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Fiat Tipo Kombi mit 120-PS-Turbobenziner im Test Ein Kombi für Aldi-Fans

Wiesbaden, 22. September 2016
Sind Sie der Typ von Mensch, der donnerstags immer gleich zu Aldi läuft, weil da die neuen Angebote im Laden sind? Dann haben wir was für Sie: den Fiat Tipo Kombi. Das Auto ist schon laut Preisliste sehr günstig. Dazu erhält man beim Händler, wo der Wagen seit dem 17. September 2016 steht, noch eine großzügige "Eintauschprämie" für den Gebrauchten. Nachdem wir vor einigen Monaten die Version mit 120-PS-Diesel testeten, haben wir uns nun den gleich starken Benziner zur Brust genommen.

Vier Motoren mit zwei Leistungswerten
Ein angenehmer Aspekt am Tipo ist, dass die Angebotspalette so übersichtlich ist. Zwei Benziner und zwei Diesel stehen zur Wahl, jeweils mit 95 und 120 PS. Den Basisbenziner wollte ich mir nicht antun, denn 95 PS sind dann doch etwas wenig für einen Kompaktkombi, vor allem wenn es sich um einen Saugmotor handelt. Die getestete 120-PS-Version ist dagegen ein Turbo. Das macht einen deutlichen Unterschied, nämlich zweieinhalb Sekunden beim Normsprint, 15 km/h bei der Spitze und fast 90 Newtonmeter beim Drehmoment.

Etwas zäher Turbobenziner
Doch der Tipo Kombi ist auch mit dem 1.4 T-Jet noch bescheiden motorisiert. Zumindest im hügeligen Taunus geht das Beschleunigen doch eher zäh vor sich, auch wenn ich herunterschalte. Der 120-PS-Diesel geht da wesentlich besser. Der hat eben auch 320 Newtonmeter Drehmoment statt 215 wie der Turbobenziner. Akustisch bleibt mein Wagen unauffällig. Erschrocken bin ich jedoch, als ich nach der Testfahrt auf den Bordcomputer gucke. Oder was dächten Sie nach der Probefahrt beim Händler, wenn Sie einen Verbrauchswert von 12,2 abläsen? Ein schöner Säufer, dieser Turbo. Gut, dass ich ein Foto der Anzeige gemacht habe, denn erst als ich dieses angucke, merke ich, dass hinter dem Wert "km/l" steht. Umgerechnet auf Liter je 100 Kilometer sind das 8,2 – eine nach unserer Erfahrung noch dezente Abweichung vom Normverbrauch von 36 Prozent.

Tempomat plus Abstandstempomat
Auffällig ist, dass mein Testwagen sowohl einen normalen Tempomaten, als auch einen Abstandstempomaten hat. Doppelt gemoppelt? Nicht unbedingt. So kann ich auf der kurvigen Landstraße den Abstandstempomaten wählen, damit mein Tipo langsamer wird, wenn ich zu einem Laster aufschließe. Auf der leeren Autobahn empfiehlt sich eher der normale Tempomat, weil ich mich vom LKW ansaugen lassen kann, um dann erst spät zum Überholen auszuscheren. Und noch was Bemerkenswertes: Mit dem großen Navi finde ich überraschend leicht zum Ausgangsort zurück, obwohl ich die Adresse nicht weiß. Ich tippe als Zielort "Jagdschloss Platte" ein, und ein paar Sekunden später bietet mir das Gerät das richtige Ziel an.

Besonderes Dämpfungssystem
Eine Besonderheit des Tipo erklärt mir Fiat-Techniksprecher Klaus Schühle: die FDD-Stoßdämpfer (Frequency Dependent Dampers). Anders als bei herkömmlichen adaptiven Dämpfern, wo die Hydraulikventile im Dämpfer über eine Elektronik geregelt werden, geschieht das hier auf mechanischem Weg. Dabei führen hochfrequente Schwingungen (Kopfsteinpflaster) zu weichen Dämpfern, niedrigfrequente (Wellen im Asphalt) zu harten – genau, wie es sein soll. Das Ganze ähnelt dem Agility-Control-System von Mercedes, doch in dieser Klasse sind solche Dämpfer, die laut Schühle von Koni stammen, in der Tat ein Alleinstellungsmerkmal. In der Praxis fällt das Fahrwerk allerdings nicht besonders positiv auf. Es ist eher komfortabel ausgelegt und wankt in der Kurve deutlich. Auch das Lenkgefühl ist etwas seltsam, zumindest aber indirekt.

Sehr viel Knieraum im Fond
Was die inneren Werte angeht, bietet der Tipo ein annehmbar gestaltetes Cockpit. Der ungute Plastikgeruch, der mir bei meinem ersten Test auffiel, war diesmal verflogen, wobei Fiat aber wohl auch mit etwas Parfum nachgeholfen hat. Die Sitze bieten für sportliche Fahrer zu wenig Seitenhalt, aber für solche Kunden ist der Tipo Kombi ohnehin nicht gedacht. Eher geht es um Familien, und da zählt, dass der Tipo im Fond sehr viel Platz bietet, vor allem vor den Knien. Beim Kofferraum hat Fiat bisher nur den Wert der fünfsitzigen Konfiguration mit Beladung bis zur Fensterunterkante bestimmt: 550 Liter sind ein guter Wert. Ein Einlegeboden egalisiert die Schwelle am Kofferraumeingang – anders als beim Schrägheckmodell. Nach dem Umklappen ergibt sich kein komplett ebener, aber problemlos nutzbarer Ladeboden.

Das Beste zum Schluss
Den Kombi mit dem gefahrenen Turbobenziner gibt es laut Preisliste ab 18.190 Euro. Damit ist er der günstigste Kombi dieser Größe und Motorisierung. Auf den Plätzen zwei und drei folgen der Peugeot 308 SW mit 110-PS-Turbo für 19.700 Euro und der Skoda Octavia Combi 1.0 TSI mit 115 PS für 19.750 Euro. Für den Basispreis des 1.4 T-Jet erhält man die Ausstattung Easy, die mit Klimaanlage, Radio inklusive Fünf-Zoll-Touchscreen und elektrischen Fensterhebern rundum. Vier Jahre Garantie sind ebenfalls Standard. Das Beste aber haben wir uns für den Schluss aufgehoben: die Eintauschprämie. Obwohl der Tipo an sich schon sehr günstig ist, bekommt man dazu noch für den alten Wagen 2.000 Euro über dem Zeitwert.
(sl)

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