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Wie smart ist der viersitzige Elektroflitzer? Der Smart Forfour ed im Test

Toulouse (Frankreich), 22. Februar 2017
"Forward thinking", also "vorwärtsdenkend" ist ein Ausdruck, der bei der Fahrpräsentation des neuen Smart Forfour electric drive nicht gerade zurückhaltend verwendet wurde. Die Richtung, die der Hersteller mit dem "smartesten Smart, der jemals gebaut wurde" gehen möchte, ist die gegen den Smog in Großstädten. Aber: Ist der neue und elektrische Smart Forfour nur ein Statement für den umweltbewussten Vorwärtsdenker, oder ist er eine echte Alternative zu dem Modell mit klassischem Verbrenner? Zeit für einen Test.

155 Kilometer Reichweite
Kommen wir zuallererst zu der derzeit wichtigsten Zahl beim Elektroauto-Quartett: der Reichweite. Gemäß NEFZ schafft der Forfour 155 Kilometer. Dafür hat der Viersitzer wie sein zweisitziges Pendant einen 160 Kilogramm schweren und 17,6 kWh fassenden Lithium-Ionen-Akku im Unterboden verbaut. Aber Moment?! Nur 155 Kilometer? Ja, das mag nach ein bisschen wenig klingen, schließlich schafft die Konkurrenz zum Teil schon über 500 Kilometer. Warum der Smart bei diesem Reichweiten-Wettrüsten nicht mitmacht? Hierfür gibt es gleich zwei Gründe: Erstens ist der Forfour als reines Stadtauto konzipiert. Die Zielgruppe verlässt den urbanen Raum also nur sehr selten und fährt im Schnitt sowieso nie mehr als 80 Kilometer am Tag. Und zweitens ist die Größe des Akkus bei Elektroautos der größte Preistreiber. Ergo: Kleiner Akku, niedriger Einstiegspreis.

Spritziger Fahrspaß … zumindest im Stadtverkehr
Der 60 Kilowatt (das sind 81 PS) starke E-Motor im Heck ist mit einer Eingang-Automatik gekoppelt. Mittels Hinterradantrieb gelangt die Kraft auf die Straße. Der Elektrostupser beim Anfahren ist wie gewohnt sehr spaßig, denn die 160 Newtonmeter Drehmoment stehen aus dem Stand heraus zur Verfügung. In der Stadt ist das super, denn im wuseligen und dichten Verkehr ist man sehr agil, spritzig und spontan unterwegs. Kann man aber mal schneller als 50 km/h fahren, wird es ein wenig träge. Die 12,7 Sekunden bis Tempo 100 ziehen sich. Zum Vergleich: Ein 90-PS-Benziner-Forfour ist hier 1,5 Sekunden schneller.

Auf Effizenz getrimmter Topspeed, kaum Rekuperation
Auch die Höchstgeschwindigkeit beim brummenden Benzin-Bruder ist höher. Sie liegt bei 165 km/h. Zugunsten der Effizienz wurde die "electric drive"-Version bei 130 km/h begrenzt. Darüber hinaus gibt es noch einen Eco-Modus, der bereits bei 110 km/h den Schlussstrich zieht. Rekuperiert wird in fünf Stufen. Zumindest behauptet dies der Hersteller. Gefühlt wird im Forfour nämlich nur sehr spärlich die Energierückgewinnung genutzt und wir müssen öfter als bei anderen E-Autos die Bremse betätigen. Schön wäre, wenn man die Stärke der Rekuperation selbst bestimmen könnte. Mit Schaltpaddles am Lenkrad beispielsweise.

Bessere Straßenlage als beim normalen Forfour
Pluspunkte gegenüber dem Forfour mit konventionellem Verbrenner sammelt die elektrische Variante aber trotzdem: Mit dem lokal emissionslosen Antriebsstrang ist der 3,50 Meter lange Forfour nämlich rund 200 Kilogramm schwerer. Und weil das Mehrgewicht vor allem der Batterie anzulasten ist, die tief im Fahrzeugboden verbaut wurde, resultiert dadurch eine deutlich sattere Straßenlage sowie ein windstabilieres und ruhigeres Fahrverhalten bei dreistelligen Tachowerten. Wie in einer komfortablen Sänfte geht es zwar trotzdem nicht zu, aber in dieser Klasse machen die Federung und das Abrollverhalten einen sehr löblichen Job. Mehr Komfort? Der Forfour ed ist besser gedämmt als der normale Forfour und eine Lenkradheizung ist genauso serienmäßig wie die Sitzheizung für alle vier Plätze.

Schönes, aber ungenaues Rundinstrument
Weitere Innenraumabweichungen zum Verbrenner-Forfour? Neben den elektrospezifischen Anzeigen im Kombiinstrument hinter dem Lenkrad verrät das knubbelige und drehbare Rundinstrument auf dem Armaturenbrett nun nicht mehr die Drehzahl und den Tankinhalt, sondern gibt Auskunft über die abgerufene Leistung und den Ladestand des Akkus. Eine nette Idee. Eigentlich. Da bei einem Elektro-Stadtauto einzelne Kilometer der Restreichweite und wenige Prozentpunkte beim Akkustand aber den Unterschied machen können, ist ein große analoge Anzeige vielleicht etwas ungenau und sinnlos. Zumindest dann, wenn es um die Ermittlung des nächsten Ladestopps geht.

Ladezeiten, das Internet und die mobile Lieferadresse
Akku leer? Von null bis 80 Prozent vergehen für das Aufladen sechs Stunden an einer Haushaltssteckdose. Ist bei Ihnen eine Wallbox installiert worden (es gibt diese von Smart ab etwa 700 Euro) sinkt die Ladezeit auf 3,5 Stunden. An einer 22-kW-Schnellladesäule müssen Sie 45 Minuten einplanen. Was Sie in der Zwischenzeit neben Kaffeetrinken noch alles tun können, bleibt Ihnen überlassen. Eine Alternative wäre beispielsweise, sich mit der serienmäßigen "Smart Control App" auf Ihrem Smartphone zu beschäftigen. Hier kann man sich nicht nur den aktuellen Ladestand ansehen, sondern auch den Stromverbrauch auswerten, eine Vorklimatisierung einstellen oder den Reifendruck überprüfen. Ja, der elektrische Smart ist nun auch mit dem Internet verbunden. Auf Wunsch kann sogar eine sogenannte "Connectivity Box" geordert werden. Das System befindet sich zwar noch in der Betatestphase, macht Ihren Smart aber in Stuttgart, Köln, Bonn und Berlin zwischen drei und fünf Uhr in der Nacht zu einer mobilen DHL-Paketablieferstation.

Fairer Elektroauto-Preis mit acht Jahren Garantie
Zum Schluss noch ein paar Worte zum Preis: Ja, der Forfour ed ist der derzeit teuerste Smart und erst ab 22.600 Euro erhältlich. Zusatzkosten für eine Batteriemiete wie bei beispielsweise dem Renault Zoe für 22.100 Euro kommen aber nicht auf Sie zu. Darüber hinaus können Sie noch die 4.000 Euro hohe E-Auto-Prämie von dem Kaufpreis abziehen. So landen Sie bei 18.600 Euro. Das zuvor angeführte Vergleichsmodell mit 90-PS-Benziner ist aber immer noch knapp 6.000 Euro günstiger. Doch mit ähnlicher Ausstattung nähern sich beide Preise auf einen Unterschied von rund 3.000 Euro an. Und übrigens: Smart garantiert, dass nach acht Jahren oder 100.000 Kilometern immer noch 70 Prozent der Ausgangsakkuleistung möglich sind.
(ml)

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