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Diese sechs Dinge sind uns bei dem neuen SUV aufgefallen Unterwegs im neuen Renault Koleos

Helsinki (Finnland), 9. Juni 2017
Seit 2008 hat Renault ein Modell namens Koleos im Programm. Es wurde 2011 und 2013 geliftet, konnte sich aber nie wirklich auf dem deutschen Markt durchsetzen. Wieso das SUV ein solcher Misserfolg ist? Wir gehen davon aus, dass vor allem die -- nett ausgedrückt – "gewöhnungsbedürftige Optik" daran Schuld ist. Doch jetzt hat Renault aus dem Koleos einen wirklich gefälligen Wagen geschneidert, der die Design-Neuausrichtung der Marke abschließt. Ob es Renault gelungen ist, aus dem unattraktiven Ladenhüter einen komfortablen Bestseller zu machen? Wir haben das größte SUV der Marke getestet und sechs Dinge sind uns dabei besonders aufgefallen.

1. Die Antriebe
In Sachen Motorenwahl bleibt es unter der Koleos-Haube überschaubar. Entweder Sie entscheiden sich für einen 1,6-Liter-Vierzylinder-Diesel mit 130 PS und 320 Newtonmeter Drehmoment oder es kommt ein 2,0-Liter-Selbstzünder mit 177 PS und 380 Newtonmeter zum Einsatz. Der kleine Diesel ist nur mit einer Sechsgang-Schaltung und Frontantrieb erhältlich, der große Vierzylinder wird immer mit Allradantrieb gekoppelt, jedoch können Sie zwischen dem gleichen manuellen Getriebe oder einem CVT-Getriebe wählen (1.900 Euro). Benzinmotoren will Renault für den Koleos nicht anbieten und auch eine Hybridisierung des D-Segment-SUVs ist vorerst nicht geplant. In Zeiten von Diesel-Skandalen und Stickoxid-Diskussionen eine gewagte Strategie, aber nach unserer Testfahrt können wir Renault verstehen, denn die beiden Aggregate passen gut zu dem 4,67 Meter langen, 1,84 Meter breiten, 1,67 Meter hohen und (je nach Motorisierung und Antrieb) 1,6 bis 1,8 Tonnen schweren Wagen.

2. Das Fahrverhalten
Wirklich sportlich oder flott ist man mit dem Koleos nicht unterwegs. Komfort ist Trumpf. Mit der einfachen 130-PS-Frontantriebs-Version und der etwas knochigen Sechsgang-Schaltung ist man sogar gefühlt genauso schnell auf Tempo 100 wie mit dem 177-PS-Derivat, Allrad und dem CVT-Getriebe. Angst vor dem typischen Gummiband-Effekt der stufenlosen Automatik müssen Sie aber nicht haben, denn das Getriebe simuliert beim starken Beschleunigen sieben Fahrstufen. Wenn Sie gemäßigt unterwegs sind, agiert das CVT ohne merkbare Übersetzungsänderungen. Was uns wirklich überrascht hat, ist jedoch der Federungskomfort. Der Koleos rollt satt ab und selbst hartnäckige Querfugen sind kein Problem für die beiden Achsen. Die Wankbewegungen halten sich außerdem in Grenzen und selbst wenn Sie nur mit Frontantrieb unterwegs sind und doch einmal Kurven etwas schneller nehmen wollen, behält das Renault-SUV seine Würde und neigt werden zu heftigem Untersteuern noch zu übermäßigen ESP-Eingriffen. Bei solchen Fahrmanövern sollten Sie sich aber schon vorher ausreichend an die komfortable und ein klein wenig unverbindliche Lenkung gewöhnt haben.

3. Der Allrad
Eigentlich ist der "All Mode 4x4 I"-Allradantrieb zum größten Teil deshalb an Bord, damit beim starken Beschleunigen nicht nur die Vorderachse, sondern alle vier Räder mit Drehmoment versorgt werden können. Außerdem neutralisiert das System die leichte Untersteuerneigung des Koleos vollends und schwierige Situationen (wir denken da an Schnee oder Eis im Winter) können so auch besser gemeistert werden. Da der intelligente Allrad aber nicht nur über die Modi "2WD" und "Auto" verfügt, sondern auch über einen dritten namens "Lock", sind sogar leichte Offroad-Fahrten möglich. Ist dieser Sperrmodus aktiviert, wird die Kraft in einer festen 50:50-Verteilung an Vorder- und Hinterachse geschickt. Zusammen mit der Bodenfreiheit von 21 Zentimeter sowie den Böschungswinkeln 19 und 26 Grad (vorne/hinten) fühlen wir uns nicht fehl am Platz, als wir die befestigten Wege verlassen und einen mittelschweren Offroad-Parcour ansteuern.

