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Der Kia Optima Sportswagon Plug-in-Hybrid im Test Stecker statt Stinker?

Frankfurt/Main, 18. August 2017
Im Leben kommt es oft auf das richtige Timing an. Planbar ist so etwas nicht unbedingt. Nehmen wir zum Beispiel Kia: Dort gab es die Idee, im September 2017 sowohl den Optima Sportswagon als auch den Niro mit Plug-in-Hybrid auf den Markt zu bringen. Nicht ahnend, das genau jetzt die Diesel-Sau durch die Umweltzone getrieben wird, während die Autofirmen als Metzger ihrer selbst mit Hackebeil und saftigen Prämien danebenstehen. Goldene Zeiten für Benziner mit Plug-in-Hybrid, oder?

Kia auf dem Öko-Pfad
Bezüglich emissionsarmer Antriebe verfolgt Kia einen Fünfjahressplan zwischen 2015 und 2020: Fünf Hybride, viermal Plug-in-Hybrid, vier Elektroautos und schließlich 2020 ein Fahrzeug mit Brennstoffzelle. Möglich macht es Konzernmutter Hyundai, dort kommt nach dem ix35 Fuel Cell schon 2018 ein wirklich serienmäßiges Wasserstoffauto. Umgerechnet rund zehn Milliarden US-Dollar kostet Kia die Öko-Aufrüstung. Doch erst einmal werden kleinere Brötchen gebacken, Hybrid mit Stecker lautet das Zauberwort.

Kombi versus Limousine: 1:0
Bislang bot Kia nur die Limousinenversion des Optima als Plug-in-Hybrid an. Aber wer kauft in der oberen Mittelklasse noch ein Stufenheck, wenn nicht Audi, BMW oder Mercedes dransteht? Hinzu kommt konstruktionsbedingt ein magerer Kofferraum von lediglich 307 Liter. Und kein einziger mehr, denn die hinteren Lehnen sind nicht umklappbar. Wohl dem, der auf den Kombi gewartet hat. Hier sind 440 bis 1.574 Liter Gepäckvolumen ein faires Angebot, zumal die Batterie größer ist. 11,3 Kilowattstunden beim Kombi stehen 9,8 Kilowattstunden bei der Limousine gegenüber. Als Folge hängt der Optima Sportwagon für einmal elektrisch "Volltanken" 25 Minuten länger an der Haushaltssteckdose, nämlich genau drei Stunden und zehn Minuten.Die Lithium-Ionen-Polymer-Batterie wiegt hingegen mit 130 Kilogramm immer gleich viel. Ihr Inhalt reicht beim Kombi für 62 Kilometer Strom-Reichweite, das sind acht zusätzliche Kilometer gegenüber der Limousine.

Elektrische Zwangsjacke
Fahren wir mit der Technik fort und zwar im Wortsinne: Das Parallelhybridsystem beinhaltet einen Zweiliter-Saugbenziner mit 156 PS Leistung, eine Sechsstufen-Automatik und einen Elektromotor mit 50 Kilowatt gleich 68 PS Leistung. 375 Newtonmeter warten als Systemdrehmoment auf ihren Einsatz, rein elektrisch sind bis zu 120 km/h möglich. Praktisch für Innenstädte: Per Knopfdruck kann der Optima in einen rein elektrischen Fahrmodus gezwungen werden. Die Systemleistung beträgt übrigens 205 PS.

Immer gelassen bleiben
Und wie fährt sich das Ergebnis? Stärker als etwa bei einem Diesel kommt es auf die Persönlichkeit des Fahrers an. Wer ständig auf dem Stempel steht, dem wird der Stecker-Optima öfters gequält vorkommen. Und er wird sich über den deutlich vernehmbaren Kraftschluss mokieren. Aber der Plug-in-Kombi will viel lieber elegant und linear bewegt werden. Dann ergeben alle Hybridkomponenten ein stimmiges Gesamtbild. Einzig bei Autobahntempo könnte der Hybrid leiser sein. Absolut gelungen ist die übersichtliche und einfache Bedienung. Kia legt Wert darauf, dass seine Hybridautos außen wie innen den vielgepriesenen "Otto Normalverbraucher" ansprechen sollen.

Plug-in-Hybrid für Anhänger
So zum Beispiel der Niro, den es nun ebenfalls als Plug-in-Hybrid gibt. Einige Eckdaten hier: 324 Liter Kofferraum im Normalzustand und wie der Technikspender Hyundai Ioniq eine Systemleistung von 141 PS. Elektrische Reichweite? 58 Kilometer. Kapazität der Batterie? 8,9 Kilowattstunden. Dazu ein Sechsstufen-Doppelkupplungsgetriebe und eine Anhängelast von 1.300 Kilogramm, beim Optima Kombi PHEV sind es 1.500 Kilogramm. In das Reich der Fabel gehören definitiv die offiziellen Verbrauchangaben beider Fahrzeuge mit einer Eins vor dem Komma. Im Fall des Optima sind um die fünf Liter machbar, immer noch respektabel für einen 4,85 Meter langen Kombi.

Teuer, aber viel inklusive
Wie sieht es mit den Preisen aus? Beim Niro Plug-in-Hybrid sind es 32.350 Euro, abzüglich der staatlichen Kaufprämie also 29.350 Euro. Ganz genau wissen wir es bereits beim Optima Sportswagon (so nennt Kia den Kombi offiziell): 41.490 Euro stehen auf dem Preisschild, ein Aufpreis von 1.500 Euro gegenüber der vergleichbaren Limousine. Nicht gerade ein Schnäppchen, schließlich gibt es den ähnlich starken Diesel schon für unter 30.000 Euro. Aber der Plug-in-Hybrid ist bereits an der Basis äußerst reichhaltig ausgestattet. Elektrisch verstellbare Vordersitze, ein Acht-Zoll-Navi und ein Premium-Soundsystem sind nur einige der Zutaten.

Subventions-Walze von VW
Schade ist nur, dass viele aktive Assistenzsysteme erst in der 4.000 Euro teureren Topausstattung inklusive sind. Darunter gibt es sie auch nicht gegen Aufpreis. Dennoch könnte der Kia Optima Sportswagon Plug-in-Hybrid zum Erfolg werden. Und zwar nicht allein wegen der Diesel-Thematik. Es gibt schlicht kaum Konkurrenz in seiner Klasse. Einzig der VW Passat Variant GTE sticht dort heraus. ("Ausgerechnet VW!" mag so mancher sagen...) Er ist bei den Systemwerten etwas stärker als der Kia, packt ein paar Liter mehr ins Heck, kostet aber auch mindestens 45.250 Euro. Sofern man keinen alten Diesel eintauscht: 12.785 Euro "Prämie" gibt es dann von VW plus Staatsknete für den Plug-in-Hybrid, macht unterm Strich nur noch 32.485 Euro. Immerhin: Die besagte staatliche Prämie von 3.000 Euro für Plug-in-Hybride kann man auch beim Optima abziehen, dann kostet er 38.490 Euro. Ob noch eine Diesel-Prämie seitens Kia kommt? Alles eine Frage des Timings.
(rh)

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