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Gelifteter Toyota Yaris mit neuem 1,5-Liter-Benziner im Test Kleines Auto, großer Motor

Leiden (Niederlande), 6. April 2017
Trends sind Toyota ziemlich schnuppe. Der Hybridantrieb ist in Deutschland unbeliebt? Egal, Toyota bietet den Antrieb seit 20 Jahren hier an. Bei Benzinern geht der Trend (in Europa) zum Downsizing-Turboaggregat? Egal, Toyota führt einen neuen 1,5-Liter-Saugmotor ein. Für Europäer ist so viel asiatisches Beharrungsvermögen manchmal schwer verständlich. Doch man muss ja nicht jedem Trend hinterherrennen, und wenn jede Automarke das Gleiche machen würde, wäre das Ergebnis ja auch langweilig. Was also taugt der neue 1,5-Liter-Benziner? Wir haben es im gelifteten Yaris ausprobiert.

Dezente Designmodifikationen
Bevor wir starten dürfen, erklärt uns Toyota die Änderungen des am 24. April 2017 startenden Facelift-Modells. Die (einst vom Aygo übernommene) X-Optik der Front wird nun abgeschwächt, dafür bekommt das Heck eine ähnliche Optik wie die Vorderseite. Außerdem gibt es nun mehr Individualisierungsmöglichkeiten wie schwarz folierte Dachholme oder farblich abweichende Leisten und Außenspiegel sowie zum Lack passende farbige Innenräume. Insgesamt halten sich die Änderungen aber im Rahmen.

Diesel weg und 1.5 statt 1.33
Die Motorenpalette dagegen ändert sich deutlich. Bekannt sind zwar der 1,0-Liter-Dreizylinder mit 69 PS und der Hybridantrieb mit 100 PS Systemleistung. Doch erstens entfällt der Diesel – für uns keine große Überraschung, denn schon seit Längerem hat Toyota immer wieder erklärt, dass der Selbstzünder in kleineren Modellen keine Zukunft hat. Zweitens wird der 1,33-Liter-Benziner durch einen neuen 1,5-Liter-Saugbenziner mit 111 PS beerbt. Da waren wir verblüfft, denn wir hatten mit dem 116 PS starken 1.2 Turbo gerechnet, der uns im Auris gut gefiel. Warum also nicht der Turbo? Laut Toyota reagiert erstens der Sauger (wegen des fehlenden Turbolochs) schneller auf den Gasfuß, und zweitens wäre der Realverbrauch geringer – "Turbo läuft, Turbo säuft", sagt der Volksmund.

Neuer Yaris 1.5: Okay, aber kein Hui-Gefühl
Nun ja, the proof of the pudding is in the eating, also setze ich mich ins Auto und probiere den Motor aus. Der Wagen beschleunigt nicht schlecht, aber ein Hui-Gefühl stellt sich nicht ein. Von einem 111-PS-Kleinwagen hätte ich mehr erwartet. Aber das Drehmoment ist mit 136 Newtonmeter eben nicht sehr berühmt, und es liegt auch erst bei 4.400 Touren an. Den oberen Tourenbereich aber steuert man nur an wenn wirklich nötig, da der Wagen ab 3.000 U/min immer lauter zu stöhnen beginnt. Auch beim Anfahren ist der Yaris 1.5 problematisch: Man würgt den Motor leicht mal ab und lässt ihn dann instinktiv beim nächsten Mal durch zu viel Gas aufheulen. An meinem unsensiblen Gasfuß liegt es wohl nicht, denn zwei Kollegen berichteten über ähnliche Probleme.

Kein Start-Stopp
Wenn man den Motor bei VW-Fahrzeugen abwürgt, kriegt man es meist kaum mit, weil dieser automatisch und (dank starkem Anlasser des Start-Stopp-Systems) sehr schnell wieder startet. Beim Yaris dagegen dauert der Neustart. Ein Start-Stopp-System gibt es hier weder serienmäßig noch optional. Laut Produktmanager Marvin Inden-Lohmar hat das System im alten Yaris wenig Spritersparnis gebracht. Beim neuen Yaris 1.5 liegt der Normverbauch bei 4,8 Liter je 100 Kilometer. Besser liegen da die modischen Einliter-Turbos der Konkurrenz, sie brauchen in Kleinwagen meist 4,2 bis 4,3 Liter. Wie es in der Realität aussieht, ist natürlich eine andere Frage. Unser Bordcomputer meldete beim Yaris 1.5 mit 5,9 Liter nur einen moderaten Aufschlag.