4. Der Innenraum
Der Radstand von 2,71 Meter macht den Innenraum recht geräumig. In der ersten Reihe fällt vor allem die gute Kopffreiheit auf, die auch im Fond überzeugen kann. Und zwar selbst dann, wenn das doch etwas platzraubende Panorama-Glasdach den Dachhimmel auflockert. Die Beinfreiheit auf der hinteren Sitzreihe? Ebenfalls gut. Der Kofferraum fasst 498 bis 1.706 Liter Gepäck, die Heckklappe öffnet elektrisch per Knopfdruck oder per Fußwink und mit der im Verhältnis 60:40 umlegbaren Rückbank ist die Cargo-Abteilung des Koleos in Sachen Fassungsvermögen und Variabilität ganz normales Klassen-Mittelmaß. Was uns gut gefallen hat? Der Sitzkomfort und die Sitzposition auf den Ledersitzen. Was uns nicht so gut gefallen hat? Nicht überall kommen wertige Materialien zum Einsatz und so sind oft beanspruchte Teile wie die Einlagen mit den elektrischen Fensterhebern in einem kratzempfindlichen Plastik ausgeführt. Dafür kann sich die Verarbeitung echt sehen lassen, und im Vergleich zu anderen Non-Premium-Herstellern hat Renault hier keine negative Kritik zu befürchten.

5. Das Infotainment und die Assistenten
In unseren Testwagen war jeweils der 8,7 Zoll große Touchscreen verbaut (in der Basis müssen Sie mit sieben Zoll auskommen), der mit seinem horizontalen Display optisch an das System von Volvo erinnert und der mit der neuesten "R-Link 2"-Software läuft. Navigation, Audioanlage, Assistenzsysteme, Apple CarPlay, Android Auto und alle anderen Fahrzeugfunktionen lassen sich darüber steuern. Die Bedienung ist ähnlich einfach wie bei Volvo, erfordert aber genau wie bei dem schwedischen Autobauer ein bisschen Zeit der Eingewöhnung. Regler für die Klimaautomatik und die Sitzheizung oder (falls an Bord) Sitzkühlung sind auf echte Knöpfe ausgelagert, die unter dem Bildschirm angeordnet wurden. Nettes Extra: Wenn die optionale Bose-Audioanlage an Bord ist, haben Sie nicht nur guten Sound im Auto, sondern gleichzeitig auch noch eine Noise-Cancelling-Funktion. Assistenten? Gibt es. Dabei sind ein Notbremsassistent (nicht ausprobiert), ein Spurverlassenswarner (er nervt mit seinem akustischen Warnsignal), eine Verkehrszeichen-Erkennung mit Geschwindigkeitswarner (sie funktioniert), ein Toter-Winkel-Assistent (auch er funktioniert), ein Fernlichtassistent (die Testfahrt erfolgte bei Tageslicht), ein Einpark-Assistent (funktioniert mittelmäßig) und eine Müdigkeitserkennung (wir waren ausgeschlafen). Zudem ist ein adaptiver Tempopilot erhältlich (er war aber nicht in unseren Testwagen verbaut).

6. Die Ausstattung und die Preise
Los gehts bei 30.900 Euro mit einem 130-PS-Koleos in der Ausstattungslinie "Life". Damit ist der Ab-Preis eigentlich ganz vernünftig für ein SUV, das gegen den Toyota RAV4, den Nissan X-Trail oder den Skoda Kodiaq bestehen muss. Der Renault ist außerdem in der Basis bereits ordentlich ausgestattet und Sie müssen beispielsweise nicht auf 17-Zoll-Felgen, eine Zwei-Zonen-Klimaautomatik, eine Einparkhilfe, ein Tacho-Display, einen Licht- und Regensensor sowie ein Navigationssystem verzichten. Der 175-PS-Koleos ist mit 35.150 Euro genau 4.250 Euro teurer. Für 2.900 Euro Aufpreis gibt es dann jeweils die nächsthöhere Linie "Intens" und der Hersteller spendiert dem Wagen 18-Zöller, LED-Scheinwerfer, das große Infotainment-System, die Rückfahrkamera sowie den Fernlicht- und den Toter-Winkel-Assistent. Die Hütte-voll-Version namens "Initiale Paris" kann nur in Verbindung mit dem großen Motor und dem CVT-Getriebe geordert werden und schlägt mit 44.500 Euro zu Buche. Bei Premium-Herstellern à la BMW, Mercedes oder Audi bekommen Sie dann aber auch schon einen gleichwertig motorisierten X3, GLC oder Q5 ... allerdings splitterfasernackt.
(ml)

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