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Test: Das Mercedes-AMG C 43 T-Modell von RaceChip Benz-Tuning per Smartphone

Haar, 11. April 2017
Weil ein C-Klasse T-Modell normalerweise nicht in großen und ziemlich auffälligen Lettern "EINFACH SCHNELLER" oder "RACECHIP" auf die Karosse foliert hat, kann es sich nicht um einen Mercedes von der Stange handeln, der da vor Kurzem auf unserem Redaktionsparkplatz abgestellt wurde. Und auch die großen Felgen in den Radkästen sowie die unübersehbare Tieferlegung sprechen irgendwie gegen einen durchweg originalen Benz. Was man mir da für eine Woche anvertraut hat? Ein aktuelles Showfahrzeug von RaceChip auf Basis des Mercedes-AMG C 43 T-Modell. Was ich damit erlebt habe, ob Sie in Zukunft auf den großen 63er-V8-Bruder von AMG verzichten können und ob sich stattdessen ein Gang zum Tuner lohnt? Zeit für ein paar Antworten ...

Basiswissen
Normalerweise ist so ein C 43 T-Modell eine ziemlich runde und unauffällige Sache mit Abzügen in Sachen Sportlichkeit. Klar, denn Mercedes-AMG muss einen gewissen Respektsabstand zum völlig wahnsinnigen C 63 mit 4,0-Liter-V8-Biturbo wahren. Der C 43 hat deshalb "nur" einen 3,0-Liter-V6-Biturbo mit 367 PS und 520 Newtonmeter Drehmoment unter der Haube. Die Gangsortierung übernimmt eine Negativkritik-freie Neungang-Automatik und die Power wird variabel an einen 4Matic-Allrad abgegeben. Dazu kommt ein Leergewicht von 1,7 Tonnen. 0-100 km/h? 4,8 Sekunden. Topspeed? 250 km/h. Weil man sich aber leider viel zu schnell an viel zu viel Leistung und die damit einhergehenden Fahrleistungen gewöhnt, hat man als AMG-Light-Käufer anscheinend schnell das Gefühl, dass Vollfett-Produkte doch ein wenig besser schmecken. Probleme der ersten Welt, Sie wissen schon. Probleme, die ein Tuner wie RaceChip gerne in Angriff nimmt. Aber wie?

Auftritt: RaceChip Ultimate Connect
Um dem anscheinend eklatanten Leistungsmangel vorzubeugen, verbaut RaceChip eine kleine Kiste namens "Ultimate Connect". Sie wird über den Anschluss für den Ladedruck, den Saugrohrdruck und den Nockenwellensensor mit der Motorsteuerung des C 43 verbunden und kann … ACHTUNG … per Smartphone-App bedient werden. Ich lade mir also kostenlos das passende Programm aus dem App-Store herunter, verbinde mich via Bluetooth mit der Box und schon kann ich mit ein paar Wischbewegungen auf meinem Touchscreen an der Leistungsschraube drehen. Ohne ölige Finger, ohne handwerkliche Fähigkeiten, ohne Ingenieursstudium in Motorentechnik. Innerhalb von wenigen Sekunden werden aus den technischen Seriendaten stolze 435 PS und 634 Newtonmeter. Ein Plus von 68 PS und 114 Newtonmeter – mehr als ein Basis-VW-Polo insgesamt zu bieten hat.

Verbesserte Beschleunigung per Smartphone
Ich drehe den Schlüssel nach rechts, der Motor erwacht (akustisch noch etwas verhalten) und ich wähle den "Sport+"-Modus für einen ersten Beschleunigungstest. Wenn ich das Pedal nach dem Verbau der unscheinbaren Box jetzt im Fußraumteppich versenke, spüre ich tatsächlich eine Verbesserung. Und zwar ohne überprüfenden Blick auf irgendwelche Datenblätter und unanfechtbare Zahlen. Gewaltbereit schiebt der Wagen nach vorne, und weil die AMG-Performance-Abgasanlage für 1.420 Euro mit an Bord ist, gibt es jetzt auch endlich was auf die Ohren – in Form von rotzigem Knallen bei jedem Schaltvorgang und einem kreischend-kernigen Sound in höheren Drehzahlen. Okay, der bassige V8-Klang der 63er-Version ist immer noch deutlich angenehmer, aber zumindest in einem Punkt erreichen wir direkt im ersten Anlauf Top-AMG-Niveau: bei der 0-100-km/h-Zeit. Aus den serienmäßigen 4,8 Sekunden macht die kleine Kiste nämlich 4,2 Sekunden.

