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Wir haben uns im 420.000 Euro teuren Auto-Salon chauffieren lassen Maybach 62 im Test: Prinzen-Rolle in der First Class

München, 31. Oktober 2003 – Maybach. Schon dieses Wort klingt nach Wohlstand, Eleganz und Luxus pur. Was unterscheidet ihn von anderen Autos? Warum leuchten die Augen vieler Menschen, wenn sein Name genannt wird? Und kann man in München, der Stadt der teuren Mobile, damit noch auffallen? Um Antworten auf diese Fragen zu erhalten, sind wir in die Prinzen-Rolle geschlüpft und haben uns im Maybach 62 durch die Isarmetropole chauffieren lassen.

Platz nehmen im Luxus-Salon
"Hannes, fahren Sie den Wagen vor, wir möchten in die Stadt!" Flüsternd leise und unwahrscheinlich elegant gleiten 6,17 Meter maßgeschneiderte Meisterkunst des Automobilbaues heran. Genauso dezent kommt der Maybach 62 zum Stehen. Chauffeur Hannes entsteigt und öffnet mit nahezu anmutigem Schwung den Schlag, pardon, die Fondtüren. Er bittet erst Lady Patricia van Snyder, dann mich, den Kronprinzen vom Scheichtum Hammadistan, Platz zu nehmen im Luxus-Salon des derzeit teuersten deutschen Serien-Automobils.

Logieren statt sitzen
Mit einem herkömmlichen Fond hat der hintere Teil des Maybach nichts gemeinsam. Mag man in einer S-Klasse bequem "sitzen", ist das Feeling im Maybach schon fast "logieren". Bereits das Einsteigen in den Raum aus hellem Leder, polierten Edelhölzern und glänzendem Chrom ist wie ein Ausflug in eine andere, exklusive Welt. Aber die ist mir, dem Prinzen, ja geläufig: Schließlich stehen in den Garagen meines Palastes Rolls-Royce, Bentley und Stretch-Cadillac.

Super-bequem sitzen
Ich sinke in den bequemen Ledersessel und nehme mir Zeit, den Sitz für mich so angenehm wie möglich zu positionieren. Das dauert ein Weilchen – schließlich sind die Verstellmöglichkeiten von Kopfstützen, Lehne und Sitzfläche mannigfaltig. Für die Bedienung reicht es, die dafür in bequemer Reichweite an der Tür untergebrachten Knöpfchen zu drücken, den Rest übernehmen leise surrend Stellmotoren.

Extra Kissen und Decke
Genug Platz, um die Beine auszustrecken und sich wohlig in die Polster zu räkeln. Wenn's kalt wird, holt Hannes das weiche Maybach-Kissen und die weiche Maybach-Decke aus dem Kofferraum. Aber warum sollte es kalt werden? Die Klimaautomatik reguliert die Wunschtemperatur für jeden Platz individuell und einwandfrei ein.

Ruhesitze: Im Liegen Reisen
Lady van Snyder, the Princess of Pea, möchte lieber im Liegen reisen: Dank der Ruhesitze im Maybach 62 ist das kein Problem. Per Tastendruck neigt sich die Lehne nach hinten, eine Unterschenkelauflage und eine Fußstütze schwenken unten aus dem Sitz. Jetzt noch die Sitzbelüftung und die Massagefunktion einschalten – und man fühlt sich besser gebettet als zu Hause vor dem Fernseher.

Toll: Fernsehen oder Musik hören
Den Fernseher gibt es im Maybach natürlich auch. In den Rücksitzlehnen sind zwei TFT-Farbmonitore untergebracht. Für jede Seite einzeln wählbar sind TV, DVD, die Karte vom Navigationssystem oder die Funktionen vom Radio. Das Multi-Media-System lässt sich über eine Fernbedienung steuern.

Kabellose Kopfhörer
Ich entschwinde mit einer CD von ABBA ("Money, money, money, must be funny, in the rich man`s world…") und den kabellosen Kopfhörern im Reich der Töne, während sich Lady van Snyder stilecht "Der Prinz aus Zamunda" auf DVD anschaut. Vorn, im Bordmonitor des Chauffeurs, ist die Navigationskarte zu sehen. Die interessiert mich nicht: Der Fahrer wird seine Sache schon gut machen.

Kelche aus Sterling-Silber
Morgens halb zehn in Deutschland – wir bekommen Champagner-Durst. Auch kein Problem, schließlich ist in der Mittelkonsole zwischen uns nicht nur ein Kühlfach untergebracht, sondern auch ein Fach mit Kelchen aus Sterling-Silber. Und damit man die nicht in der Hand halten muss, gibt es in der Mitte ebenfalls Becherhalter – besser gesagt, Kelchhalter.

Selbst das Licht ist dezent
Der Maybach rauscht dahin. Vom starken Zwölfzylinder ist kaum etwas zu vernehmen. Sanft sickert Licht durch das Panoramadach. Es lässt sich mittels Dimmer von Milchglas zu glasklar verwandeln – modernste Elektronik macht sich vor allem in Details bemerkbar. Stufenlos regelbar ist auch die Ambientebeleuchtung, die im Dunkeln eine angenehm-schummrige Atmosphäre erzeugt. In dieser Atmosphäre reisen wir in die Münchener Innenstadt, begleitet von den aufmerksamen Blicken der Passanten und Autofahrer. Viele schauen in den Fond: Wer da wohl drin sitzt? Wir fühlen uns wirklich als (Möchtegern-)Scheichs.

