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Modellgepflegter Jeep Renegade im Test Viele alte Stärken und ein paar neue Details

Balocco (Italien), 2. Februar 2018
Der Jeep Renegade ist seit 2014 auf dem Markt. Nach den ewigen und in Stein gemeißelten Regeln der Autoindustrie heißt das, dass nun das Facelift fällig ist. Doch die jetzt erfolgten Modifikationen rechtfertigen diesen Namen nicht, am Äußeren ändert sich nämlich fast nichts. Es handelt sich um eine "Produktaufwertung" oder "Modellpflege", wie man das in der Branche so nennt. Wir haben uns informiert und die neue Modellversion getestet.

Zwischen SUV und Geländewagen
Der Renegade ist aus zweierlei Gründen bemerkenswert. Erstens ist da das Design. Das Auto hat mit 4,26 Meter etwa die Länge eines VW T-Roc, ist aber deutlich grobschlächtiger oder besser gesagt selbstbewusster ("fetter") gezeichnet: Es kommt sehr eckig und kantig daher, hat fast rechteckige Radausschnitte. Ähnliches gilt für innen, wo statt feiner Linien und technoidem Ambiente der Gesamteindruck mehr der von Robustheit und Stabilität ist. Dazu kommen noch gute Geländeeigenschaften, so liegt die Bodenfreiheit je nach Motorisierung bei bis zu 21 Zentimeter. Der Renegade ist ein Mittelding zwischen SUV und Geländewagen, also ein Crossover der besonderen Art. Die zweite bemerkenswerte Tatsache ist die Vielfalt der Versionen. Es gibt nicht weniger als sieben Motorisierungen, vier verschiedene Getriebe, drei Antriebsarten (Frontantrieb und zwei verschiedene Allradsysteme), vier Ausstattungen und eine Vielzahl verschiedener Farben. Der Grund für die Vielfalt ist, dass der Renegade ein Weltauto ist, und da die Vorlieben in den USA (dem Hauptmarkt für das Auto), China (Nummer 2) und Europa (wo Italien der größte Markt ist, gefolgt von Deutschland) unterschiedlich sind, ist eine große Bandbreite nötig.

Änderungen bei Konnektivität und Funktionalität
Die Änderungen am Renegade betreffen fast ausschließlich den Innenraum und zwar vor allem die "Konnektivität" und die Funktionalität. So wird die vierte Generation des Infotainmentsystems Uconnect eingeführt. Sie bringt größere Displays (5,0, 7,0 und 8,4 Zoll statt 5,0 und 6,5 Zoll), die Unterstützung von Handgesten (zum Beispiel kann man bei den beiden größeren Displays mit Daumen und Zeigefinger hinein- und herauszoomen), Sprachsteuerung, verschiebbare Symbole, einen stärkeren Prozessor (wodurch das System schneller hochfährt) und Smartphone-Anbindung über Apple Carplay und Android Auto. Neu ist auch, dass sich auch die Klimaeinstellungen per Touchscreen vornehmen lassen. Das Topsystem unterstützt darüber hinaus Uconnect Live, womit sich Apps wie Tune in (Internetradio), Deezer (Musikstreaming), Reuters News (Nachrichten) sowie Twitter und Facebook nutzen lassen. Das 8,4-Zoll-System bietet zudem "Jeep Skills", womit sich auf dem Display geländespezifische Daten anzeigen lassen: Traktion, Seiten- und Längsneigung, Verteilung der Antriebskraft und Einschlagwinkel der Räder. Braucht man das? Eigentlich nicht, da die meisten Renegade nur durch den Großstadtdschungel düsen, aber es ist ein nettes Spielzeug.

Petitessen im Interieur – und eine außen
Zu den funktionalen Verbesserungen zählen mehr Ablagen. So muss man sein Smartphone nun nicht mehr in den Becherhalter stecken, sondern es gibt eine extra Fläche dafür. Und die Fondpassagiere können den zweiten USB-Anschluss nun besser nutzen, weil er sich nicht mehr im Innenfach der Armablage zwischen den Sitzen befindet, sondern hinten an diesem Kasten. Und um die Heckklappe zu öffnen, muss man künftig nicht mehr unter der Kante der Heckklappe nach dem Knopf tasten, sondern es gibt einen gut sichtbaren, dicken Griff. Kleinigkeiten? Sicher, aber auch die zählen im Alltag.

