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Der neue Kia Carens im Test Angriff auf Touran, Zafira und Co.

Monaco, 27. März 2013
Kia hat in den vergangenen vier Jahren Zug um Zug seine Modellpalette aufgemöbelt. Aus der biederen Billigmarke ist ein ernsthafter Mitbewerber für VW, Opel, Ford und Toyota geworden. Das drückt sich auch in nackten Zahlen aus. Während die genannten Hersteller in Europa 2012 teilweise deutliche Absatzeinbußen hinnehmen mussten, hat Kia gegenüber dem Vorjahr um über 14 Prozent zugelegt. Als wichtige Bausteine der Wachstumsstrategie gelten das frische Design und die überzeugende Qualität. Mit dem Carens geht jetzt das letzte noch ausstehende Modell der Marke rund erneuert an den Start. Und der Kompaktvan hat durchaus das Zeug, den etablierten VW Touran, Opel Zafira und Co. Marktanteile wegzunehmen.

Einfaches Sitzkonzept
Außer dem Namen hat der neue mit dem alten Carens nur noch wenig gemein. Geblieben ist das Konzept – ein kompakter Familienvan mit wahlweise fünf oder sieben Sitzen für vergleichsweise günstiges Geld. Um tatsächlich kompakt zu bleiben, ist der jetzt 4,53 Meter lange Carens im Vergleich zum Vorgänger außen sogar geschrumpft: 20 Millimeter kürzer, 15 Millimeter schmaler und sogar 40 Millimeter flacher ist er geworden. Dafür aber bedeutend schicker. Weiche Linien, einige sportliche Attribute und dazu die eine oder andere markante Kante lassen den Koreaner gefällig, aber nicht zu verspielt auftreten. Als Kia-typische Elemente finden sich der Kühlergrill in Form eines Hundeknochens, weit in die Karosserie gezogene Scheinwerfer und der Knick nach oben hinten in der Fensterlinie. Die große, sehr flach stehende Windschutzscheibe gewährt zwar freien Blick geradeaus, die zweigeteilten Holme der A-Säule und große Außenspiegel behindern jedoch das Sichtfeld nach schräg vorne, was sich beim Abbiegen oder in Kurven bemerkbar macht.

Außen kleiner, innen größer
Trotz geringerer Außenmaße ist der Innenraum größer geworden. Dazu tragen der um fünf Zentimeter auf 2,75 Meter gestreckte Radstand und die nach vorn erweiterte Kabine bei. Das Platzangebot kann sich vorne wie in der zweiten Reihe sehen lassen. Im Fond stehen drei Einzelsitze zur Verfügung, die sich jeweils individuell verschieben und umklappen lassen. Selbst auf dem Mittelsitz ist genügend Platz für die Beine, was auch am fehlenden Mitteltunnel liegt. Für 750 Euro extra wird der Carens mit einer dritten Sitzreihe geliefert. Die beiden im Boden versenkbaren Sessel lassen sich mit einem Handgriff über eine Schlaufe ausklappen und verschwinden ebenso einfach wieder. Wie bei Vans dieser Klasse üblich, sind die Plätze ganz hinten jedoch nur für kurze Strecken oder für Kinder geeignet. Der gut zugängliche Kofferraum des fünfsitzigen Carens fasst 536 bis 1.694 Liter Gepäck, beim Siebensitzer sind es jeweils 44 Liter weniger. Werden die Sitze der dritten Reihe genutzt, bleiben 103 Liter Stauraum übrig. Zum Vergleich: Im VW Touran sind es zwischen 129 und maximal 1.989 Liter.

Immer dabei: Umklappbare Beifahrerlehne
Freude bereiten im Carens ein paar clevere Detaillösungen: Seien es die im Fußraum der zweiten Sitzreihe verstecken Staufächer, die serienmäßig umlegbare Beifahrersitzlehne, die den Transport bis zu 2,15 Meter langer Gegenstände erlaubt, oder die in die Gepäckraumwand integrierte und herausnehmbare LED-Taschenlampe. Das Cockpit ist funktional und übersichtlich gestaltet, kann aber nicht ganz mit dem schicken Exterieur mithalten. Verarbeitung und Materialqualität sind stimmig, die Bedienung wirft keine Fragen auf. Nur beim Multifunktionslenkrad haben es die Designer etwas übertrieben: 15 Schalter und Knöpfe auf dem Volant sind dann doch etwas zu viel des Guten.

Ein Diesel und zwei Benziner
Und wie fährt sich der neue Carens? Wir haben uns für den 1.7 CRDi entschieden. Der einzige Diesel im Programm dürfte hierzulande die gefragteste Motorisierung werden. Der Vierzylinder mit Common-Rail-Direkteinspritzung ist akustisch zwar durchaus präsent, sorgt im Gegenzug aber für tadellosen Durchzug. Nach einer kurzen Anfahrschwäche liegt das maximale Drehmoment von ordentlichen 331 Newtonmeter zwischen 1.750 und 2.500 Umdrehungen an. Danach beschleunigt der Turbodiesel den rund 1,6 Tonnen schweren Carens gelassen und gleichmäßig bis auf Autobahntempo. Für den Spurt von null auf 100 km/h vergehen 10,4 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit ist bei 191 km/h erreicht. Das ist nicht sportlich, geht für eine Familienkutsche aber in Ordnung. Geschaltet wird über ein manuelles Getriebe mit sechs gut sortierten Gängen, aber recht langen Schaltwegen. So angetrieben, genehmigt sich das Auto laut Hersteller 5,1 Liter Diesel auf 100 Kilometer. Mit dem optionalen Start-Stopp-System sind es 0,3 Liter weniger. Für 1.250 Euro steht alternativ eine Sechsstufen-Automatik zur Verfügung. Darüber hinaus gibt es für den Carens einen 1,6-Liter-Benziner mit 135 PS und einen 2,0-Liter-Benziner mit 166 PS.

Indirekte Lenkung
Nicht ganz überzeugen kann die Lenkung. Sie agiert um die Mittellage sehr indifferent und insgesamt zu indirekt. Da hilft auch die serienmäßige Verstellmöglichkeit des Lenkdrehmoments mit den drei Modi Normal, Komfort und Sport nur wenig. Das Fahrwerk des Carens ist sehr auf Komfort getrimmt. Die relativ weiche Federung bügelt Bodenwellen tadellos aus, reagiert auf kurze Stöße aber etwas gereizt.

5.000 Euro günstiger als der Touran
Marktstart für den neuen Carens ist am 4. Mai 2013. Die Preise beginnen bei 19.990 Euro für den 1.6 GDI, der 1.7 CRDi ist ab 23.990 Euro zu haben. Damit ist der Korea-Van immerhin gut 5.000 Euro günstiger als ein entsprechend motorisierter VW Touran. Wie von Kia gewohnt, sind die meisten Extras an eine der vier Ausstattungslinien oder fünf Optionspakete gekoppelt. Dafür sind einige in dieser Klasse nicht gängige Annehmlichkeiten im Angebot. Dazu zählen die Sitzheizung für die zweite Sitzreihe, das beheizbare Lenkrad oder der Fahrersitz mit elektrisch verlängerbarer Beinauflage. Als elektronische Helferlein stehen unter anderem ein Spurhalte- und ein Einparkassistent zur Verfügung. Ein weiteres großes Plus ist die Sieben-Jahres-Garantie (oder 150.000 Kilometer), die Kia für den Carens gewährt. Wer ein Fahrzeug mit Navigationssystem kauft, enthält künftig in diesem Zeitraum zudem kostenlose Karten-Updates.
(mn)

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