zaehlpixel

Skoda Karoq im Test Die Ausstattung machts

Sciacca (Italien), 13. Oktober 2017
Der Yeti kann nun endlich wieder sein Leben als Fabelgestalt aus dem Himalaja genießen. Denn er ist kein Produkt von Skoda mehr. Das kleine SUV wird vom Skoda Karoq beerbt. Schade, wir fanden den eigenständigen Yeti immer ganz nett. Und beim Karoq hatten wir von Anfang an den Verdacht, er wäre ein Seat Ateca mit anderem Logo. Doch das Leben besteht aus Überraschungen und so haben wir den Wagen getestet.

Ähnliche Maße und Motoren wie beim Ateca
Bei den Maßen (4,38 Meter Länge und 2,64 Meter Radstand) ist der Karoq mit dem Ateca fast identisch. Auch die Motoren sind ähnlich. Bei beiden werden Turbobenziner mit 115 und 150 PS angeboten, die Diesel haben ebenfalls 115 und 150 PS. Beim Karoq kommt im Frühjahr 2018 noch ein 190-PS-Diesel hinzu, während beim Ateca ein 190-PS-Benziner nachgeschoben wird. Und im Seat arbeitet noch der alte 1.4 TSI mit 150 PS, während der Skoda schon den neuen 1.5 TSI (mit verbesserten Kaltstarteigenschaften und geringerer innerer Reibung) hat.

Der 1.0 TSI reicht meist
Zuerst steige ich in einen Karoq mit dem 115-PS-TSI, Frontantrieb und Handschaltung. Wie beim Ateca bin ich vom Temperament des kleinen Dreizylinders mit 200 Newtonmeter Drehmoment angetan. Für die Stadt und gelegentliche Wochenendausflüge ist er allemal ausreichend. Akustisch bleibt er unauffällig, erst wenn man ihn ausdreht, wird er ein wenig knurrig. Der anschließend (mit DSG-Getriebe) gefahrene Karoq 1.5 TSI hat als Vierzylinder keine solche Knurrigkeit. Dass er 50 Newtonmeter mehr Drehmoment bietet, fällt kaum auf. Wer öfter Autobahn fährt und es dort auch mal krachen lässt, wird sich aber über die höhere Maximalgeschwindigkeit von 203 statt 187 km/h freuen. Außerdem hat der Motor eine Zylinderabschaltung, die bei sehr niedriger Last Sprit spart. Doch zumindest der Normverbrauch ist dennoch höher als beim 1.0 TSI. Mein persönliches Fazit: Ich würde den 1.0 TSI nehmen und mir die 2.200 Euro Aufpreis sparen. Auch auf das oft quälend spät schaltende DSG könnte ich gut verzichten. Allradantrieb gibt es für den 1.0 TSI ohnehin nicht, aber da ich weder oft bei Glätte bergauf fahre noch einen Anhänger ziehen möchte, muss ich auch das nicht haben.



Eher weiches Fahrwerk (beim Fronttriebler)
Das Fahrwerk wirkt eher weich und komfortabel. So schwankt und wankt der Karoq besonders auf kurvigen Bergstraßen ein wenig. Ein Grund, ihn nicht zu kaufen, ist das nicht für mich, da die Sitze guten Seitenhalt bieten. Aber empfindliche Mägen könnte es auf die Dauer zur Rebellion bringen. Dies gilt für die gefahrenen Fronttriebler. Diese sind beim Karoq mit einer Verbundlenker-Hinterachse ausgestattet, während die Allradler eine Mehrlenkerachse besitzen. Eine der 4x4-Versionen bin ich nicht gefahren – gut möglich, dass sie ähnlich straff abgestimmt sind wie der Ateca mit Allradantrieb und Mehrlenkerachse.

