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Renault Captur TCe 120 nach dem Facelift im Test Schön farbig, schön variabel, aber auch ganz schön weich

Kopenhagen (Dänemark), 15. Mai 2017
Der Jugendkult der Autohersteller nervt. Als im Renault-Werbefilm zum gelifteten Captur mal wieder nur junge, dynamische Leute um den Wagen herumhüpfen, meint ein Kollege: Man sollte mal Senioren zeigen, die mit dem Rollator um das SUV herumstehen. In Wirklichkeit sind SUV-Kunden weder alle blutjung noch steinalt. Wo genau die Stärken und Schwächen bei dem Neuling liegen, haben wir bei unserem Test des Facelift-Captur herausgefunden.

Extrovertierte Optik mit viel Farbe
Der auf dem aktuellen Clio basierende Captur gehört mit 4,12 Meter Länge in die Gruppe der ganz kleinen SUVs: Ford Ecosport, Nissan Juke, Peugeot 2008, Suzuki Vitara und Opel Crossland X sind Konkurrenten, der Audi Q2 tritt im Premiumsegment an. Zu den Besonderheiten des Captur gehört erstens die recht extrovertierte Optik mit viel Farbe und ungewöhnlichen Linien und zweitens die verschiebbare Rückbank. Beides blieb beim Facelift erhalten, die farblichen Möglichkeiten wurden noch erweitert und die Optik aufgefrischt. Hinzu kommen neue technische Extras. Wenn ich mir den Wagen im neuen Orangeton so ansehe, dann traue ich es dem Auto durchaus zu, auch Jüngere anzusprechen.

Neues Klammer-Licht und Bicolor-Lack
Außen gibt es beim Captur nun LED-Tagfahrlicht in C-Form und einen auffälligeren Unterfahrschutz: Damit dieser nicht mehr verdeckt ist, wird das Nummernschild nun auch weiter oben angebracht. Geblieben ist die Seitenoptik, bei der schwarze Teile eine Art Taillierung andeuten. Die seitliche Schutzleiste kann nun in drei verschiedenen Farben bestellt werden. Nach wie vor gibt es den Captur in Bicolorlackierungen, zu den Dachfarben Schwarz und Weiß kommt nun ein Grau hinzu. Insgesamt werden jetzt 35 verschiedene Farbkombinationen angeboten.

Auch innen viel Farbe
Auch innen gibt es auf Wunsch viel Farbe. So kann man blaue, orangefarbene oder braune Sitze bestellen und Armaturenbrett-Details in Orange oder Rot. Außerdem sind viele Oberflächen im Cockpit nun hinterschäumt. Aber während mir die Außenoptik des Captur sehr gut gefällt, finde ich das (vom Clio her bekannte) Cockpit eher etwas kauzig – zum Beispiel die seltsam verschlungenen Röhren, in denen die Instrumente stecken. Die Sitze, die nun mehr Seitenhalt bieten, sind allerdings lobenswert.

Begabter Transporteur
Bei seinem Start im Jahr 2013 wurde der Captur als Ersatz für die Kleinwagen-Vans Modus und Grand Modus konzipiert. So ist die Rückbank serienmäßig um 16 Zentimeter längs verschiebbar – in dieser Klasse war das bis zum Erscheinen des Opel Crossland X ein einmaliges Feature. Die Variabilität und die Nutzbarkeit des Kofferraums verbessert auch der (ebenfalls serienmäßige) Einlegeboden. Der Stauraum fasst in fünfsitziger Konfiguration 377 Liter (Sitze hinten, Einlegeboden oben) bis 455 Liter (Sitze vorne, Einlegeboden unten), klappt man die Rücksitze um, sind es 1.235 Liter. Im Konkurrenzvergleich sind das gute Werte. Nimmt man noch die hohe Variabilität hinzu, so darf der Captur zusammen mit dem Opel Crossland X als talentiertester Transporteur seiner Klasse gelten.

Guter TCe 120, aber sehr weiches Fahrwerk
Bei den Motoren hat sich nichts geändert. Nach wie vor gibt es Turbobenziner mit 90 und 118 PS sowie zwei Diesel mit 90 und 110 PS. 75 Prozent der Verkäufe entfallen laut Renault auf die Benziner, und zwar etwa je zur Hälfte auf den TCe 90 und den TCe 120. Letzterer bietet mit seinen 205 Newtonmeter viel Schwung von unten heraus. Nach teilweise recht stürmischer Testfahrt zeigte der Bordcomputer einen Verbrauch von 7,1 Liter je 100 Kilometer an – etwa ein Drittel mehr als der Normverbrauch. Statt der serienmäßigen Sechsgang-Schaltung können Schaltfaule für 1.500 Euro ein Doppelkupplungsgetriebe bestellen. Auffällig am Captur ist das sehr weiche Fahrwerk, das in Kurven stark wankt und beim Bremsen und Beschleunigen nickt – für Bergpässe mit endlosen Serpentinen und für sportliche Fahrer ist dieses Auto definitiv ungeeignet.

Pfiffig: Smartphone-Klemmhalterung
Die Ausstattungen heißen nun Life, Experience, Intense, Crossborder und Initiale Paris. Die Basisausstattung ist jedoch nur für den TCe 90 verfügbar. Der Experience hat nun serienmäßig statt eines CD-Radios das zeitgemäßere Audiosystem R&Go mit integrierter Halterung für ein Smartphone (weil das System selbst kein großes Display hat) und App-Integration.

Ungewöhnlich: LED-Licht und Totwinkelwarner
Zu den neuen Technik-Extras im Captur gehören außerdem LED-Schweinwerfer – in diesem Segment absolut unüblich. Ebenfalls neu ist der Totwinkelwarner, den man aber erst ab "Intens" bestellen kann. Er arbeitet zwar nicht mit Radar- sondern mit Ultraschalltechnik und hat daher eine begrenze Reichweite. Doch gerade für den Stadteinsatz ist das ein nützliches und im B-Segment selten bestellbares Sicherheitselement. Schließlich ist nun auch ein Einparkassistent verfügbar. Ein Anti-Kollisionssystem wird dagegen nach wie vor nicht angeboten, obwohl wegen des serienmäßigen Tempomaten ein Radarsensor schon an Bord ist.

Günstiger Preis
Marktstart ist am 24. Juni 2017, die Preise beginnen – kaum verändert – bei 15.890 Euro. Für den gefahrenen TCe 120 müssen mindestens 19.090 Euro überwiesen werden. Das ist günstig. Für den entsprechenden Nissan Juke 1.2 DIG-T zahlt man in der Grundversion 19.520 Euro, und den Opel Crossland X sowie den baugleichen Peugeot 2008 erhält man mit einem ähnlichen Motor erst ab etwa 20.700 Euro.
(sl)

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