. Eher ein Fall für Liebhaber ist das Fortwo ed Cabrio für mindestens 25.200 Euro. Aktuell kann aber die staatliche Kaufprämie für E-Autos in Höhe von 4.000 Euro abgezogen werden. Übrig bleibt dann ein Startpreis von 17.940 Euro. Zur Serienausstattung zählen stets ein Tempomat, ein Audiosystem und eine Klimaautomatik. Dennoch bleibt es viel Geld für einen Smart. Aber die Summe relativiert sich im Umfeld: Ein konventioneller Fortwo mit 90 PS, Automatik und ähnlicher Ausstattung liegt auch schon bei 15.655 Euro. Und die direkte Elektro-Konkurrenz? Sie ist größer und teurer: Mit Prämie kostet ein VW e-Up 22.900 Euro, ein Renault Zoe mit 22-kWh-Akku beginnt bei 18.100 Euro, hier kommt aber noch eine monatliche Batteriemiete dazu. Möchte man den Zoe im Ganzen erwerben, werden trotz Staatsknete mindestens 26.100 Euro fällig.
(rh)

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