Belagerung auf der Wies'n
Unser erstes Ziel ist das traditionelle Münchener Oktoberfest, das zum Zeitpunkt unseres Tests gerade auf Hochtouren läuft. Am Eingang abgestellt, wird der Maybach sofort von Festbesuchern umlagert. Wir steigen aus. Unsere Fotografen, die im Begleitfahrzeug mitgereist sind, verraten durch das Objekt ihrer Begierde schnell, dass nicht wir, sondern das Auto im Mittelpunkt steht. "Das ist doch der ganz Teure", weiß ein Schwabe, "der kostet doch 250.000 Euro". "Etwa 420.000 Euro" korrigiere ich. Denn so teuer ist unser Testwagen. "Geile Kiste" ist ein Knirps zu vernehmen. Und eine Gruppe von Engländern macht Fotos fürs Familienalbum.

Polizei will uns Schutz geben
Plötzlich tauchen zwei Polizisten auf. Doch sie kommen nicht, weil wir die Einfahrt zum weltgrößten Volksfest versperren, sondern wollen ihren Promi-Schutz-Auftrag erfüllen. Wer wir wären, wird unser Chauffeur Hannes gefragt. Hier outen wir uns: Keine Personen mit besonderem Schutzbedarf. Die Ordnungshüter verschwinden wieder. Schade, aber Extra-Polizeischutz kriegen wir nun nicht.

Fahrt auf dem Präsentierteller
Das Fotoshooting in München wird zur Fahrt auf dem Präsentierteller. Wo wir auch auftauchen – überall sind die Menschen neugierig und wollen unbedingt in die Limousine hineinschauen. So auch am Schloss Nymphenburg, wo Chauffeur Hannes sich höflich aber bestimmt Platz verschaffen muss, um mir die Tür zum Einsteigen öffnen zu können. Übrigens: Lady van Snyder ist der Meinung, dass an diesem Schloss unser Maybach seeeehr gut jeden Tag in die Kulisse passen würde. Aber erstens ist es dann doch nicht unserer und zweitens steht das Schloss Nymphenburg nicht zum Verkauf.

Interesse am Tegernsee
Es geht weiter an den Tegernsee. Auch hier ist uns die Aufmerksamkeit sicher, aber die Blicke der Mitmenschen sind anders. Verständlich: Mit teuren Autos kennt man sich hier noch besser aus als in der Isarmetropole. Bloß die Krönung der deutschen Autokunst hat man auch hier noch nicht live gesehen.

Vom Scheich zum Redakteur
Ich verwandele mich wieder vom Scheich zum Redakteur und wechsele mit Chauffeur Hannes Sorg die Plätze. Er ist bei DaimlerChrysler verantwortlich für die Maybach-Pressetestwagen und trägt damit eine Millionen-Verantwortung. Die nimmt er sehr ernst: Erst als er merkt, dass ich seinem Baby nichts tun will, wird er gelassener.

Unheimlich stark: 550 PS, 900 Newtonmeter
Dabei kribbelt es mir gewaltig im rechten Fuß: Schließlich befehlige ich einen Zwölfzylinder-Biturbo mit 550 PS und einem maximalen Drehmoment von 900 Newtonmetern. Der, wenn es sein muss, den Dreitonner schon mal in 5,4 Sekunden (!) auf Hundert katapultieren kann. Das Gefühl beim Beschleunigen und Kurvenfahren ist für einen PKW ungewohnt, aber schließlich hängen hinten etwa zwei Meter Auto mehr dran als bei einem Sportwagen.

Leichtes Handling
Trotz seiner Größe lässt sich der Maybach überraschend leicht manövrieren. Die Servolenkung arbeitet geschwindigkeitsabhängig, die Fünfgang-Automatik verrichtet ihre Arbeit fast unbemerkt. Es geht alles wie von selbst und ich muss nur noch am Lenkrad drehen. Das luftgefederte Fahrwerk lässt sich in seinem Härtegrad einstellen. Das reicht aber auch auf der höchsten Stufe nicht, um die Kurven wie im Sportwagen durchziehen zu können. Aber warum auch: Cruisen macht mit diesem Auto viel mehr Spaß.

Verbrauch hoch, aber nicht immens
Ich stelle mir vor, wie der Sprit durch die Düsen rauscht, um in 5,5 Litern Hubraum regelrecht verfeuert zu werden. Vorsichtig schalte ich den Bordcomputer auf die Verbrauchsanzeige und bekomme 17 Liter Durchschnitt angezeigt. DaimlerChrysler beziffert diesen Wert mit durchschnittlich 15,9 Litern auf 100 Kilometer. Das erscheint angesichts der XXL-Dimension des Fahrzeuges noch nicht einmal viel.

Bei 250 km/h ist Schluss
Auf der Autobahn wird der Wagen bei 250 km/h abgeregelt. Aber auch das ist ein Wert, den wohl die wenigsten Maybach-Besitzer je fahren werden oder fahren lassen. Man ist schließlich kein junger Wilder und hat außerdem einen Ruf zu verlieren. Zurück auf dem Redaktions-Parkplatz ist das Haupt-Manko des langen Maybach deutlich zu spüren: Er überragt den Stellplatz um einiges an Länge. Aber das ist nicht mehr mein Problem: Chauffeur Hannes nimmt den Maybach wieder mit. Schade, wir hatten uns gerade dran gewöhnt. (hd)
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