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Im Test: Renault Zoe mit 400 Kilometer Reichweite Grundsolider Stromer für jeden Tag

Lissabon (Portugal), 7. Dezember 2016
Mit einem Marktanteil von über 25 Prozent ist der Renault Zoe das meistverkaufte Elektroauto Deutschlands. Doch die Konkurrenz schläft nicht und besonders Opel möchte künftig mit dem Ampera-e ein großes Stück vom Elektro-Kuchen für sich gewinnen. Daher hat Renault den Zoe nun fit für den Kampf gegen den Neuen aus Rüsselsheim gemacht und ihm eine größere Batterie mit mehr Reichweite verpasst. Wir sind den überarbeiteten Zoe bereits gefahren – und waren recht angetan.

Oberflächlich nicht viel Neues
Um es gleich vorweg klarzustellen: Viel hat sich beim Zoe nicht geändert. Innen gibt es neue Türverkleidungen, außen zwei neue Farben – Rot und Titanium-Grau. Außerdem gibt es eine neue Sonderausstattung in Zusammenarbeit mit dem Sound-Spezialisten Bose, diese ist allerdings lediglich für das Zoe-Topmodell "Intense" erhältlich. In unserem Testfahrzeug sind daher Ledersitze mit Sitzheizung vorne, ein Lederlenkrad sowie ein Bose-Soundsystem mit sieben Lautsprechern verbaut. Dem Bose-Modell exklusiv vorbehalten sind außerdem glanzgedrehte 16-Zoll-Räder mit schwarzem Dekor. Inklusive dem Bose-Paket kostet der 400-Kilometer-Zoe nun 29.400 Euro – exklusive 5.000 Elektro-Prämie. Addiert werden muss allerdings noch die Batteriemiete, die ohne Kilometerbegrenzung mit 119 Euro monatlich zu Buche schlägt. Alternativ kann die Batterie nun aber auch gekauft werden – für 8.000 Euro.

Neue Batterie mit 40 kWh
Wirklich neu ist allerdings die große 40-kWh-Batterie, welche die Reichweite des Zoe von 250 Kilometer – mit der 22-kWh-Batterie – auf 400 Kilometer anheben soll. Da die Werte im neuen europäischen Fahrzyklus NEDC errechnet und nur unter idealen Testbedingungen erreicht werden können, gibt Renault außerdem eine "Real Life"-Reichweite von 300 Kilometer an. Damit hebt sich der Zoe deutlich von Mitbewerbern wie dem Nissan Leaf ab, der es mit einer 30-kWh-Batterie auf 250 Kilometer schaffen soll, diesen Wert in der Realität allerdings nicht annähernd erreicht. Renault hat es also geschafft, die Reichweite im Vergleich zum ersten Zoe von 2012 mit angepeilten 210 Kilometern fast zu verdoppeln. Möglich wird das durch eine effizientere Ausnutzung der Flächen innerhalb der Akku-Zellen. Die Batterie wächst im Vergleich zum weiterhin erhältlichen 22-kWh-Speicher in den Ausmaßen nicht an und passt als Austauschbatterie auch in ältere Zoe. Mit dem marginalen Mehrgewicht von 15 Kilogramm gegenüber dem kleineren Energiespeicher kann man auch gut leben, zumal der Zoe von seinem tiefen Schwerpunkt ohnehin profitiert. An einem Schnelllade-Anschluss lassen sich 80 Prozent der Batterie-Kapazität innerhalb von einer Stunde und 45 Minuten wiederherstellen.

Etwas müde im Antritt
Angetrieben wird der Zoe von einem Synchronmotor mit umgerechnet 92 PS, der ein maximales Drehmoment von 220 Newtonmeter an die Vorderachse abgibt. Zum Vergleich: Der Nissan Leaf kommt auf 109 PS und 255 Newtonmeter. Der Nissan-Sieg in der Autoquartett-Wertung ist auch im echten Leben spürbar – der Zoe fühlt sich deutlich schwächer und unmotivierter an als sein Konkurrent aus Fernost. Auch, wenn das Drehmoment Elektro-typisch bereits ab dem ersten Millimeter Gaspedalweg anliegt, bleibt der erhoffte E-Punch aus und der Zoe zieht unauffällig von dannen. 13,2 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 und eine elektronisch abgeregelte Höchstgeschwindigkeit von nur 135 km/h machen den Zoe ebenfalls nicht zum Autobahn-Tier.

Nicht Schwingungs-frei
Die Stärken des Zoe liegen – auch wenn er mit der vergrößerten Reichweite durchaus für lange Strecken taugt – eher im komfortablen Kurzstreckenbetrieb. Vor allem das sehr weich ausgelegte Fahrwerk sorgt mit einem deutlich ausgeprägten Nachschwingen bei höheren Autobahn-Tempi für lustige Wackeldackel-Momente bei den Passagieren. In der Innenstadt oder auf der Landstraße macht die Aufhängung allerdings eine gute Figur, ist angenehm gefedert und lässt – auch dank des tiefen Schwerpunkts – nur wenig Seitenneigung zu. Die Batterie ist im Unterflur montiert und trägt mit 305 Kilogramm einen großen Teil zum Leergewicht von 1.502 Kilogramm bei. Die Lenkung harmoniert gut mit der restlichen Abstimmung und lässt auch ein paar etwas flotter angefahrene Kurven zu. Dort muss man allerdings gegen die Seitenhalt-freien Sitze ankämpfen, die deutlich besser aussehen als sie tatsächlich sind. Beim restlichen Innenraum gibt es Renault-typisch einerseits viel Hartplastik und unschöne Oberflächen, andererseits aber auch ein grundsolides Infotainment-System mit guter Navigation und einfacher Bedienung.

Kaufempfehlung? Wir sagen: ja
Zusammenfassend kann man sagen, dass wir verstehen, warum der Zoe bei Elektro-Fans so beliebt ist. Ein schickes Außendesign wird mit einem komfortablen, funktionalen und ordentlich gestylten Innenraum kombiniert. Dazu kommt eine Elektro-Technik, die immer weiter optimiert wird und nun die psychologische Schwelle von 300 Kilometer Reichweite überschritten hat. Das Ganze gibt es – in der Einstiegsversion Life – bereits für 24.900 Euro. Abzüglich der Elektro-Prämie von 5.000 Euro kann man einen 40-kWh-Zoe also schon für unter 20.000 Euro bekommen. Wir bewegen uns also tatsächlich langsam auf einen alltagstauglichen und günstigen Stromer zu und der Zoe legt in dieser Kategorie definitiv vor. Da muss sich die Konkurrenz erst einmal an dem putzigen Franzosen abarbeiten.
(mf)

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