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Kodiaq-Gegner im Test: Der neue Peugeot 5008 Sieben Sitze für ein Halleluja?

Lissabon (Portugal), 3. März 2017
Es ist mittlerweile ja gang und gäbe, dass ein Van beim Modellwechsel ein wenig in die Crossover-SUV-Richtung gedrängt wird. Jetzt erging es auch dem Peugeot 5008 so, und aus dem nicht gerade mit Sexappeal gesegneten Van ist ein Auto geworden, das mit einer Länge von 4,64 Meter, bis zu sieben Sitzen und viel Platz für Gepäck im C-Segment der vergleichsweise günstigen Noch-nicht-ganz-Premium-SUVs an den Start geht. Zeit für einen Test? Zeit für einen Test!

Ansprechende Optik mit Abzügen in der Hecknote
Auch wenn wir normalerweise der Meinung sind, dass es aufgrund von Geschmacksverschiedenheiten keinen Sinn macht, über Design sowie gefallen oder nicht gefallen zu diskutieren, würden wir doch gerne zwei Sätze zur 5008-Optik loswerden: Die SUV-Silhouette mit dem steilen Grill, der flachen und langen Haube, der erhöhten Bodenfreiheit (24 Zentimeter) und den großen Rädern steht dem Ex-Van wirklich gut. Am Heck scheinen die Designer aber irgendwie die Lust verloren zu haben. Die Rückleuchten sind zwar schick gemacht, die hintere Dachlinie erinnert im Profil aber doch eher an einen Kastenwagen als an ein schnittiges Crossover. Der Kodiaq-Hintern sieht ansprechender aus.

Kompakte Abmessungen, großes Raumangebot
Dafür versprechen die Abmessungen Platzverhältnisse im Innenraum, die der Konkurrenz in diesem Segment ähneln: Der 5008 ist 4,64 Meter lang, 1,91 Meter breit und 1,65 Meter hoch und damit etwas kompakter als der Skoda Kodiaq. Bis zu sieben Personen verteilen sich auf drei Sitzreihen. Zwei Passagiere finden in der ersten, drei in der zweiten (auf verstell-, verschieb- und umklappbaren Einzelsitzen) und zwei in der dritten Reihe Platz. Der klassenbeste Radstand (es sind 2,84 Meter) sorgt dafür, dass die Beinfreiheit im Fond üppig ausfällt. Auf den zwei aufklappbaren Schwiegermuttersitzen, die Peugeot gegen einen Aufpreis von 800 Euro im Kofferraumboden versteckt, merkt man davon allerdings nichts. Trotzdem fühlt man sich wohler auf dem Gestühl als auf dem des insgesamt sechs Zentimeter längeren Tschechen-SUV. Der Grund? Das zuvor erwähnte, kastige und nicht gerade sexy Heck, das selbst bei 1,85 Meter großen Sitzriesen eine befriedigende Kopffreiheit schafft. Und wenn mal weniger Menschen an Bord sind, passen zwischen 780 und 1.940 Liter Gepäck in den Kofferraum.

Noch mehr Komfort gegen Geld
Noch erfreulicher? In den höheren der vier Ausstattungslinien (Access, Active, Allure und GT) oder gegen Aufpreis gibt es außerdem Komfort-Multiplikatoren für den Gemütlichkeitsfaktor: Dazu zählen belederte Massagesitze, ein großes Panoramadach sowie ein 515-Watt-Soundsystem von Focal sowie drei unterschiedliche Innenraumdüfte. Klingt alles ein wenig nach Sauna und erholsamer Wellnessoase, oder? Und weil uns ein dreistündiger Flug auf dünnen Airline-Sitzen in den Knochen steckt, steigen wir schnell ein. Auch wenn wir weder Badehose noch Handtuch eingepackt haben ...

Tolles Cockpit an der Premium-Grenze
Das Führerhaus ist mit Peugeots neuem "i-Cockpit" ausgestattet. Es sieht fantastisch aus, wird von ansprechenden Materialien zusammengehalten und ist erstaunlich gut verarbeitet. Ein Manko? Wir konnten auch nach intensiver Suche nur einen einzigen USB-Anschluss im Fahrzeug finden – und zwar in der Mittelkonsole. Die hinteren Reihen gehen leider leer aus und werden mit 12-Volt-Anschlüssen und einer normalen Haushaltssteckdose (gegen Aufpreis) abgespeist. Aber zusätzliche Displays in Form von iPads oder Smartphones sind eigentlich auch nicht nötig. Ab der zweiten Ausstattungslinie gibt es nämlich einen riesigen und frei konfigurierbaren Bildschirm hinterm Lenkrad (12,3 Zoll) und einen Touchscreen in der Mittelkonsole (8 Zoll) serienmäßig. Weitere Technikspielereien können unter den Oberbegriffen "Assistenzsystem" und Connectivity" zusammengefasst werden. Hiervon hat der 5008 eine Menge. Die meisten Helfer (Spurhalteassistent, Verkehrsschilderkennung, Berganfahrhilfe) sind ohne Aufpreis dabei, der adaptive Tempomat kostet 500 Euro Aufpreis. Die Aufpreisliste beim Kodiaq ist deutlich länger.

