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200 PS auf knapp vier Meter: Unterwegs im Peugeot 208 GTi Tüpfelchen auf dem I

Nizza (Frankreich), 5. April 2013
Bei Peugeot grüßt derzeit das Murmeltier: Anno 1983 befand sich die Marke in einer schweren Krise, der Rettungswagen hörte auf die Nummer 205. Dreißig Jahre später sind die Franzosen wieder in der Krise, dieses Mal soll es der 208 richten. Zur Legende wurde der 205 seinerzeit durch die heiße GTI-Version mit bis zu 128 PS und ihren krassen Rallye-Bruder mit dem Zusatz T16 und maximal 320 Pferdestärken. Unvergessen bleibt, wie Ari Vatanen Ende 1986 den kleinen Kraftzwerg siegreich auf den legendären Pikes Peak prügelte. Nun macht sich Peugeot daran, mit einer Powerversion des neuen 208 das Murmeltier aus dem Bau zu pusten.

GTi statt RC
Obgleich zwischen den Sportversionen von 205 und 208 nicht nur 26 Zentimeter, sondern auch über 70 PS liegen, zieht Peugeot eine Traditionslinie zwischen beiden. Das beginnt bei der Festlegung auf drei Türen und endet beim Kürzel am Heck: Nachdem dort bei 206 und 207 jeweils RC stand, darf der 208 wieder GTi heißen. Allerdings nur mit kleinem i, schließlich gibt es in Wolfsburg noch einen anderen GTI.

Kein Fall von Krawall
Wie schon beim 205 GTI, so verzichtet Peugeot auch beim stärksten 208 auf eine krawallige Optik. Sowohl der Dachspoiler als auch die verchromten Außenspiegelkappen und die 17-Zoll-Leichtmetallfelgen fügen sich harmonisch ins Gesamtbild ein. Würde nicht fett "GTi" auf der C-Säule prangen, könnte man denken, dass hier die Diakonie-Pflegerin zur Oma kommt. Die Mischung aus Understatement und besonderer Note setzt sich innen fort: Dort fallen bequeme Sportsitze auf, die etwas mehr Seitenhalt bieten könnten, hinzu kommen rote Akzente. Bereits vom normalen 208 ist das ungewöhnliche Armaturenbrett bekannt. Das sehr kleine GTi-Lenkrad misst 33 mal 35 Zentimeter und ist stets unterhalb der Instrumente angeordnet. Im Eigenversuch mit einer Körperlänge von 1,88 Meter funktioniert diese Sichtlösung prima, doch sollte jeder Interessent vor Ort checken, ob er damit klarkommt. Einen Nachteil hat das Winzlenkrad mit der Zwölf-Uhr-Markierung aber doch: In der "Viertel-vor-Drei"-Haltung stoßen die Finger an die Verkleidung der Lenksäule. Um das Thema "winzig" abzuschließen: Im Fond des 208 GTi ist die Beinfreiheit zwar ausreichend, doch für den Schädel wird es eng.

Dezenter Radaubruder
Unter der Haube des Peugeot 208 GTi wartet ein alter Bekannter: Der 1,6-Liter-Benziner mit Direkteinspritzung und Twin-Scroll-Turbo kommt auch in den stärkeren Cooper-Varianten des Mini zum Zuge. Beim 208 GTi stehen exakt 200 PS bereit, nicht von ungefähr ist das auch die Leistung des neuen Konkurrenten Renault Clio R.S. Und wie klingt das kleine Kraftpaket? Peugeot selbst spricht blumig von einem "kernigen Schnurren", an unsere Ohren dringen aber eher dumpf-brummige Lebenszeichen. Erst beim Ausdrehen wird es ein wenig musikalischer, doch Tuner können sich schon mal die Hände reiben und sportliche Abgasanlagen entwerfen.

Kraft von unten
Also doch ein Auto für Gemeindeschwestern? Nix da, höchstens für die sportlichen Nonnen in Louis-de-Funes-Filmen. Sie hätten wie ich ihren Spaß auf den hügeligen und kurvigen Straßen im Hinterland von Nizza. Ohne spürbares Turboloch zieht der 208 GTi aus dem Stand flott weg, in engen Serpentinen lässt sich ausgezeichnet herausbeschleunigen. Dabei kann der Fahrer entscheiden: niedriger Gang und viel Lautstärke oder entspanntes Dahingleiten in hoher Stufe. Die reinen Zahlen bestätigen den kräftigen Eindruck: Schon bei 1.700 Umdrehungen liegt das maximale Drehmoment von 275 Newtonmeter an. Hinzu kommt ein Leergewicht inklusive Fahrer von 1.265 Kilogramm. (Okay, der 205 GTI wog nur 880 Kilo. Den Unterschied werden Sie beim Unfall merken. Wenn das dann noch geht.) Um den Sprint von null auf 100 km/h wie angegeben in 6,8 Sekunden hinter sich zu bringen, ist der Griff zum Sechsgang-Schaltgetriebe nötig. Es arbeitet exakt, doch die Wege könnten kürzer sein. Schade: Vorerst wird kein Doppelkupplungsgetriebe als Option zum Einsatz kommen.

Denken beim Lenken
Klar, schalten gehört bei einem Knallbonbon wie dem 208 GTi dazu, doch eine Doppelkupplung würde gut zum ausgewogenen Charakter des Wagens passen. Dafür sorgt die Verbindung aus antrittsstarkem und akustisch zurückhaltendem Motor und einer straffen Federung mit viel Restkomfort. Der deutlichste Kritikpunkt betrifft die Kurvenfahrt. Zum einen fällt hier auf, dass die elektrische Servolenkung nicht durchgehend linear reagiert, sondern eckig, weshalb oft Nachkorrekturen nötig sind. Zum anderen macht sich eine erhöhte Wankneigung bemerkbar, eine Folge des eher auf Komfort ausgelegten Fahrwerks.

Weniger ist mehr
Obwohl der europäische Markt für starke Kleinwagen wächst, erwartet Peugeot für den 208 GTi keine astronomischen Verkaufszahlen. Im ersten vollen Verkaufsjahr, also 2014, rechnen die Franzosen mit 10.000 verkauften Exemplaren zwischen Stockholm und Sizilien. In Deutschland startet der GTi-Verkauf im Mai 2013, der Preis liegt bei 22.900 Euro. Das klingt viel, relativiert sich aber mit Blick auf die üppige Serienausstattung: Inklusive sind eine Zwei-Zonen-Klimaautomatik, eine Sitzheizung, eine Einparkhilfe hinten, ein Tempomat, Sensoren für Licht und Scheibenwischer sowie die erwähnten 17-Zoll-Alus. Die Aufpreisliste ist überschaubar. Wer mag, bekommt sogar eine automatische Einparkhilfe. Sinnvoller sind zwei Extras: ein Navigationssystem für günstige 490 Euro und statisches Kurvenlicht für 100 Euro.

Heiße Rivalen
An Konkurrenz für den Peugeot 208 GTi mangelt es nicht: Sehr neu und sehr günstig ist der Ford Fiesta ST. Hier gibt es 182 PS für 19.990 Euro. Mit 22.925 Euro liegt der dreitürige VW Polo GTI mit 180 PS fast exakt auf 208-Niveau. Deutlich teurer ist der aktuelle Renault Clio R.S.: Seine 200 PS kosten 23.950 Euro, er ist aber fünftürig und hat ein Doppelkupplungsgetriebe an Bord. Wenn Geld keine Rolle spielt, lohnt der Blick zu Mini. Dort steht der 211 PS starke John Cooper Works mit üppigen 29.500 Euro in der Liste.
(rh)

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