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Mittelklasse-Alternative zum Diesel? Test: Ford Mondeo Hybrid

Haar, 14. März 2018
105 Jahre nach seinem Tod wird Rudolf Diesel im übertragenen Sinne ein Pflock durchs Herz getrieben. Schlimm sei sein Motor, wettern selbsternannte Ritter des Rechts und verpassen Dieselauto-Besitzern ein Image irgendwo zwischen Handtaschendieb und Tierquäler. So wundert es natürlich nicht, dass alternative Antriebe wieder mehr in den Blickpunkt geraten. Zum Beispiel der Hybridantrieb. Ihn bietet Ford schon seit einiger Zeit im Mondeo an. Ob diese Art der Ford-Bewegung überzeugt, klärt unser Test.

Koffer ohne Raum
Äußerlich ist dem Mondeo Hybrid abgesehen von speziellen Emblemen seine besondere Technik nicht anzusehen. Erst bei näherer Betrachtung erschließt sich die Spezialität des Wagens. Er ist nämlich der einzige Stufenheck-Mondeo auf dem deutschen Markt. Grund: Der Hybrid ist in erster Linie für den US-Markt gedacht. Dort ist Diesel kaum ein Thema, dafür umso mehr Stufenheck-Limousinen. Also hoch den Deckel und in den Kofferraum geblickt. Öha! Hier kommt also die "Stufe" aus Stufenheck her! Ein fetter Absatz teilt den Gepäckraum auf, die große Batterie (ein Li-Ion-Akku mit fünf Kilowattstunden Kapazität) fordert ihren Tribut. Als Folge bleiben von 525 Liter Volumen nur 383 Liter übrig, außerdem schrumpft der Tankinhalt von 62,5 auf 53 Liter. Wahrlich nicht berauschend, ist der Mondeo doch üppige 4,87 Meter lang. Einziger Trost: Die hinteren Sitzlehnen sind umklappbar.

Blatt satt
Immerhin zahlt sich das im Innenraum aus, an Platz mangelt es hier nicht. Im Cockpit fehlt der Drehzahlmesser, stattdessen gibt es links und rechts neben dem Tacho zwei 10,7-Zoll-Displays. Dort erfahre ich unter anderem, wie viel Leistung ich abrufe oder ob ich rein elektrisch fahre. Wahlweise blicke ich zudem auf Blätter, deren vermehrte Anwesenheit eine sparsame Fahrweise belohnt. Kritikwürdig ist aber die teils schlichte Anmutung der Kunststoffe. Amerikaner mögen so etwas goutieren, hierzulande ist speziell in der Klasse des Mondeo mehr Verwöhnaroma nötig.

In der Ruhe liegt die Kraft
Blicken wir nun auf die technischen Eckdaten des Ford Mondeo Hybrid: Ein Vierzylinder-Sauger mit zwei Liter Hubraum übernimmt die Hauptarbeit, die Systemleistung beträgt 187 PS. Ihm zur Seite steht ein stufenloses Getriebe. Kenner wissen, was das bedeutet: Bei gelassenem Dahingleiten bleibt es ruhig, dahinsegeln und bremsen respektive rekuperieren mag der Hybrid. Doch wehe, man tritt auf den Pinsel: Beim Gasgeben knurrt der Motor wie ein Hund auf Frolic-Entzug, das Getriebe bekommt sich aber immerhin nach ein paar Sekunden wieder ein. Sind erst einmal konstant 140 km/h erreicht, bleibt der Wagen leise.

Aktuell über 6.000 Euro günstiger
Doch das ideale Einsatzgebiet, in dem der Mondeo Hybrid seine Stärken ausspielen kann, ist eine große Stadt mit oft zähfließendem Verkehr plus gelegentliche Fahrten ins Umland. Merken Sie was? Das ist Taxi-Modus. Und genau mit dieser Fahrweise erreichten wir 6,6 Liter im Schnitt, im Bestfall flossen 5,8 Liter Super durch die Düsen. Nicht schlecht für ein Auto dieses Formats ohne Diesel. Doch neben dem kleinen Kofferraum bleibt nicht nur für Taxifahrer ein Pferdefuß beim Mondeo Hybrid: der Preis. Zwar ist der Wagen bereits gut ausgestattet, doch 36.550 Euro Listenpreis sind ein Brett. Immerhin, Ford listet derzeit (Stand: März 2018) einen Aktionspreis von 29.990 Euro auf, doch ein Schnäppchen ist der Mondeo Hybrid deswegen noch lange nicht. Auf der Habenseite steht aber die Tatsache, dass es sich um den einzigen puren Hybrid ohne Stecker in seiner Klasse handelt.
(rh)

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