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Siegt die Simplizität mit Sauger und Schaltung? Im Schnelltest: Der Mazda 6

Haar, 13. April 2017
Zugegeben: Wirklich viel verändert hat sich mit dem jüngsten Update des Mazda 6 nicht. Aber manchmal muss man auch nicht unbedingt an vielen Schrauben drehen, um ein gutes Ergebnis zu erzielen. Ob das auch bei der Mittelklasse-Limousine aus Japan der Fall war? Zeit für einen Schnelltest. Was uns gefallen hat und was nicht, lesen Sie jetzt hier ...

Pro: Das Design
Optisch fährt die Nummer 6 aus Japan – Geschmackssache, klar – den etwas biederen Europäern davon. Die lange und flache Silhouette ist ziemlich schnittig und wirkt fast ein bisschen Coupé-haft. Und noch ein kleiner Tipp: Bestellen Sie ihren Mazda-Mittelklässler in knalligem Rot. Die Farbe steht dem Wagen ausgezeichnet, macht ihn noch schärfer und im Einheitsgrau europäischer Firmenparkplätze finden Sie Ihr Auto dann besonders leicht.

Contra: Die Abmessungen und die Raumausnutzung
Ein Mittelklasse-Wagen im klassischen Sinn (oder zumindest im deutschen Herstellervergleich) ist der Mazda 6 nicht. Mit einer Länge von 4,87 Meter ist er nämlich deutlich größer als BMW 3er, Audi A4, Mercedes C-Klasse oder auch VW Passat. So geht es in Sachen Außenabmessungen eher gegen die anderen Ausreißer dieser Klasse: den Skoda Superb und den Opel Insignia Grand Sport. Durch das ausgedehnte Längenmaß aber auf fürstliche Platzverhältnisse im Innenraum zu schließen, wäre hier falsch. Es herrscht zwar genug Platz auf allen Sitzen, trotzdem sind die Raumverhältnisse eher wie in den klassischen Mittelklasse-Modellen: knapp und mit wenig Kopffreiheit. Und noch etwas: Der Kofferraum fasst 480 Liter so viel wie beispielsweise der eines BMW 3er. Bei den etwa gleich langen Modellen von Opel oder Skoda passen 490 beziehungsweise sogar bis zu 625 Liter hinein.

Pro: Der Innenraum
Im Mazda 6 finden Sie dafür einen soliden, aber wenig luxuriösen Innenraum vor. Um gegen VW, Skoda und Opel bestehen zu können, reicht es aber allemal. Die Sitze (mit dreistufiger Heizung) sind bequem und bieten guten Seitenhalt, die wichtigsten Oberflächen fasst man dank weicher Materialwahl gerne an und auf Leder verzichtet Mazda nur noch im besonderen Fall von chronischer Sonderausstattungsverweigerung. Darüber hinaus ist alles schön klar geordnet und auf die nötigsten – aber sinnvollen – Knöpfe reduziert. Einziger Kritikpunkt: Das winzige Head-up-Display in der ausfahrbaren Plastikscheibe wirkt in dem sonst sehr gut gemachten Interieur irgendwie etwas billig.

Contra: Die Assistenzsysteme
Wo wir gleich beim Thema Assistenzsysteme angelangt sind. Neben dem bereits erwähnten Head-up-Display verfügt mein Testwagen über einen Tempomat, einen Tote-Winkel-Warner und einen Spurhalteassistenten mit Lenkeingriff. Außerdem gibt es eine Müdigkeitserkennung, die mir stets nach etwas mehr als 100 Kilometer eine Kaffeepause empfiehlt. Wird mir etwa nicht zugetraut, dass ich mich länger als eine Stunde auf den Verkehr konzentrieren kann? Oder handelt es sich bereits um eine Konditionierung auf öfter anstehende Stopps, wenn sich die Elektromobilität erst einmal durchgesetzt hat? Fragen über Fragen. Und auch warum Mazda die adaptive Geschwindigkeitsregelung mit radargestützter Distanzregelung nur in Verbindung mit dem 192-PS-Benziner oder dem 175-PS-Diesel in der höchsten Ausstattungslinie Sports-Line anbietet, erschließt sich mir nicht so wirklich. So einen adaptiven Tempomaten könnte man in einem Mittelklässler nämlich immer ganz gut gebrauchen.

Gemischt: Der Antrieb und das Fahrwerk
Unter der langen Haube des Testwagens treibt ein 2,0-Liter-Vierzylinder-Benziner mit 165 PS die Vorderachse an. Der Motor punktet mit einer hohen Laufruhe. Weil aber erst bei 4.000 Umdrehungen die maximalen 210 Newtonmeter Drehmoment anstehen – Saugbenziner halt –, ist der Griff zum kurzen Knüppel des Sechsgang-Getriebes öfter nötig als sonst. Vor allem wenn man bei höherem Tempo auf der Autobahn aus dem Windschatten eines Minivans fährt und plötzlich einen Leistungsabfall kompensieren muss. Die Schaltarbeit macht aber Spaß, denn das Getriebe hat kurze Wege und rastet exakt ein. Unser Testverbrauch? 7,2 Liter auf 100 Kilometer. Ein wunderbarer Wert für einen Benziner, der im Testalltag auch das eine oder andere Mal die Höchstgeschwindigkeit von 216 km/h unter Beweis stellen musste ... und der offiziell mit 6,0 Liter angegeben ist. Das Fahrwerk? Ja, der Mazda 6 liegt tadellos auf der Straße. Er ist nicht zu hart und nicht zu weich gefedert und bietet hohen Reisekomfort. Allein auf schlechte Straßen mit vielen Rillen und Löchern reagiert das Fahrwerk etwas stoisch und mit gereizten Stößen.

Gemischt: Der Preis
Los geht es bei attraktiven 25.890 Euro für die Prime-Line mit 145-PS-Basisbenziner. Wenn Sie den von uns gefahrenen 165-PS-Benziner möchten, sind aber schon mindestens 31.390 Euro fällig. Der Grund: Neben der größeren Motorisierung muss auch eine höhere Ausstattungslinie (die Exclusive-Line) gebucht werden. Für 34.490 Euro fährt unser Test-Derivat dann in der höchsten Linie vor, der Sports-Line. Navi, Klimaautomatik, Sitzheizung und LED-Scheinwerfer sind inklusive. Leder kostet 1.900 Euro extra. Damit ist man mit einem Mazda 6 durchschnittlich zwar auf dem gleichen Preisniveau wie bei Opel oder Skoda, mit einer etwas dynamischeren Gestaltung der zubuchbaren Optionen könnte man seinen Mazda theoretisch aber auch etwas günstiger gestalten. So müssen bei speziellen Wünschen gleich hohe Preissprünge in Kauf genommen werden, auch wenn man vielleicht nur scharf auf ein einzelnes Zusatzfeature ist.
(ml)

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