Optional mit Instrumentendisplay
Anders als für den Ateca gibt es für den Karoq demnächst das Instrumentendisplay des VW-Konzerns (Active Info Display alias Virtual Cockpit alias digitales Instrumentendisplay). Wie beim VW Polo kann nun auch hier die Navikarte auf der gesamten Displaybreite gezeigt werden. Auch hier gibt es eine reine Zahlen-Ansicht, sie hebt aber zwei Werte (zum Beispiel Tempo und Restreichweite) optisch hervor und ist damit übersichtlicher als beim Polo. Insgesamt ist das System ein echter Hingucker. Der endgültige Preis steht noch nicht fest, dürfte aber bei etwa 500 Euro liegen. Vorausgesetzt, man muss nicht noch ein sündteures Navi dazubestellen, würde ich das Display bestellen.

Beeindruckende Assistenten-Vielfalt
Apropos sündteures Navi: Die Testwagen waren mit dem Infotainmentsystem Columbus (happige 2.290 Euro für die Ausstattung Ambition) ausgestattet, das mit seinem großen Display (9,2 Zoll) und seiner hohen Auflösung (1.280 mal 640 Pixel) beeindruckt. Beim Ateca ist bei einem 8,0-Zoll-Display Schluss. Das Angebot an Assistenten ist ähnlich umfangreich wie beim Schwestermodell. Neben einem Abstandstempomaten und einem Spurhalteassistenten sind auch eine Verkehrszeichenerkennung, ein Totwinkelwarner, ein Fernlichtassistent und ein Stauassistent erhältlich. Wie beim Ateca gibt es optional LED-Scheinwerfer, eine sensorgesteuerte Heckklappe und ein Panorama-Glasschiedach, zusätzlich aber auch noch eine Lenkradheizung und Sitzheizung für den Fond.

Sehr variables Sitzsystem
Das Sitzsystem des Karoq unterscheidet sich deutlich von dem des Ateca – falls man die Option "Varioflex" für moderate 390 Euro ankreuzt. Dabei handelt es sich um ein hochvariables Tumble-System, wie es in neueren Autos eher selten anzutreffen ist. Die Rücksitzbank ist hier doppelt geteilt und ermöglicht so das Durchladen von langen Gegenständen. Zudem sind die äußeren Sitze längs verschiebbar. Die Lehnen lassen sich nicht nur nach vorne klappen, sondern man kann auch den gesamten Sitz nach vorn wickeln. Zudem lassen sich die Sitze ausbauen, was wegen ihrem Gewicht allerdings nicht einfach ist. Das Varioflex-System bedingt auch ein anderes Kofferraumvolumen. In fünfsitziger Konfiguration passen bei Varioflex 479 bis 588 Liter Gepäck hinein, während es serienmäßig 521 Liter sind. Bei dachhoher Beladung fasst der normale Karoq 1.630 Liter, mit Varioflex sind es bis zu 1.810 Liter. Weitere Pluspunkte in Sachen Variabilität und Alltagsnutzen sind die umklappbare Beifahrersitzlehne (80 Euro) und der Kofferraum-Einlegeboden (190 Euro). Mit alldem wird der Karoq innen so variabel wie ein Van.

Ab 24.290 Euro
Der Karoq ist bereits bestellbar, beim Händler steht er ab dem 4. November 2017. Ab Marktstart sind allerdings nur die beiden gehobenen Ausstattungsversionen Ambition und Style verfügbar. So kostet der günstigste Karoq 1.0 TSI recht mutige 24.290 Euro. Der Ateca 1.0 TSI ist schon ab 19.990 Euro zu haben, wenn mit weniger Ausstattung. Die Ambition-Ausrüstung des Karoq aber umfasst eben schon Dinge, die nicht jeder braucht oder nicht bezahlen möchte. Dazu gehören die 17-Zoll-Alufelgen, die elektrischen Fensterheber hinten, die beheiz- und anklappbaren Außenspiegel, die Nebelscheinwerfer, das DAB+-Radio und der Tempomat.
(sl)

Zur Bildergalerie (25 Bilder)

Gut informiert mit AutoNEWS: Hier geht es mit einem Klick zum kostenlosen Newsletter

blog comments powered by Disqus