zaehlpixel

Honda Jazz mit neuem Benziner im Test Ist der Kleinwagen jetzt ausreichend motorisiert?

Rom, 30. Januar 2018
Meinen letzten Fahrbericht zu Hondas Kleinwagen überschrieb ich mit: Jazz ohne Pep. Grund war der standardmäßig eingebaute und ziemlich müde 1,3-Liter-Saugbenziner. Nun stellen ihm die Japaner einen neuen 1,5-Liter-Benziner zur Seite. Wir haben den Wagen getestet, um herauszufinden, ob er dem Wagen neuen Schwung verleiht.

Nicht mehr untermotorisiert
Mit dem bisher ausschließlich angebotenen 1,3-Liter-Saugbenziner (102 PS, 123 Newtonmeter Drehmoment) war der Jazz wie gesagt deutlich untermotorisiert. Neben ihn tritt nun ein 1,5-Liter-Sauger mit 130 PS und 155 Newtonmeter, der aus dem Honda HR-V bekannt ist. Mit dem Direkteinspritzer ist der Kleinwagen jetzt angemessen motorisiert. Den Schwung von unten heraus, den ein Turbobenziner bietet, kann er aber natürlich nicht bieten. 155 Newtonmeter sind nicht besonders viel.

Wieder kein Turbo
Warum also hat Honda nicht den 1,0-Liter-Turbo aus dem Civic (129 PS und 200 Newtonmeter) genommen und in den kleinen Bruder eingepflanzt? Weil es den Jazz 1.5 in den USA schon gab, so Honda-Techniksprecher Ko Yamamoto. Eine Anpassung des 1.0 VTec Turbo für die wenigen europäischen Kunden hätte sich nicht rentiert. So müssen wir eben mit dem Sauger vorlieb nehmen – und einer Höchstgeschwindigkeit, die irritierenderweise nicht größer ist als beim 1,3-Liter-Motor. Andererseits: 190 km/h reichen für einen Kleinwagen ja auch aus, oder?

Hartes Fahrwerk, knackige Schaltung
Vielleicht will man ja auch gar nicht schneller fahren. Denn das Fahrwerk wirkt auf den schlechten Straßen rund um Rom ziemlich unkomfortabel. Gerade auch im Vergleich zum kurz danach gefahrenen Civic stuckert der Jazz schon stark. Auch akustisch ist der Kleine etwas unangenehm. Der Saugmotor will gedreht werden, aber im oberen Drehzahlbereich wird es schnell sehr laut. Die serienmäßige Sechsgang-Schaltung ist jedoch schön knackig und wabbelt im Leerlauf nicht im Takt der Kolben mit oder zuckt beim plötzlichen Gasgeben, wie es bei so manch anderem Kleinwagen der Fall ist. Wer trotzdem nicht schalten will, kann sich für das CVT-Getriebe entscheiden, das allerdings mit 1.300 Euro zu Buche schlägt.

Viel Hartplastik innen
Den neuen 1,5-Liter-Motor gibt es ausschließlich in Kombination mit der ebenfalls neuen Sportausstattung Dynamic, zu der unter anderem rote Akzente außen gehören. Auch ein großes 7,0-Zoll-Display ist hier Serie. Doch das Cockpit im Ganzen ist etwas unruhig gestaltet. Und Hartplastik dominiert in einem Maße, wie es inzwischen auch bei Kleinwagen nicht mehr oft der Fall ist. Aufgefallen ist mir auch, dass die Sitzrasten nicht sehr weit nach hinten reichen. Zum Fahren reicht es mir als mittelgroßem Menschen, aber als Beifahrer hätte ich den Sitz zum Relaxen gern etwas weiter nach hinten geschoben.

Innen fast wie ein Van
Bei allem Negativen, was man dem Jazz nachsagen kann, hat er doch einen dicken Pluspunkt, den man nicht vergessen darf. Es ist die Innenraumausnutzung. Dazu gehören vor allem die oft gelobten und immer wieder faszinierend nützlichen Magic Seats im Fond. Sie lassen sich wie Kinostühle hochklappen, was viele Transportmöglichkeiten eröffnet, die man bei keinem anderen Kleinwagen hat. So lassen sich sogar Fahrräder mit ausgebautem Vorderrad oder hohe Topfpflanzen im Fond verstauen. Ein weiteres Schmankerl ist die umklappbare Beifahrersitzlehne. Der Kofferraum überzeugt ebenfalls: Erstens ist er sehr groß (345 bis 1.314 Liter) und zweitens ideal nutzbar (niedrige Ladekante, fast ebener Ladeboden nach dem Umklappen). Und wenn mehr der Personentransport im Vordergrund steht, macht sich die enorme Beinfreiheit hinten positiv bemerkbar. Kurzum: Der Van-Innenraum ist der beste (und sogar ein guter) Kaufgrund für den Honda Jazz.

Fast 20.000 Euro
Den Honda Jazz 1.5 Dynamic gibt es für 19.990 Euro. Das ist ziemlich heftig, denn einen VW Polo 1.0 TSI mit 115 PS (und einem weit überlegenen Drehmoment von 200 Newtonmeter) gibt es in der Topversion Highline für 19.225 Euro. Die Serienausstattung des Dynamic ist allerdings wirklich umfangreich. Dazu gehören elektrische Fensterheber vorn und hinten, elektrisch einstell-, beheiz- und anklappbare Außenspiegel, eine Zentralverriegelung, 16-Zoll-Alufelgen, Nebelscheinwerfer, ein City-Notbremsassistent (ohne Fußgängererkennung), ein Spurverlassenswarner und eine Verkehrszeichenerkennung, Parkpiepser vorn und hinten, ein Fernlichtassistent, ein Tempomat, Licht- und Regensensor, eine Klimaanlage, eine Sitzheizung vorne, das 7,0-Zoll-Display und sogar LED-Scheinwerfer.
(sl)

Zur Bildergalerie (21 Bilder)

Gut informiert mit AutoNEWS: Hier geht es mit einem Klick zum kostenlosen Newsletter