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Der Bayer mit Facelift und Euro-6-tauglichem Diesel Fit für ganz vorn: Der neue BMW 330d im Test

Rottach-Egern, 1. September 2008
Kuhdung und frisch gemähtes Heu, solch gesunde Gerüche strömen hier auf dem Land in unser Auto. Wir sind mit dem gelifteten BMW 330d unterwegs. Sein vollkommen neuer 3,0-Liter-Diesel sorgt dafür, dass es hier draußen sauber bleibt: Mit dem optionalen BluePerformance-Paket hält er bereits jetzt die ab 2014 geltende Euro-6-Norm ein.

Ein bisschen Gina
Das Blechkleid des neuen 3er haben die Designer nur sehr vorsichtig angefasst. Mercedes-C-Klasse und Audi A4 sind neu und zwingen die Bayern zu kosmetischen Maßnahmen. Aber die jetzt seit 33 Jahren fahrende 3er-Reihe liegt in der Käufergunst ganz vorne, muss also nicht mit radikalen Änderungen auf sich aufmerksam machen. Front und Heck wirken etwas dicker, der Nierengrill rutscht eine halbe Hand breit nach oben. Laut BMW rückt der Mittelklasse-Wagen optisch in die Nähe des imposanten neuen 7ers – was wir nur teilweise bestätigen können. Die Wuchtigkeit der Ober-Bayern erreicht der vergleichsweise kleine 3er bei weitem nicht. Wir fühlen uns vielmehr an die bereits im Jahr 2000 entwickelte und nun im neu eröffneten BMW-Museum vorgestellte Studie "Gina" erinnert. Deren Stoffüberzug liegt scharfkantig über dem Fahrzeugrahmen. Und ebenso fein geschnitten wirkt die Motorhaube des neuen 3er, zwei von vorne nach hinten verlaufende Linien drücken sich von unten in das Blech.

Glühende Leuchtbänke
Für die Hersteller scheint es immer wichtiger zu werden, sich auch durch das Licht-Design einen unverwechselbaren Markenauftritt zu verschaffen. Audi macht das mit Front-LED-Lichtbändern vor, der 3er strahlt bei Ausrüstung mit dem optionalen Xenonlicht (970 Euro) mit dem aus 7er und 5er bekannten Corona-Licht-Tagfahrlicht in die Gegend. Seine Heckleuchten fallen durch stabförmige Elemente auf, die vom Hersteller als "glühende Lichtbänke" bezeichnet werden. An dieser Stelle spüren wir tatsächlich die Verwandtschaft zum neuen 7er, wo diese Technik allerdings deutlich kräftiger wirkt.

Eingängig: Das neue iDrive
Wie auch schon im neuen 7er, so bekommt auch der 3er ein gründlich renoviertes iDrive. Die Zeiten, in denen dieses zentrale Bediensystem Anlass zu vermehrtem Wachstum von grauen Haaren war, sind zwar längst vorbei – aber verbessern lässt sich immer was. So sorgen jetzt um den Druck-Dreh-Kipp-Controller positionierte Direktwahl-Tasten für ein mühleloses Anwählen der wichtigsten Funktionen wie beispielsweise Navigation, Telefon oder CD. Acht weitere Tasten in der Mittelkonsole lassen sich beliebig programmieren. Wer zum Beispiel den Abbruch der Navigations-Zielführung oder den Aufruf des Split-Screens gerne per einmaligen Knopfdruck zur Verfügung haben möchte, kann sich hier das Leben vereinfachen. Dargestellt werden die einzelnen Optionen auf einem 8,8-Zoll-Display, BMW spricht von einem der größten Displays in dieser Fahrzeugklasse am Markt. Und wer will, kann über dieses Display auch Googeln.

Umständlich: Internet
Wer von seinem 3er aus das World Wide Web nach Informationen durchforsten will, muss erst mal ein bisschen Zaster locker machen: Das Navigationssystem "Professional" mit Handyvorbereitung will angeschafft sein (3.970 Euro), dieses gibt es nur in Verbindung mit der optionalen Klimaautomatik (770 Euro). 4.740 Euro später kann es also mit der nun automatisch inkludierten Internet-Flatrate losgehen. Die Daten strömen per EDGE – auf das etwas schnellere UMTS wird laut BMW wegen der nicht flächendeckenden Verfügbarkeit verzichtet. Zur Nutzung des Internets muss das Fahrzeug stehen und Texteingaben erfolgen zeitraubend per einzelner Buchstaben-Anwahl über das iDrive-Drehrad. Hier wäre ein Touch-Screen von Vorteil – allerdings ist gerade ein Trend weg vom berührungsempfindlichen Bildschirm zu beobachten. Laut Fahrzeug-Ergonomen haben Studien erwiesen, dass ein Touch-Screen den Fahrer stärker vom Verkehrsgeschehen ablenkt als andere Eingabe-Möglichkeiten. Auch Honda hat beim neuen Accord das Thema "Drücke-auf-den-Bildschirm" wieder ad acta gelegt. Ideal wäre beim 3er ein Bildschirm, der erst im Stand zum Touch-Screen wird. So ist der Internetzugang des 3ers ein sehr teurer Anfang, mehr nicht.