Auf Adblue-System vorbereitet
Unterm Blech ändert Jeep erstmal – gar nichts. Die Motoren, die Getriebe und die Antriebe sind die gleichen wie bisher. Das heißt, die Diesel erfüllen mit ihrem NOx-Speicherkat derzeit nur die Norm Euro 6b. Doch wenn man unter die Tankklappe lugt, findet man einen mit Gummi verschlossenen zweiten Stutzen zum Einfüllen von Adblue. Sowas haben wir schon mal bei der ersten Vorstellung des BMW 2er Active Tourer gesehen, und seit Kurzem ist dort nun ein Adblue-System Serie. Jeep hat beim Renegade also ähnliches vor. Die Adblue-Abgasreinigung dürfte eingebaut werden, wenn der Produktaufwertung ein Facelift mit Motorenupdate folgt. Das dürfte spätestens im September 2019 passieren, denn dann ist die Abgasnorm Euro 6d-TEMP Pflicht für jedes Auto.

Ordentlicher Diesel, schlechte Sitze, gutes Raumgefühl
Wir fuhren die 120 PS starke 1,6-Liter-Dieselversion mit Frontantrieb und Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe. Diese Kombination geht in Ordnung, man fühlt sich gut motorisiert und angemessen beschleunigt – eigentlich ja auch kein Wunder bei einem bulligen Drehmoment von 320 Newtonmeter, die ab 1.750 Touren anliegen. Das Fahrwerk ist etwas unkomfortabel, und durch den hohen Aufbau wankt das Auto dennoch in der Kurve. Nein, als Kurvenräuber taugt der Renegade wirklich nicht. Dazu passt, dass die Sitze keinen erkennbaren Seitenhalt bieten. Positiv fällt das gute Raumgefühl auf, das durch die senkrechten Seitenwände und überhaupt durch die vielen rechten Winkel am und im Renegade zustande kommt. Auch das Einsteigen fällt sehr leicht. Im Fond ist mehr als genug Platz. Legt man die Rücksitze um, ergibt sich auch ein praktisch ebener Ladeboden. Der Kofferraum (351 bis 1.297 Liter) ist im Konkurrenzvergleich aber eher klein. Der Mini Countryman zum Beispiel schluckt 450 bis 1.390 Liter, der VW T-Roc 445 bis 1.290 Liter. Ein positives Detail sei nicht vergessen: Die Komfortblinkfunktion löst beim Antippen des Hebels nicht nur die üblichen drei, sondern fünf Blinkvorgänge aus – so wird man beim Spurwechsel nicht so leicht übersehen.

Mit US-Army-Stern auf der Tür
Den Renegade gibt es in zehn verschiedenen Farben, von Kanariengelb bis zu mattem Olivgrün. Außerdem kann man ein schwarzes Dach bestellen. Pressesprecher Markus Hauf empfiehlt auch die optional verfügbaren (mattschwarzen oder mattweißen) Sterne im Stil der US Army zum Aufkleben für Motorhaube und Seitentüren – sowas lieben die "Jeeper". Das Design ist für uns das Beste am Renegade. Dazu gehören nette Easter Eggs wie ein kleines Willys-Jeep-Bild am Rand der Frontscheibe und liebevolle Reminiszenzen an die Markenhistorie wie das zum Beispiel an den Rückleuchten auftauchende X – eine Anspielung auf die Reservekanister, wie sie einst am Heck des Willys Jeeps hingen. Sie hatten eine X-Prägung, um die Stabilität zu erhöhen, wie mir Markus Hauf erklärt. Beim nächsten Facelift verschwinden sollten aber meiner Ansicht nach die knallorangefarbenen Deckgläser an den Blinkern ganz vorne neben den runden Scheinwerfern.

Ab 26.000 Euro – mit guter Ausstattung
Zur Produktaufwertung beim Renegade gehören auch leicht veränderte Preise, wobei die meisten Versionen teurer, aber manche auch günstiger wurden. Los geht es beim Renegade jetzt ab 20.000 Euro (110-PS-Benziner), die gefahrene Motorisierung mit 120 PS gibt es ab 24.500 Euro, das Doppelkupplungsgetriebe kostet 1.500 Euro Aufpreis. Dafür erhält man die schon recht üppige Ausstattung Longitude mit 16-Zoll-Alurädern, Parkpiepser hinten, Nebelscheinwerfern, Tempomat, Lenkrad- und Sitzheizung, Klimaanlage, Audiosystem mit DAB-Digitalradio und 5,0-Zoll-Display. Die Konkurrenz hat meist ein Schaltgetriebe und ist günstiger, aber auch etwas schlechter ausgestattet. Den weitgehend baugleichen Fiat 500X gibt es in dieser Motorisierung schon ab 21.690 Euro und auch den Opel Crossland X mit 120-PS-Diesel bekommt man schon für 23.020 Euro.
(sl)

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