Künftig ein Filter nötig?
Etwas Interessantes zum Thema Emissionen verriet uns Yaris-Chefingenieur Yasunori Suezawa: Der Motor ist zwar kein Direkteinspritzer, sollte also bei den Feinstaubemissionen eher unproblematisch sein. Doch könnte laut Suezawa San ab 2018 (wenn die Rußgrenzwerte für Benziner verschärft werden) ein Partikelfilter nötig werden – und zwar nicht wegen des Schadstoffausstoßes im normalen Betrieb, sondern wegen der erhöhten Emissionen beim Kaltstart.

Lobenswerter Kofferraum
Gefallen haben mir an dem neuen Yaris die leuchtende blaue Außenfarbe, die gute Rundumsicht (das Heckfenster ist außergewöhnlich groß) und der dank Einlegeboden ebene Laderaum. Auch das Kofferraumvolumen (286 bis 1.116 Liter, den Maximalwert verriet Suezawa San auf Nachfrage) ist lobenswert, der zehn Zentimeter längere VW Polo bietet nur 280 bis 952 Liter. Im Yaris-Fond haben auch Erwachsene Platz, beim Ein- und Aussteigen sollte man aber wegen des engen Türausschnitts darauf achten, sich nicht den Kopf zu stoßen. Fahrwerk und Lenkung fielen zumindest auf den gefahrenen Strecken (etwas Autobahn, viele Tempo-60-Straßen ohne scharfe Kurven und mit gutem Belag) nicht negativ auf, auch die serienmäßige Sechsgangschaltung ist problemlos.

Als Comfort ab 16.790 Euro
Löblich ist, dass das Sicherheitspaket "Toyota Safety Shield" mit Antikollisionssystem nun bei allen Yaris-Versionen Serie ist – beim Nissan Micra erhält man sowas erst für die höheren Ausstattungsvarianten. Dafür gibt es bei Nissan auch einen Totwinkelwarner. Den (stets fünftürigen) Yaris 1.5 gibt es ab 14.240 Euro. Den Grundpreis sollten Sie aber schnell wieder vergessen, denn hier fehlen unter anderem Audiosystem und Klimaanlage. Für den Yaris Comfort (mit Sieben-Zoll-Touchscreen, Rückfahrkamera und Verkehrszeichenerkennung) müssen Sie aber schon 16.790 Euro hinlegen, also über 2.000 Euro mehr. Als Alternative könnten Sie sich den Kia Rio 1.0 T-GDI mit 100 PS ansehen. Für 16.890 Euro bekommt man hier einen Turbomotor mit fast 40 Newtonmeter mehr Drehmoment, ein Start-Stopp-System und mehr Ausstattung.

Alternative Hybrid?
Auch der Yaris Hybrid (als Comfort für 19.340 Euro) ist bedenkenswert, da man hier noch die von Toyota gewährte "Hybridprämie" in Höhe von 3.000 Euro abziehen darf. Man zahlt also 16.340 Euro und kommt billiger weg als beim entsprechenden Yaris 1.5 – obwohl beim Hybrid (neben Automatik und Start-Stopp-System) schon eine Klimaautomatik sowie beheizbare Außenspiegel an Bord sind. Hinzu kommt der niedrigere Verbrauch. So wird verständlich, dass der Hybrid künftig 70 Prozent der Verkäufe ausmachen soll. Doch bevor Sie sich für den Hybrid entscheiden, sollten Sie mit einer Probefahrt klären, ob Sie mit der Getriebecharakteristik klar kommen – besonders beim Beschleunigen auf Landstraßen- oder Autobahntempo ist der "Gummibandeffekt" schon etwas gewöhnungsbedürftig.
(sl)

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