Kleines Lenkrad, unverbindliche Lenkung
Was auf dem großflächigen Armaturenbrett neben all den gewaltigen Bildschirmen etwas untergeht? Das oben und unten abgeflachte Volant, das gegen die Displayflut direkt winzig wirkt. Zuerst mögen die zwergenhaften Abmessungen etwas ungewohnt sein, aber man arrangiert sich sehr schnell damit und fragt sich anschließend, warum alle anderen Lenkräder in all den anderen Fahrzeugen immer noch so groß sein müssen?! Die Servolenkung ist sehr leichtgängig und damit etwas unverbindlich, wenn es darum geht, zielgenau und sportlich die Richtung vorzugeben. Komfort steht eben im Vordergrund. Trotzdem sorgen die handlichen Dimensionen aber dafür, dass sich der Siebensitzer irgendwie kleiner anfühlt, als er es ist.

Fünf Motoren und ein falsches Getriebe
Weil Benzinmotoren in der bezahlbaren Siebensitzer-SUV-Klasse eher eine untergeordnete Rolle spielen (es gibt den 5008 dennoch mit einem 1,2-Liter-Dreizylinder mit 130 und mit einem 1,6-Liter-Vierzylinder mit 165 PS), konzentrieren wir uns hier auf die Dieselaggregate. Sie sind in drei verschiedenen Leistungsstufen erhältlich: Los geht es mit einem 1,6-Liter-Vierzylinder mit 120 PS. Er ist mit einem manuellen Sechsgang-Getriebe oder einer Sechsgang-Automatik koppelbar. Danach folgt der Volumenmotor – ein 2,0-Liter-Vierzylinder mit 150 PS. Das im Standgas etwas rau laufende Aggregat ist leider nur mit der Sechsgang-Schaltung erhältlich. Okay, das Getriebe ist gut gemacht, hakt nicht und die Gänge sind passend abgestuft, aber die flotte Automatik, die auch unter Volllast sauber, sanft und solide die Fahrstufen sortiert, wäre uns lieber. Wenn es Ihnen genauso geht, müssen Sie entweder auf 30 PS und 70 Newtonmeter Drehmoment verzichten (der 1,6er mit 120 PS hat 300, der 2,0er mit 150 PS hat 370), oder Sie rüsten auf die sich (in Sachen Kraftentfaltung und Laufruhe) genauso anfühlende Topmotorisierung auf und nehmen den Diesel mit 180 PS und 400 Newtonmeter.

Fahrwerk, Allrad und Hängerbetrieb
Wie sich das 1.605 Kilogramm schwere Topmodell auf der Straße schlägt? Eigentlich ganz annehmbar, aber eher komfortabel als sportlich. Hauptverantwortlich dafür ist das sehr weich abgestimmte Fahrwerk, das zum einen Bodenwellen leicht nachschwingend abfedert und zum anderen etwas polternd auf Schlaglöcher reagiert. In schnellen Kurven sind durch den hohen Schwerpunkt auch Wankbewegungen nicht ausgeschlossen. Der Kodiaq ist hier ein Quäntchen straffer. Apropos Kurven und Geschwindigkeit: Dem 5008 bleibt die Option auf einen Allradantrieb verwehrt. Man muss sich mit einem reinen Frontantrieb zufriegengeben. Häufiges Untersteuern? Fehlanzeige. Leichtes Gelände ist mit nur einer angetriebenen Achse auch kein Problem. Wenn Sie aber (im Falle des 180-PS-Diesels) Zugkraft benötigen und Lasten über 1.500 Kilogramm an die Anhängerkupplung hängen möchten, ist der Siebensitzer von Peugeot eher ungeeignet für Sie.

Preise und Markteinführung
Der Einstiegspreis liegt bei 24.650 Euro. Dafür bekommen Sie einen nackten 5008 mit Schaltgetriebe und 130-PS-Dreizylinder-Benziner. Der lohnenswerte 150-PS-Diesel mit Sechsgang-Schaltung ist nur in der zweithöchsten Ausstattungslinie "Allure" erhältlich – ab 34.050 Euro. Die etwas sportlichere Linie "GT" ist dem Topmodell mit Sechsgang-Automatik und 180 Diesel-PS vorbehalten. Es kostet mindestens 41.550 Euro. Zum Vergleich: Ein Skoda Kodiaq ist mit einem Einstiegspreis von 25.490 Euro etwas teurer. Dafür schlägt aber die 190 PS starke Diesel-Version mit Siebengang-DSG und Allrad mit lediglich 37.040 Euro zu Buche. Okay, dann mag der Kodiaq zwar noch nicht so gut ausgestattet sein wie der Spitzen-5008, dafür können aber Lasten von 2,3 Tonnen an den Haken genommen werden.
(ml)

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