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Mini Cooper S E Countryman All4 im Test Der günstigste Plug-in-Hybrid kommt von einer Premium-Marke

Barcelona (Spanien), 10. Mai 2017
Wer hätte das bei einer Premium-Marke wie Mini gedacht? Der Cooper S E Countryman All4 ist derzeit der günstigste Plug-in-Wagen auf dem Markt überhaupt. Die zweite Überraschung ist: Dieses bemerkenswerte Faktum muss ich den Pressesprechern bei der Vorstellung des Neulings förmlich aus der Nase ziehen. Seltsam. Ist das was Negatives? Wohl kaum. Aber Geld ist ja nicht alles, also haben wir den Wagen erstmal getestet.

Fast 3.000 Euro günstiger als der Plug-in-BMW
Da wir nun schon mal beim Preis sind, hier gleich die nackte Zahl: 35.900 Euro kostet die neue Countryman-Version. Ein VW Golf GTE ist 1.000 Euro teurer, ein Audi A3 e-tron 2.000 Euro. Und der BMW 225xe Active Tourer iPerformance, der exakt die gleiche Plug-in-Hybrid-Technik hat wie der Mini, ist fast 3.000 Euro teurer. Wie kann das sein? Eine Marketingentscheidung, heißt es bei Mini. Vielleicht sieht man ja auch Ungemach auf sich zukommen? Der im Sommer 2017 startende Hyundai Ioniq Plug-in-Hybrid könnte günstiger sein …

Begrenzte elektrische Reichweite
Der koreanische Plug-in-Hybrid soll mit 63 Kilometer auch eine spürbar größere elektrische Reichweite haben als der Countryman, der (nach NEFZ) 42 Kilometer schaffen soll. In der Praxis ist es wie immer deutlich weniger: Im regen Stadtverkehr von Barcelona wäre ich mit dem Plug-in-Landmann nur etwa 25 Kilometer gekommen, und das bei gemäßigten Außentemperaturen von etwa 16 Grad.

Unendlich viele Modi
Den Plug-in-Mini zu fahren, ist eigentlich nicht schwer, er fährt sich wie ein normales Automatikauto. Doch wie bei vielen Plug-in-Fahrzeugen gibt es verwirrend viele Modi. "Das Auto kann eine ganze Menge", sagt BMW-"Hybridpapst" Uwe Seitz, "und ich hoffe, dass es damit nie langweilig wird." Zum Spielen gibt es neben drei Hybridmodi noch drei allgemeine "Mini Driving Modes" und zwei Modi, die am Automatikhebel eingestellt werden. Und alles hängt mit allem zusammen. Am Schluss rauft man sich entweder die Haare, oder man akzeptiert sein Nichtwissen und fährt einfach. Ich entschied mich für Letzteres. Nur noch eine Bemerkung hierzu: Man kann die Batterie auch während der Fahrt aufladen (zum Beispiel weil nach einem Fahrerwechsel auch der andere mal mit Akkuunterstützung fahren will). Dazu wählt man "Save Battery" oder den Sportmodus des Getriebes.

Turbobenziner vorn, E-Motor hinten
Die Plug-in-Technik ist wie erwähnt vom BMW 225xe Active Tourer her bekannt. Zur Erinnerung: Der 136 PS starke Turbo-Dreizylinder aus dem Cooper treibt die Vorderachse an, für die Hinterachse ist ein 88 PS starker Elektromotor zuständig. So ergeben sich ein Allradantrieb und sehr respektable Daten: Die Systemleistung liegt bei 224 PS, das Gesamtdrehmoment bei 385 Newtonmeter. Mit der serienmäßigen Sechsgang-Automatik sorgt das für Fahrleistungen auf dem Niveau eines Cooper S Countryman All4. Zum Verkehrshindernis wird man also beileibe nicht.

Fährt sich fast wie ein BMW 7er
Subjektiv fährt sich der Wagen allerdings ein bisschen wie ein BMW 7er. Ein Kompliment für einen Mini ist das nicht unbedingt. Der Plug-in-Countryman wirkt zwar sehr solide und man hat das Gefühl, er steht felsenfest auf der Straße. Aber er wirkt auch nicht so spontan und leichtfüßig, wie es sich für einen Mini gehört. Zu dem Eindruck tragen das dicke Lenkrad und der hohe Lenkwiderstand bei, aber vor allem das Leergewicht: 1,7 Tonnen sind wirklich viel. Damit liegt der Mini auf dem Niveau des Opel Ampera-e, obwohl der ein reines Elektroauto ist und 430 Kilo Batterien mit sich herumschleppt statt 50 Kilo wie der Mini.

Einschränkungen gegenüber normalem Countryman
Es gibt aber noch andere Nachteile der Plug-in-Version gegenüber dem normalen Countryman – keine wirklich gravierenden Sachen, eher Nadelstiche. Elektronische Dämpfer (DDC) werden hier nicht angeboten, weil man sich die Zusatzkosten für die Abstimmung sparen wollte, so Seitz. Auch ist hier keine verschiebbare Rückbank bestellbar, die Sitze sind sozusagen in der hinteren Position festgeschweißt. Aus Platzgründen verkleinert sich auch der Benzintank von 51 auf 36 Liter. Traditionalisten müssen zudem auf das ansonsten optional verfügbare Notrad verzichten.

Nichts für E-Bike-Fahrer
Der Kofferraum ist ebenfalls etwas kleiner, allerdings fiel nur etwa die Hälfte des Raums unter dem Ladeboden weg. Das kann man verschmerzen, auch 405 bis 1.275 Liter (statt 450 bis 1.390 Liter) sind noch ordentlich. Die bitterste Einschränkung ist wohl, dass es keine Anhängerkupplung gibt. So kann man nicht mal einen vernünftigen Fahrradträger montieren, um zwei E-Bikes zu transportieren. Hybridpapst Seitz sagt, das liegt daran, dass im Bereich der hinteren Ladekante Elektrokomponenten stecken und so schlicht der Bauraum fehlt.

Günstig, aber wohl kein Renner
Wem die Nadelstiche nichts ausmachen, der bekommt für die erwähnten 35.900 Euro eine Countryman-Version, die auch in Relation zu den konventionellen Varianten attraktiv ist. Der Cooper SD All4 mit 190-PS-Diesel kostet genauso viel. Und nach Abzug der Förderprämie spart man mit dem Plug-in-Modell sogar noch 3.000 Euro. Zum Verkaufsrenner dürfte der Wagen dennoch nicht werden, denn Plug-in-Hybride sind in Deutschland eher Ladenhüter. Von BMWs Plug-in-Van werden laut Seitz täglich 48 Stück produziert. Das wären pro Jahr wohl etwa 10.000 Stück – für die ganze Welt. Viel mehr als 1.500 Autos dürften davon nicht auf Deutschland entfallen. Beim Countryman erwartet Mini einen Plug-in-Anteil im einstelligen Prozentbereich. Marktstart ist am 24. Juni 2017.
(sl)

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