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Der frisch überarbeitete Ford Kuga im Test Jetzt in der ST-Line, aber sonst?

Athen (Griechenland), 19. Oktober 2016
Es ist Zeit für ein "#Kugadventure". Moment, Hashtag Kugadventure? Was Sie sich darunter vorstellen sollen? Ganz einfach: Ford hat den Kuga geliftet und anstatt uns über sterile Rundkurse zu jagen, hat sich zu Testzwecken unlängst eine Kompakt-SUV-Karawane von Athen aus auf den Weg ans Nordkapp gemacht. Für welche Abenteuer der neue Kuga gewappnet ist? Wir waren bei der ersten Etappe auf griechischen Straßen am Fuße des Olymps dabei und haben dort den frischen Ford-Bestseller unter die Lupe genommen.

Optikupdate … hauptsächlich an der Front
Neben einer etwas tristen Lagerhalle nehmen wir den Wagen in Empfang und stellen sofort fest, dass der Kuga von der neuen Optik ungemein profitiert – wie schon der basisverwandte Focus bei seiner letzten Überarbeitung im Jahr 2014. Die Front wirkt mit dem großen und steilen Grill nicht mehr so rundgelutscht und die Designer haben dem Kuga eine bulligere, etwas aggressivere aber auch modernere Erscheinung verpasst. Bei der Silhouette (der Kuga ist jetzt 4,54 Meter lang, ein Plus von knapp zwei Zentimeter) tut sich hingegen nicht wirklich etwas und auch am Heck ging man eher behutsam vor. Schade eigentlich, denn ein paar feinere LED-Rückleuchten, die es selbst als Sonderausstattung nicht gibt, hätten der doch sehr analog aussehenden Hecklampen-Grafik mit einfachen Glühbirnen gut getan.

Mehr Luxus? "Vignale". Mehr Sportlichkeit? "ST-Line".
Anstatt technoide Leuchtgelüste zu befriedigen, tut Ford aber etwas für alle unter Ihnen, die sich mehr Sportlichkeit beim Kuga gewünscht haben. Der Hersteller bietet nämlich nicht nur die neue Toplinie "Vigniale" für den Wagen an, sondern auch eine ST-Line. Vergleichbar ist diese mit Produkten wie der S-Line von Audi oder der AMG-Line von Mecedes. Heißt: Es gibt in Wagenfarbe lackierte Spiegelkappen, Seitenschweller, Türgriffe, einen Dachspoiler und Radhausverkleidungen sowie veränderte Stoßfänger und einen sportlich angehauchten Unterfahrschutz. Außerdem gehören ein spezielles Sportfahrwerk, eine direktere Lenkung und 18- beziehungsweise 19-Zöller zum Ausstattungsumfang.

Komfortabel ist der Kuga immer
Am meisten haben Sie aber tatsächlich von den Felgen, denn die kann man wenigstens sehen. Von den beiden sportlichen Technik-Veränderungen merkt man nicht wirklich etwas und so gleitet der geliftete Kuga (egal ob nun ST-Line oder nicht) mit gutem Abrollkomfort und einem sanft nachwippenden Fahrwerk über die Autobahn. Nach einigen schnellen Serpentinen am Olymp kommen wir aber zu der Einsicht, dass die ST-Abstimmung ein etwas beweglicheres Hinterteil zur Folge hat und der Wagen nicht mehr nur stur über die Vorderachse agiert, sondern das Heck beim dynamischen Kurvenfahren brav mitarbeitet.

Gemütlich, praktisch und kein übertriebener Luxus
Im Innenraum bleibt es komod und praktisch. Wenn Sie es also eher straff mögen und Seitenhalt ein wichtiges Kriterium für Sie ist, müssen wir nun der Spielverderber sein: Die Sitze (auf Wunsch ist der Fahrersitz elektrisch verstellbar) sind außerordentlich weich und bieten nur bedingt Halt bei forscher Querdynamik. Die Materialien und die Verarbeitung? Beides ist gut, aber nicht herausragend. Verbesserungspotenzial gibt es beispielsweise beim Plastik. Hier sind zum Teil oft beanspruchte Bauteile (wie die Einfassungen der Türgriffe) aus kratzempfindlichem Kunststoff gefertigt. Auf ausreichend Leder und Aluapplikationen müssen Sie aber trotzdem nicht verzichten, im Fond hat man auch mit über 1,80 Meter Körpergröße ordentlich Platz und der Kofferraum nimmt 456 bis 1.653 Liter Gepäck auf.

