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Lifestyle-Laster mit japanischen Wurzeln Fiat Fullback Cross im Test

Turin (Italien), 8. November 2017
Robustheit. Vielseitigkeit. Design. Lifestyle. Geht es nach Fiat, befindet sich der neue Fullback Cross kurz vor dem Status der eierlegenden Wollmilchsau. Wohl gemerkt: Ein 5,30 Meter langer Pick-up, mit dem die Italiener nun in der Klasse von einer Tonne Nutzlast mitspielen. Damit sind sie nicht die einzigen: Allein im Jahr 2017 sind mit dem Renault Alaskan und der Mercedes X-Klasse zwei Konkurrenten erschienen, die ebenfalls ein Stück vom immer größeren Kuchen abhaben wollen. Ob sich der Fiat Fullback Cross dagegen behaupten kann, klärt unser Test.

Ein "Fiatsubishi" für Europa
Nun werden interessierte Beobachter sagen: Das ist doch ein Mitsubishi L200! Stimmt. Im Gegensatz etwa zum Pick-up-Trio von Nissan, Mercedes und Renault verzichtet Fiat beim Fullback auf eine optische Differenzierung. Seit 2016 ist der Italo-Japaner auf dem Markt, jetzt kommt mit dem Zusatz "Cross" eine mit schwarzen Elementen aufgepeppte Variante mit weniger Nutzfahrzeug-Mief. Kuriosum am Rande: In Brasilien, wo Fiat eine Macht ist, wird der Fullback nicht angeboten, weil Mitsubishi das nicht erlaubt. Ob hier die 34-prozentige Beteiligung von Renault-Nissan an dem japanischen Konzern eine Rolle spielt? Stattdessen bietet Fiat in Brasilien den kürzeren Toro auf Jeep-Renegade-Basis an, ein Allradantrieb ist hier lediglich optional.

Gewaltig im Gelände
Nicht so beim Fullback Cross: Er reizt die Geländekarte genüsslich aus. Die Karosserie sitzt auf einem Leiterrahmen, hinzu kommen ein Allradantrieb mit Torsen-Mittendifferenzial und ein elektronisches Sperrdifferenzial an der Hinterachse. Was bedeutet das in der Praxis? Auf der Mittelkonsole befindet sich ein Drehknopf mit vier Modi: 2H steht für den Hinterradantrieb, der in den meisten Situationen ausreicht. 4H aktiviert den Allradantrieb mit offenem Mittendifferenzial. 4HLc sperrt das Mittendifferenzial, die Kraftverteilung beträgt 50:50. Bei 4HLLc kommt zusätzlich noch eine Getriebeuntersetzung hinzu, um langsam durch schweres Gelände zu kraxeln.

Papamobiler Pick-up
Kraxeln muss ich auch, nämlich auf den Fahrersitz des 1,78 Meter hohen Fiat Fullback Cross. Dort angekommen, blicke ich auf eine zweifarbige Landschaft aus Hartplastik. Abgesehen vom Fiat-Logo auf dem Lenkrad stammt hier alles vom Mitsubishi L200. Schlecht ist das aber nicht, alles ist einfach bedienbar. Die serienmäßige Rückfahrkamera und ein Wendekreis von nur 11,80 Meter helfen beim Einparken des mächtigen Fullback Cross. Auf dessen Heck befindet sich übrigens ein "Sportbügel", ähnlich macht es auch der VW Amarok in dessen Aventura-Variante. Dieses Stilmittel soll gewissermaßen als Lifestyle-Spritze wirken, allerdings weckt der Fiat-Bügel bei mir Assoziationen an ein päpstliches Gefährt.

Dieselige Bemühungen
Vermutlich wären für Franziskus aber die 181 PS des einzig angebotenen Motors im Fullback Cross viel zu viel. 430 Newtonmeter Drehmoment stellt der 2,4-Liter-Turbodiesel bereit. Klingt prima, doch in Verbindung mit der serienmäßigen Fünfgang-Automatik wirkt der Vierzylinder des Öfteren angestrengt. Besonders beim Beschleunigen sorgt die Motor-Getriebe-Kombination für Disharmonie. Immerhin ist das Aggregat gut gedämmt und das Fahrwerk bemüht sich um Federungskomfort. Leider fehlt es der Lenkung deutlich an Rückmeldung.

Wohnmobil auf Wunsch
Aber wie es bei Pick-ups typisch ist: erst bei viel Zuladung sind sie in ihrem Element. Beim Fiat Fullback Cross beträgt die Anhängelast 3,1 Tonnen, auf die Pritsche (es gibt den Cross nur als Doppelkabine) passt eine Tonne Material. Ausreichend auch für eine Wohnmobilkabine wie den Trail 200 der Firma Tischer.

Teuer, aber komplett
Was kostet der Fiat Fullback Cross? 44.387 Euro ruft das Unternehmen auf. Ja, Sie schlucken bei dieser Summe zu Recht. Aber der Fullback Cross bietet nicht nur eine spezielle Optik, sondern auch eine komplette Ausstattung, darunter Xenon-Licht, Zwei-Zonen-Klimaautomatik, einen Sieben-Zoll-Touchscreen samt Navi, Sitzheizung vorne, einen elektrisch verstellbaren Fahrersitz und die schon erwähnte Rückfahrkamera.

Zwischen Mitsubishi und VW
Doch die Konkurrenz ist zum Teil hausgemacht: Mitsubishi ruft für den L200 Double Cab als ähnlich aufgepepptes Sondermodell "Edition 100+" mit dem gleichen Antrieb wie im Fiat 39.790 Euro auf. Nissan möchte für den Navara mit 190-PS-Diesel und Siebengang-Automatik in der Topausstattung 43.655 Euro haben. Satte 55.399 Euro kostet der VW Amarok Aventura. Er hat aber einen Dreiliter-V6-Diesel mit 224 PS unter der Haube, hinzu kommt eine Achtgang-Automatik.
(rh)

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