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Langer Name, kurzer Sinn? Mini John Cooper Works Paceman im Test Starkes Nischen-Modell

Frankfurt/Main, 27. Februar 2013
Diese Bezeichnung hat es in sich: Mini John Cooper Works Paceman heißt der neueste Spross der Engländer. Schon beim normalen Paceman, der dreitürigen Ableitung des Countryman, stellen sich nicht wenige die Sinnfrage. Braucht es ein solches Fahrzeug überhaupt? Doch es gibt durchaus Argumente für den Paceman: Sein fünftüriger Bruder Countryman macht bereits ein Drittel aller Mini-Verkäufe aus, allerdings bietet der Paceman die deutlich elegantere Optik. Vom Hersteller selbst kommt ein weiterer Punkt ins Spiel: Alle, die einen Allradantrieb im normalen Mini vermissen, können alternativ zum Paceman greifen. Pünktlich zum Marktstart der Baureihe geht das Topmodell mit dem Zusatz "John Cooper Works" an den Start. Wir konnten es bereits fahren.

Auf Krawall gebürstet
Bereits von außen macht unser Testwagen klar: Ich bin der Super-Paceman. Rote Streifen und rote Außenspiegelkappen auf schwarzem Lack bilden eine etwas krawallige Erscheinung. Doch keine Angst, es sind auch diskretere Gestaltungsmöglichkeiten im Angebot. Innen setzt sich der Trend zur Auffälligkeit fort: Sportsitze plus Sportlenkrad sowie dunkle Ziffernblätter bilden das Ambiente, bei Bedarf gibt es rote Zierleisten. Etwas enttäuschend ist die Qualität der Kunststoffe im Cockpit, angesichts der selbstbewussten Preisgestaltung kann man hier mehr erwarten. Unverändert umständlich ist die Bedienung. Sie erfordert einiges an Eingewöhnungszeit. Damit könnte man zwar leben, doch diverse Schalter sind so ungünstig angebracht, dass der Blick zwangsläufig von der Straße weg wandert. Aber es gibt auch Positives zu vermelden: Dank steiler A-Säule und gewölbter Motorhaube ist die Sicht nach vorne prima, nach hinten raus sind Parkpiepser jedoch Pflicht. Als sehr bequem entpuppen sich die vorderen Möbel, auch auf den zwei Einzelsitzen im Fond lässt es sich aushalten. Der Kofferraum schluckt zwischen 330 und 1.080 Liter Gepäck.

Kraft ohne Musik
Aber auf diese Art der inneren Werte kommt es dem Piloten des Power-Paceman weniger an. Entscheidend ist der Platz unter der Haube: Dort arbeitet ein alter Bekannter in Gestalt des 1,6-Liter-Vierzylinders mit Twin-Scroll-Turbo und Direkteinspritzung. Das 218 PS starke Triebwerk stellt 280 Newtonmeter maximales Drehmoment, kurzzeitig sind sogar 300 Newtonmeter drin. In der Praxis geht es damit flott voran, wenngleich nicht brachial. Kein Wunder, beträgt das Leergewicht mit Fahrer doch fast 1,5 Tonnen. Vielmehr erweist sich der John Cooper Works Paceman als prima Gleiter, der früh im höheren Gang bewegt werden kann. Möglich macht es das bereits ab 1.900 Umdrehungen anliegende maximale Drehmoment. Untermalt wird das Ganze von einer recht unentschlossenen Soundkulisse, der Mini klingt brummig, allenfalls etwas kernig, was aber auf der Autobahn schnell stört. Auch die serienmäßige Sportabgasanlage ändert nichts daran. Für den richtig ordentlichen Bums muss man im exakten Getriebe herunterschalten und der Maschine freien Lauf lassen. Erst bei hohen Drehzahlen stürmt der John Cooper Works Paceman so voran, wie es das Äußere verspricht.

Überzeugendes Fahrwerk
Serienmäßig weist der stärkste Paceman einen Allradantrieb auf, der das Antriebsmoment mithilfe eines elektromagnetisch arbeitenden Mitteldifferenzials stufenlos zwischen Vorder- und Hinterachse verteilt. Das System passt gut zum Wagen, wer es darauf anlegt, kann bei verschneiten Straßen den ein und anderen Heckschwenk provozieren. Eine angenehme Überraschung bietet das Fahrwerk: Trotz der Tieferlegung um zehn Millimeter wie im Countryman und der damit verbundenen Straffheit wird genügend Restkomfort bewahrt. Die Wirbelsäulen der Insassen danken es. Ein dicker Pluspunkt ist die von Mini gewohnte, sehr präzise Lenkung mit vorbildlicher Rückmeldung. Bei Bedarf gibt es einen "Sport Button" an Bord. Er ändert das Ansprechverhalten und die Soundentwicklung des Motors, betroffen ist auch die Kennlinie der Servolenkung. In der Realität sind die Unterschiede kaum fühlbar, sondern eher hörbar. Bei der Gaswegnahme erklingt ein Sprotzeln in den Endrohren. Doch ganz ehrlich: Das Geräusch vermittelt eher den Eindruck, als sei irgendetwas im Heckbereich kaputt.

Ungeheuer teuer
Ab dem 14. März 2013 steht die Paceman-Palette beim Händler. Wer den König in Form des John Cooper Works sein Eigen nennen möchte, sollte nicht knauserig sein. Selbstbewusste 35.950 Euro werden für den bei Magna-Steyr in Österreich gebauten Wagen aufgerufen. Immerhin, eine Klimaanlage, CD-Radio und 18-Zoll-Alus sind serienmäßig. Trotzdem langt Mini ordentlich zu, wie der Blick in die 15-seitige Liste der Extras zeigt. Für eigentlich bei einem Topmodell selbstverständliche Dinge wie Sitzheizung (290 Euro), eine Klimaautomatik (400 Euro), Parkpiepser hinten (350 Euro) und eine Lederausstattung (1.890 Euro) bitten die Gentlemen zur Kasse. Immerhin, direkte Konkurrenten hat der John Cooper Works Paceman nicht zu fürchten. Doch es geht preiswerter: Für den Citroën DS3 THP 200 Racing sind es 30.990 Euro, der neue VW Golf GTI mit 220 PS startet als Dreitürer bei fast schon bescheidenen 28.350 Euro.
(rh)

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