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Koreanischer Hersteller sorgt für große SUV-Überraschung Der SsangYong Rexton im Test

München, 17. November 2017
Gegenüber den meisten Autoherstellern entwickelt man mit der Zeit eine gewisse Erwartungshaltung. Ein Audi muss mit der neuesten Technik vollgestopft sein, ein BMW hat besonders fahraktiv zu sein, ein Alfa Romeo sieht immer Klasse aus und ein Skoda ist ein pragmatischer VW. Wenn sich dann bei einem neuen Produkt Erwartungshaltung und Realität mal nicht decken, kann das entweder positiv, meistens aber doch enttäuschend sein. Auftritt neuer SsangYong Rexton: Ein Auto, von dem ich ehrlich gesagt nicht sehr viel erwartet habe. Doch die Realität sieht völlig anders aus. Ja, der koreanische Hersteller hat hier ein SUV-Produkt am Start, das sich in keinster Weise hinter etablierten Modellen wie dem Hyundai Grand Santa Fe oder dem Kia Sorento verstecken muss. Sechs Punkte, weshalb dem so ist.

Punkt 1: Wegen dem schicken Design ...
Mit einer Länge von 4,85 Meter, einer Breite von 1,96 Meter und einer Höhe von 1,83 Meter bringt der neue Rexton künftig nicht nur mehr Fahrzeugvolumen in das Verkehrsgeschehen ein, SsangYong hat das große SUV auch ziemlich schön gemacht. Geschmackssache, klar, aber wenn Sie wert auf meine subjektive Meinung legen, spricht gestalterisch ab sofort eigentlich nichts mehr gegen den Rexton. Beziehungsweise es spricht genauso viel für den SsangYong, wie auch für einen Hyundai oder einen Kia sprechen würde.

Punkt 2: Wegen dem großzügigen Raumangebot ...
Unter der ansprechenden Optik wird es altmodisch und robust. Anders als seine koreanischen Mitbewerber baut der Rexton nämlich auf einem Leiterrahmen auf. Das macht ihn schwer (je nach Ausstattung von 2.070 bis 2.205 Kilogramm). Dafür kann sich der Radstand mit 2,87 Meter sehen lassen. Zum Vergleich: Der Sorento kommt auf 2,78 Meter und der Grand Santa Fe auf 2,80 Meter. Aus diesem Grund geht es im SsangYong am geräumigsten zu. Im Fond haben selbst Erwachsene gut Platz und optional ist sogar eine dritte Sitzreihe erhältlich. Dann schrumpft das Kofferraumvolumen zwar etwas, aber wie oft brauchen Sie schon die 800 bis knapp 2.000 Liter Ladevolumen des Fünfsitzers?

Punkt 3: Wegen dem klangvollen Antrieb ...
Per Knopfdruck erwacht unter der Haube ein akustisch verhaltener 2,2-Liter-Vierzylinder-Diesel. Der Wahlhebel der Siebengang-Automatik flutscht auf "D" und schon kann es losgehen. Die Gangbox kommt von Mercedes. Sie sortiert solide und komfortabel die Gänge. Ich drücke voll aufs Gas und bin erstaunt, wie unglaublich gut der Selbstzünder klingt. So ist kein Nageln, sondern eher ein wohliges Brummen zu vernehmen. Mit 181 PS und 420 Newtonmeter Drehmoment sorgt der Diesel nicht für allzu flotte Fahrleistungen, untermotorisiert kommt man sich im Rexton aber nicht vor. Nur im direkten Konkurrenzvergleich wirkt der Wagen etwas träger. Es geht in Richtung Alpen und ich bin mit reinem Hinterradantrieb unterwegs. Angst vor einem instabilen Heck muss ich nicht haben, denn die Elektronik greift früh ein und hält den Rexton auf Kurs. Einen zuschaltbaren Allradantrieb gibt es auch. Sogar mit Untersetzung. Aber selbst bei winterlichen Fahrbahnverhältnissen kann ich die Vorderachse abgeschaltet lassen und etwas Diesel sparen. Apropos sparen: Angegeben ist der große SsangYong mit 8,1 Liter je 100 Kilometer. Auf dem Bordcomputer sind 8,9 Liter zu lesen.

Punkt 4: Wegen dem hohen Fahrkomfort ...
Weil ich das Rexton-Modell mit Automatikgetriebe unter dem Hintern habe, werden die Hinterräder nicht an einer Starrachse, sondern einzeln aufgehängt. Dadurch liegt der Leiterrahmen-SsangYong genauso ruhig auf der Straße wie seine Korea-Gegner. Das Fahrwerk insgesamt ist komfortabel abgestimmt. Die Wankbewegungen sind trotzdem erfreulich zurückhaltend und der Wagen liegt sehr satt auf der Straße. Bei der Dämmung hat sich der Hersteller auch Mühe gegeben und so ist es erstaunlich ruhig im Innenraum. Selbst wenn der Tacho 200 km/h anzeigt. Ein winziger Kritikpunkt, den Grand Santa Fe und Sorento besser machen: Die Lenkung könnte etwas direkter sein.

Punkt 5: Wegen der guten Ausstattung ...
So gleiten wir also auf der Autobahn dahin. Mir ist heiß. Nicht nur weil die Zwei-Zonen-Klimaautomatik auf 25 Grad gestellt wurde, sondern weil meine Sitzheizung auf Stufe drei läuft und das Lenkrad meine Finger wärmt. Mein Beifahrer friert hingegen. Er wollte aber auch unbedingt die Sitzkühlung ausprobieren. Ich will nicht gleich von einer Rexton-Wohlfühloase sprechen, aber mein Mitfahrer kann sich diesen Ausdruck nicht verkneifen. Ein bisschen hat er ja auch recht. Überall finden sich Leder und aufgeschäumte Oberflächen, es gibt Ambientelicht und die Verarbeitung kann sich wirklich sehen lassen. Darüber hinaus sorgen ein 7-Zoll-Display zwischen den Rundinstrumenten und ein 9,2-Zoll-Touchscreen in der Mittelkonsole für Entertainment und Information. Das Infotainment-System ist zwar nicht das umfangreichste, kann aber via Bluetooth oder Kabel mit Apple CarPlay oder Android Auto erweitert werden.

Punkt 6: Wegen der einfachen Preisgestaltung ...
30.990 Euro lautet der Einstiegspreis in die neue Rexton-Welt. Allrad kostet 2.000 Euro Aufpreis, für die Siebengang-Automatik werden 2.500 Euro berechnet, die Sieben-Sitze-Option liegt bei 800 Euro, ein Schiebedach ist 1.000 Euro teuer und eine Metallic-Lackierung schlägt mit 600 Euro zu Buche. Nappa-Leder ist der höchsten Ausstattungslinie "Sapphire" vorenthalten, wo es für optionale 2.000 Euro erhältlich ist. Dafür sind in dieser Linie eine elektrische Sitzverstellung, Sitzheizung vorne und hinten und Sitzbelüftung vorne serienmäßig (ansonsten 2.000 Euro Aufpreis). Eine elektrische Heckklappe, ein Totwinkelassistent und ein 360-Grad-Kamerasystem lassen sich in Verbindung mit dem Nappa-Leder-Paket ordern. Für das sogenannte "Elegance-Paket" werden 2.500 Euro fällig. Ein Hütte-voll-Rexton liegt so bei knapp 50.000 Euro. Dazu kommen eine Garantie über fünf Jahre mit erweiterter Laufleistung von 100.000 auf 150.000 Kilometer.
(ml)

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