Geringerer Spritverbrauch? Also bitte ...
An der Zapfsäule ändert sich hingegen nichts. Auch wenn laut RaceChip durch die Optimierung der Drehmomentkurve bis zu einem Liter auf 100 Kilometer an Einsparpotenzial möglich wären (mehr Drehmoment bei niedrigeren Drehzahlen – früheres Hochschalten – weniger Verbrauch), ist die Verlockung, die Leistungssteigerung immer und immer wieder herauszufordern, einfach viel zu groß. Am Ende quittiert uns der Tankwart einen durchschnittlichen Super-Plus-Konsum von 13,7 Liter. Im Mercedes-AMG-Datenblatt stehen dagegen 7,9 Liter. Aber um ehrlich zu sein, sind auch im Serienzustand einstellige Verbrauchswerte wohl eher die Ausnahme als die Regel.

Die auffälligere Showfahrzeug-Optik in Preisen
Kommen wir zurück zu dem Showfahrzeug-Look meines C 43 T-Modells. Neben der "Ultimate Connect"-Box für 749 Euro hat SchwabenFolia nämlich den Lack des T-Modells in eine Folierung für 2.260 Euro gehüllt (mit den besagten Werbesprüchen, die Sie nicht zwingend mitbestellen müssten). Außerdem wurden ein KW-Gewindefedernsatz für 699 Euro, 19 Zoll große HRE-FF15-Felgen (2.500 Euro) mit Michelin-Pilot-Super-Sport-Bereifung (920 Euro) sowie AMG-Performance-Sitze (2.300 Euro) verbaut. Eigentlich klingt es ja ziemlich plausibel, einen eher biederen C-Klasse-Kombi mit etwas Schaut-mich-an-ich-bin-hier-Optik aufzupeppen. Aber vor allem die neuen Fahrwerkskomponenten haben es in sich.

Sehr sportlich und kaum Restkomfort
Und zwar so sehr, dass ich zum Kurvenfahren eindeutig den RaceChip-Benz dem großen 63er-Bruder vorziehen würde. Die Tieferlegung mit den KW-Federn macht den C 43 dermaßen agil und direkt und die 19-Zöller mit 225er- beziehungsweise 255er-Sport-Bereifung sorgt für so viel Grip, dass der Kopf meines unvorbereiteten Fond-Passagiers bei der Autobahnabfahrt zuerst Bekanntschafft mit dem oberen Fensterrahmen macht und dem armen Tropf beim nachfolgenden Kreisverkehr das zum Filmen dieser Aktion hervorgekramte Smartphone aus der Hand fliegt. Wenn Sie aber nicht nur den ganzen Tag ahnungslose Mitfahrer ihrer kostbaren Telefone berauben wollen, sondern … sagen wir … auch mal entspannt, und ohne kurze harte Stöße in den Rücken, von A nach B reisen möchten, würde ich zum weniger leichtfüßigen und komfortableren (weil auch etwas schwereren) V8-Pendant raten.

Teures Gesamtpaket, günstige Einzeloption
Der C-43-T-Modell-Basispreis ohne werksseitige Extras bei Mercedes-AMG? 61.850 Euro. Der Grundpreis des Showfahrzeugs? 77.430 Euro. Der Komplettpreis mit Tuning und allem Pipapo? 88.278 Euro. Ja, dafür gibt es auch schon einen C 63 plus ein 10.000-Euro-Budget für Sonderausstattungen. Wo Sie ihr Geld letztlich investieren, ist allerdings Ihre Sache und wenn Sie bereits einen C 43 in der heimischen Garage stehen haben, ist RaceChip Ultimate Connect eine kostengünstige, schnelle und deutlich spürbare Art des Motortunings. Ohne einschränkende Kompromisse. Und Angst vor irgendwelchen Schäden am Motor müssen Sie dabei auch nicht haben: Der Hersteller gibt nämlich zwei Jahre Motorgarantie.
(ml)

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