Drei Benziner und drei Diesel … einer davon brandneu
Kommen wir zu den Motoren: Zur Auswahl stehen ein 1,5-Liter-Benziner mit 120, 150 und 182 PS oder ein Zweiliter-Diesel mit 150 und 180 PS. Neu im Programm ist ein 1,5-Liter-Selbstzünder mit 120 PS, der das alte Zweiliter-Aggregat mit dieser Leistung ersetzt. Ist der Neue eine Alternative? Ja, aber nur wenn Sie ein wenig verzichten können. Denn gerade, wenn das Tempo höher wird (ab etwa 130 km/h), fehlt dem kleinen Diesel das Durchzugsvermögen. Für lange und flotte Fahrten auf der Autobahn sind also weiterhin die Zweiliter-Versionen zu empfehlen (auch weil sie ruhiger laufen und akustisch etwas weniger präsent sind).

Gewichtsersparnis und der Allrad auf Abruf
Hingegen spart man mit dem kleinen Diesel und ohne den bedarfsgerechten Allrad rund 100 Kilogramm an Gewicht. Und so bewegt sich der 1,6-Tonnen-Kuga merklich agiler, spritziger und wendiger als mit einem Leergewicht von 1,7 Tonnen. Moment, Allrad? Bedarfsgerecht? Ja, das System gibt es für alle Modelle mit über 120 PS und ist bei dem Top-Diesel und dem Top-Benziner sogar serienmäßig. Es kann mittels Torque-Vectoring die Antriebskraft je nach Bedarf an die Vorder- und Hinterachse verteilen.

Gutes und neues Infotainmentsystem … mit Tücken
Was Sie sonst noch wissen sollten? Ford liftet mehr Infotainment und mehr Assistenz in den Kuga. So hat das neue "SYNC 3"-System eine schöne und klare Bedienoberfläche und man findet sich nach kurzer Zeit intuitiv und schnell zurecht (auch per Sprachsteurung). Das neue Acht-Zoll-Display ist in eine Mittelkonsolen-Maske eingelassen, die immer noch Assoziationen zu einem Storm-Trooper-Helm weckt. Geschmackssache. Ärgerlich: Apple CarPlay und die Spiegelung von Inhalten passiert reibungslos, nur leider funktioniert dann das Navigationssystem des Fahrzeugs selbst nicht mehr. Sobald nämlich das Smartphone angeschlossen ist, kann nur noch auf die Karten aus dem iPhone zugegriffen werden. Trennt man das Telefon nun vom System, ist zwar das normale Navi wieder verfügbar, die davor angewählte Route ist aber gelöscht. Beim Spurhalteassistent, dem angenehm regelnden Abstandstempomat, dem Toter-Winkel-Warner oder dem automatischen Parkpilot gibt es hingegen nichts zu meckern.

Bestellung, Preis, Markteinführung … und der Tiguan ist teurer
Nun stellt sich nur noch die alles entscheidende Preisfrage: Los geht's bei 23.300 Euro für das Modell mit Sechsgang-Schaltgetriebe, 120-PS-Benziner und Frontantrieb. Bereits hier sind Features wie elektrische Fensterheber, eine Geschwindigkeitsregelanlage, eine Klimaanlage, ein Lederlenkrad und ein Berganfahr-Assistent serienmäßig. Sie wollen die Hütte lieber voll? Dann nehmen Sie den 180-PS-Diesel mit Allradantrieb und Sechsgang-Automatik in der ST-Line. Kostenpunkt? 38.750 Euro. Zum Vergleich: Ein VW Tiguan bewegt sich zwischen 25.975 und 42.700 Euro. Die Markteinführung des Kuga ist für Anfang 2017 geplant, bestellt werden kann aber ab sofort.
(ml)

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