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Simply clever: Neuer Seat Ibiza im Test Polo-Vorschau: Was taugt die neue Kleinwagen-Generation?

Barcelona (Spanien), 8. Mai 2017
Seats Markenclaim lautet schon lange nicht mehr "Auto Emoción", und auch nicht mehr "Enjoyneering" sondern "Technology to Enjoy". Was die Marketingleute damit ausdrücken wollen, ist aber immer noch das Gleiche: Seat will deutsche Technik mit spanischer Emotionalität verknüpfen. Wie gut das klappt, haben wir bei unserem Test des neuen Ibiza herausgefunden.

Viel Platz hinten
Hochinteressant ist die fünfte Generation des Ibiza vor allem deswegen, weil sie der erste Kleinwagen des VW-Konzerns auf Basis des MQB (Modularer Querbaukasten) ist. Damit hat der Neuling Zugriff auf jede Menge Technik, vom Antrieb über die Lichttechnik bis hin zu Infotainment und Assistenzsystemen. Besonders beeindruckt jedoch am Ibiza das Raumangebot. Der Neue ist mit 4,06 Meter nicht länger als der Alte, aber der Radstand wuchs gleich um zehn Zentimeter, so dass man im Fond nun sehr viel mehr Kniefreiheit hat. Wenn ich als 1,75 Meter kleiner Sitzriese den Fahrersitz passend einstelle und mich danach in den Fond setze, bleibt in den meisten Kleinwagen hinten noch etwa ein Zentimeter vor meinen Knien. Im Ibiza sind es dagegen etwa fünf Zentimeter.

Kofferraum: Auf Kompaktklasse-Niveau
Auch der Kofferraum legte merklich zu: von 292 bis 938 Liter vergrößerte er sich auf 355 bis 1.165 Liter. Das sind Dimensionen wie in der Kompaktklasse. So passt in den Ibiza mehr Gepäck als in einen Leon SC (maximal 1.150 Liter). Der gewachsene Gepäckraum lindert auch den Schmerz über den Wegfall des Kombis. Richtig gelesen: Da der Fünftürer bisher mit etwa 80 Prozent den Großteil der Ibiza-Verkäufe ausmachte, verzichtet Seat in Zukunft auf den Dreitürer (Ibiza SC) und den Kombi (Ibiza ST). Ach ja, noch was zum Thema Kofferraum: Den praktischen Einlegeboden (195 Euro), der die Ladeschwelle egalisiert, sollte man unbedingt dazu bestellen, wenn man öfter Getränkekisten transportiert.

LED-Licht und Abstandstempomat
Das Cockpit des Ibiza bekommt mehr Farbe: Die breite Leiste am Armaturenbrett gibt es in verschiedenen Farben und Materialien. Außerdem gibt es nun einen großen, brillanten 8,0-Zoll-Touchscreen (415 Euro) – bisher war bei 6,5 Zoll Schluss. In puncto moderne Technik gibt es serienmäßig ein City-Notbremssystem mit Fußgängererkennung, optional sind eine Smartphone-Anbindung, ein Abstandstempomat sowie LED-Scheinwerfer erhältlich. Dagegen sucht man einen Totwinkel-Assistenten, eine Spurverlassenwarnung oder eine Verkehrszeichenerkennung in der Preisliste vergeblich – da bieten zum Beispiel der neue Nissan Micra oder der kommende Ford Fiesta mehr.

Neue Motorenpalette
Durch den MQB verändert sich auch die Motorenpalette. Auf der Benzinerseite gibt es den Dreizylinder-Sauger mit 65 und 75 PS, den 1.0 TSI mit 95 und 115 PS sowie den neuen 1.5 TSI mit 150 PS. Anders als gerüchteweise verbreitet, gibt es die Kleinwagen des Konzerns auch wieder mit Diesel (1.6 TDI mit 80, 95 oder 115 PS), die stets mit SCR-Abgasreinigung ausgerüstet werden. Als Alternative für alle, die keinen VW-Diesel mehr wollen, wird eine 90 PS starke, bivalente Erdgasvariante angekündigt.

Agiles Fahrgefühl
Der gefahrene 115-PS-TSI bringt den Ibiza gut auf Trab. Die 200 Newtonmeter aus dem Datenblatt fühlen sich eher nach mehr an. Mit seinen 1,1 Tonnen wirkt der Wagen auf kurvigen Bergstrecken agil und macht Spaß. Sein Scherflein bei trägt das Fahrwerk, das keine Schwächen erkennen lässt. Problemlos ist auch die Sechsgang-Schaltung, die man wegen des schmalen Drehzahlfensters des Turbobenziners oft bemühen muss. Für mich gehört auch der raue Motorsound im oberen Drehzahlbereich zu den emotionalen Ibiza-Qualitäten. Viele mögen den "unkultivierten" Dreizylinderklang nicht, aber ich liebe diesen sportlichen Sound.

Bemerkenswert leise
Bei monotoner Autobahnfahrt mit 120 km/h dröhnt es im Innenraum auch bei Wahl des fünften (statt sechsten) Gangs nicht, und generell bleibt es bemerkenswert leise. Nach der Testfahrt meldete der Bordcomputer einen Verbrauch von 5,7 Liter – das sind nur etwa 20 Prozent mehr als der Normverbrauch von 4,7 Liter. Der Schwung der kleineren 95-PS-Version ist in der Praxis kaum von der des 115-PS-Wagens zu unterscheiden. Wer nicht ganz so hohe Ansprüche hat (fünf Gänge statt sechs, etwas schlechtere Fahrleistungen), kann hier immerhin 900 Euro sparen.

Bei knapp 13.000 Euro geht es los
Apropos Preise: Wer sich die Preisliste zu Gemüte führt, ist wahrscheinlich a) enttäuscht, weil bisher nur drei Motorisierungen (die Benziner mit 75, 95 und 115 PS) drinstehen und b) schockiert vom hohem Basispreis. Doch Seat gibt Entwarnung: Ab dem Marktstart am 10. Juni 2017 ist auch die 65-PS-Version verfügbar, und damit sinkt der Grundpreis von erschreckenden 14.240 auf 12.990 Euro. Die Grundausstattung Reference können Sie allerdings gleich wieder vergessen, wenn Sie Klima- und Audioanlage wollen, dann ist "Style" das Minimum. Den gefahrenen 1.0 TSI mit 115 PS gibt es als Style für 18.090 Euro. Das sind 700 Euro mehr als beim 110 PS starken Vorgänger.

Günstigere und teurere Konkurrenten
Günstigere Alternativen sind der Renault Clio TCe 120 (ab 16.490 Euro), der fünftürige Opel Corsa 1.0 DIT mit 115 PS (ab 17.295 Euro) oder der Hyundai i20 1.0 T-GDI mit 120 PS (ab 17.600 Euro). Zu den teureren Konkurrenten gehören der Kia Rio 1.0 T-GDI mit 120 PS (ab 19.290 Euro) und der kommende Ford Fiesta 1.0 Ecoboost mit 125 PS und fünf Türen (ab 20.200 Euro).
(sl)

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