Immer noch ein Sportsmann
BMW setzt konsequent auf Dynamik – und lässt sich auch bei der meistverkauften Modellreihe aus eigenem Hause nicht die Straffheit aus dem Fahrwerk nehmen. Allerdings haben die Ingenieure ein wenig an Federn, Dämpfern und Bereifung geschraubt. Die im Vorgängermodell noch teilweise holperige Herangehensweise an Rillen und Schlaglöcher wurde weg-entwickelt. Der Komfort-Zuwachs ändert nichts an der unkippeligen Kurvenlage und dem nach wie vor kaum vorhandenen Nicken beim Bremsen. Zumal die Lenkung mit Uhrmacher-mäßiger Präzision den Weg vorgibt und die Verzögerungs-Apparatur auch beim heftigen Abbremsen mit genauer Definition glänzt und wegen kurzer Bremswege Sicherheit in der Kabine verbreitet.

Euro 6
"Engine of the Year" nennt sich der alljährlich vergebene Motoren-Oscar. Und wer räumt da am meisten ab? BMW. Und für den 3er haben sich die Bayern nun einen neuen Diesel-Motor ausgedacht: den 330d. Allein die Daten des Reihen-Sechszylinders machen Laune: 245 PS, was sechs Prozent mehr Leistung sind als beim Vorgänger-Aggregat, und dabei mit einem um sieben Prozent geminderten Verbrauch – in der Stadt reichen dem Selbstzünder 7,3 Liter, um 100 Kilometer voranzukommen. So spielt das Aggregat in der Euro-5-Liga. Und wer sich die BluePerformance-Option für 990 Euro leistet, ist dank reduziertem Stickoxidausstoß per Speicherkatalysator in der ab 2014 geltenden Euro-6-Norm unterwegs. Lassen diese Werte noch dynamischen Fahrspaß zu?

Der Druck geht weiter
Wir drücken den Startknopf und lösen so die selbstgezündeten Explosionen in den 3,0 Liter Hubraum aus. Ob da nun ein Benzin- oder Diesel-Herz unter der Kontur-Haube schlägt, vermögen wir klanglich nicht zu erkennen. Seine Laufruhe behält das Aggregat mit eiserner Disziplin, beschleunigen wir kräftig, klingt es vorne nach 300-PS-Motor. In 6,1 Sekunden geht es von null auf 100, bei 250 km/h beendet die Elektronik weiteren Geschwindigkeits-Zuwachs. Die 520 Newtonmeter maximales Drehmoment liegen ab 1.750 U/min an – und reichen für jede Situation. Als uns ein Wagen bergauf bedrängelt, weil wir nur zehn km/h zu schnell unterwegs sind, reicht ein lockerer Gasstoß, um diese Pest mühelos irgendwo hinten zurück zu lassen. Schalten müssen wir dabei kaum: Wird es am Berg bei 60 km/h im sechsten Gang ein wenig zu langsam, legen wir halt den fünften ein. Ab spätestens 80 km/h macht es dann der sechste – druckvoll bis 250 km/h.

Echte Effizienz
Halten wir uns an die eingeblendeten Schaltempfehlungen, ist tatsächlich der Normverbrauch von 4,8 Liter erreichbar, was umgerechnet einen Kohlendioxid-Ausstoß von 152 Gramm pro Kilometer bedeutet. Wer es betont sparsam angeht, wird sich voraussichtlich diebisch darüber freuen können, unter dem Verbrauch nach EU-Testzyklus zu bleiben. Der 330d ist ein ganz heißer Anwärter auf einen Engine of the Year Award 2009.

Genaue Vibrationen
An der manuellen Sechsgang-Schaltung gibt es kaum etwas zu tippen, zumal wir sie, wie oben bereits beschrieben, nur selten bemühen müssen. Das Einlegen des ersten Gang wird manchmal mit der Idee eines Haklers quittiert und der Schaltknüppel an sich vibriert ein bisschen. Den Rest der Gänge können wir mit mustergültiger Präzision in ihre Position schieben.

Die heimlichen Pakete
Für den 330d will BMW 40.450 Euro haben. Klimaautomatik, Navi, Sitzheizung und Metallic-Lackierung kosten extra. Ehe wir uns versehen, hat unser Wunsch-3er die 50.000-Euro-Marke übersprungen. Und obwohl die Aufpreisliste ein paar Ausstattungspakte bereithält, gibt es noch versteckte Verbindungen, wodurch die eine oder andere Option fies teuer wird. Neben dem eingangs schon erwähnten Professionel-Navi, welches es nur in der rein logisch kaum nachvollziehbaren Kombination mit einer Klimaautomatik gibt, wäre da noch das Kurvenlicht (410 Euro). Dieses wird nur eingebaut, wenn auch Xenon-Licht (970 Euro) und ein Regensensor (130 Euro) mit von der Partie sind. Das gleiche gilt für den 150 Euro teuren Fernlichtassistenten der nur zu uns ins Auto kommt, wenn die automatisch abblendenden Spiegel (500 Euro) schon da sind. Und auch Freunde einer gepflegten Standheizung (1.340 Euro) müssen ein wenig tiefer in die Tasche greifen: Hier werden die Klimaautomatik (770 Euro) und – warum auch nicht – das Radio "Professional" (210 Euro) vorausgesetzt. Dem Erfolg des neuen 3er wird dies allerdings nicht im Wege stehen – insofern macht BMW alles richtig. Ab dem 27. September 2008 sind die frischen 3er zu haben.
(gh)

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