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Der neue Audi S5 als Cabrio im Test Spießer oder Sportler?

Jerez (Spanien), 23. Februar 2017
Der Audi S5 ist als Coupé und Sportback nun schon seit Juni beziehungsweise September 2016 auf dem Markt. Kunden, die sich für ein Cabrio interessierten, mussten etwas länger warten. Jetzt ist es aber so weit und das letzte ausstehende S5-Derivat rollt in die Verkaufsräume. Aus gegebenem Anlass nehmen wir den Frischluft-V6 genau unter die Lupe und klären, ob er emotionaler ist als seine etwas spießigen geschlossenen Brüder.

Auf den ersten Blick: Nicht viel Neues
Optisch hat sich bei der offenen Version des S5 analog zu den beiden genannten geschlossenen Varianten wenig getan. Die Heckscheibe des Verdecks steht etwas flacher und die Stoffmütze selbst kommt ab sofort mit einer Komfortfunktion. Diese öffnet und schließt das Dach mit nur einem kurzen Knopfdruck bei Geschwindigkeiten von sechs bis 50 km/h. Außerdem sind Verdeck und Fenster des neuen S5 besser gegen Lärm und Temperaturunterschiede abgeschirmt als beim Vorgänger. Ansonsten orientiert sich das Cabrio optisch an seinen geschlossenen Brüdern. Dazu zählen auch die typischen Scheinwerfer und Rückleuchten in LED-Technik, die beim S5 Cabrio serienmäßig an Bord sind. Die scharfen Linien der B9-Generation des A5 stehen dem Mittelklasse-Cabrio sehr gut und vor allem in knalligem Rot wirkt der S5 mit seinem großen Singleframe-Grill, dem Powerdome auf der Motorhaube und den vier auffälligen Auspuffrohren sehr sportlich.

Leichter und steifer
Größere Veränderungen fanden unter dem Blechkleid statt: Im Vergleich zum Vorgänger ist das Cabrio rund 40 Prozent steifer und bis zu 40 Kilogramm leichter. Den Wegfall eines festen Dachs kompensieren die Ingolstädter mit zusätzlichen Verstrebungen innerhalb der Karosserie. Dass der offene S5 steifer ist als bisher, merkt man besonders bei Kurvenfahrten deutlich: keine Spur von Verwindung innerhalb der Karosserie und ein sehr direktes, präzises Fahrverhalten. Das neue Fahrwerk mit adaptiver Dämpferregelung – ebenfalls bekannt aus Coupé und Sportback – rundet die Neuerungen auf der technischen Seite ab und liefert für jede Fahrsituation den richtigen Federungs-Komfort.

Mehr Platz im Innenraum
Der Innenraum bietet im Vergleich zum Vorgängermodell etwas mehr Platz für die Insassen, was unter anderem den kompakter gebauten Sitzen zu verdanken ist. Die Beinfreiheit im Fond wächst um 18 Millimeter. Das Cockpit kommt mit den gleichen Annehmlichkeiten, die A4- und A5-Fahrer bereits aus den anderen Karosserie-Varianten kennen. Dazu zählen neben dem hervorragenden 12,3 Zoll großen "Virtual Cockpit" und dem MMI-Navigationssystem auch die diversen Fahrassistenten, die den Fahrer im S5 beispielsweise mit einem Staupiloten bis 65 km/h entlasten. Speziell für das Cabrio wurden Gurtbandmikrofone auf Fahrer- und Beifahrerseite zur besseren Qualität bei Telefonaten und der Sprachsteuerung integriert. Der Kofferraum bietet mit 320 Liter bei geschlossenem und 380 Liter bei offenem Dach genügend Stauraum für einen schönen Wochenendtrip zu zweit.

Schöner Innenraum
Steigt man in das S5 Cabrio ein, fallen auf den ersten Blick besonders die gute Ergonomie und die durchdachte Materialauswahl auf. Glänzendes Carbon und weiches Alcantara zieren das Armaturenbrett, die Mittelkonsole sowie die Türverkleidungen. Das unten abgeflachte Sportlenkrad liegt gut in der Hand und lässt sich sowohl in der Höhe als auch in der Tiefe ausreichend verstellen. Die Sportsitze sind sehr bequem und bieten ausreichend Seitenhalt, könnten jedoch etwas tiefer montiert sein. Besonders angenehm ist die Nacken-Heizung, die warme Luft aus der Kopfstütze des Cabrios bläst. Einzig deren recht lautes Rauschen im Stand nervt ein wenig.

Sehr guter Motor
Weckt man den Dreiliter-Biturbo-V6 per Knopfdruck in der Mittelkonsole aus dem Tiefschlaf, erwacht das 354 PS starke Aggregat – 21 PS mehr als noch beim Vorgänger – mit einem sonoren Grollen. Die acht Fahrstufen sortiert ein Automatikgetriebe, das sich auf Wunsch auch mit den etwas billig wirkenden Plastik-Wippen hinter dem Lenkrad schalten lässt. Das Getriebe ist über jeden Zweifel erhaben und wechselt die Gänge souverän, sanft und schnell. Im Dynamic-Modus untermalt die vierflutige Abgasanlage die Schaltvorgänge mit einem dezenten Knallen. Die 500 Newtonmeter des Biturbo-Motors schieben das 1.840 Kilogramm schwere Cabrio dank quattro-Allradantrieb mit radselektiver Momentverteilung in 5,1 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100. Das sind zwar 0,4 Sekunden mehr als beispielsweise beim S5 Sportback, fühlt sich aber trotzdem nach Sportwagen an. Schluss ist bei elektronisch begrenzten 250 km/h.

Emotional? Schon, aber ...
Auf den geschwungenen Landstraßen Andalusiens beweist das S5 Cabrio, dass Offenfahren aus einem etwas spießigen Mittelklasse-Audi – selbst als S5 ist die geschlossene Version nämlich kein besonders starker Emotions-Auslöser – durchaus eine emotionale Angelegenheit machen kann. Man fühlt sich seiner Umgebung stärker verbunden, spürt den Fahrtwind und freut sich über den V6-Sound, der ohne Dach deutlich ungefilterter im Cockpit ankommt. Zwar ist das Fahrverhalten in allen Modi – Eco, Comfort, Dynamic und Individual – weiterhin etwas steril und beinahe zu ausgeglichen, das kann das offenes Verdeck aber größtenteils durch andere Reize wettmachen. Das S5 Cabrio ist ein sportlicher Cruiser mit vernünftiger Ausstattung – eine Kombination, die viele Kunden erfreuen wird, uns allerdings weiterhin etwas zu spießig ist. Trotzdem: Wer ein Cabrio mit über 350 PS, vielen Assistenten und einer langen Ausstattungsliste sucht, ist beim S5 Cabrio goldrichtig. Auch, wenn man für den Preis von 67.800 Euro schon einen deutlich sportlicheren Porsche Boxster S bekommt.
(mf)

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